In einer Gedenkstunde hat der Landtag der Reichspogromnacht vor 80 Jahren gedacht. Regierung wie Opposition mahnten, sich auch heute entschlossen gegen Antisemitismus und Rassismus zu stellen.

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Bei einer Gedenkstunde im Landtag zum 80. Jahrestag der Pogromnacht in Deutschland hat Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) die hohe Bedeutung des Erinnerns beschworen. "Die Erinnerung ist das Wichtigste, um das Geschehene nicht zu vergessen", erklärte er am Freitag.

Bei dem Gedenktag gehe es um die unfassbaren und unmenschlichen Verbrechen, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangen wurden. Zugleich werde die Warnung für zukünftige Generationen wachgehalten, hieß es in einer Mitteilung des Landtagspräsidenten.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Anhänger der Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand. Sie misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger.

Bouffier: "Der Tiefpunkt der Zivilisation"

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte: "So etwas darf sich niemals wiederholen. Das war der Tiefpunkt der Zivilisation." Doch der Tag müsse auch mit Blick auf die Gegenwart aufrütteln. "Wenn Juden bei uns wieder Angst haben, kann uns das nicht gleichgültig sein“, sagte Bouffier und verwies auf Antisemitismus und Rassismus, die sich auch in Deutschland wieder breit machten.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, mahnte: "Rassismus, Hass und Verblendung schleichen sich im Gewande des Populismus von Rechts wieder in die Parlamente und in die Gesellschaft." Dagegen müssten Demokraten entschlossen, mutig und wehrhaft zusammenstehen. "Denn Demokratie ist mehr als eine Staatsform, Demokratie ist eine Lebenshaltung."

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hsk

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Bischof: Antisemitismus "aus der so genannten Mitte"

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, zeigte sich schockiert über Antisemitismus und Rassismus in Deutschland. Der "um sich greifende Hass" gehe quer durch die Gesellschaft, sagte Hein am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung in Thüringen.

Das eigentlich Schockierende sei, "dass es eben nicht nur Abgehängte, Desintegrierte, Zurückgelassene sind, die brutal grölen oder subtil hetzen", so Hein. Vielmehr kämen Antisemitismus und Rassismus "aus der so genannten Mitte, aus den Reihen derer, die sich für anständig halten".