Besucher an der Grenzgedenkstätte Point Alpha in Rasdorf am Mahnmal für die Deutsche Teilung und Wiedervereinigung.

Die Gedenkstätte Point Alpha an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze steckt weiter in der Krise. Die geplante Verleihung des Point-Alpha-Preises wird auch in diesem Jahr wohl nicht stattfinden. Am Coronavirus liegt es nicht.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 08.05.2020
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Point Alpha - das war früher der Name eines Militärstützpunkts der US-Armee. Zur Zeit des Kalten Krieges belauerten sich dort an der deutsch-deutschen Grenze die politischen Machtblöcke von Ost und West. Nach dem Mauerfall entwickelte sich im osthessischen Rasdorf und im benachbarten Geisa (Thüringen) eine bundesweit einmalige Gedenkstätte.

Doch der geschichtsträchtige Lernort, zu dem jedes Jahr zehntausende Besucher strömen, kommt nicht zur Ruhe: Die Verleihung des renommierten Point-Alpha-Preises für Verdienste um die deutsche und europäische Einheit fällt in diesem Jahr wohl erneut aus, wie Stiftungsvorstand Eberhard Fennel am Dienstag mitteilte. Es fehle ein auserkorener Preisträger.

In der Vergangenheit ging der Point-Alpha-Preis vor allem an die großen Politik-Promis. Die erste Ehrung erhielten 2005 drei Architekten der deutschen Einheit: neben Ex-US-Präsident George Bush senior, dem ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl. Im Vorjahr bekam der damalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Auszeichnung.

Bereits im Jahr 2018 gab es Probleme

Bis Ende Februar habe das zuständige Kuratorium Deutsche Einheit keinen Beschluss gefasst, welchem Preisträger die Ehre in diesem Jahr zuteil werden soll, berichtete die Stiftung. Zur Erklärung: Das Kuratorium ist ein eigenständiger, gemeinnütziger eingetragener Verein, der den Preisträger auswählt, den Preis verleiht und das Preisgeld von 25.000 Euro organisiert. Die Stiftung kümmert sich um die Organisation und Durchführung des Festakts.

Mit dieser Arbeitsteilung fuhren die Akteure zuletzt nicht pannenfrei. Denn bereits 2018 fiel die wegen ihrer Bedeutung im TV übertragene Veranstaltung ins Wasser. Auch damals konnte kein Preisträger ermittelt werden. Und bereits im Jahr davor mussten die Stiftung und der Förderverein der Gedenkstätte helfen, um Preisträger und Preisgeld sicherzustellen, wie Stiftungsvorstand Fennel erklärte.

"So kann das nicht weitergehen"

"So kann das natürlich nicht weitergehen mit den wiederkehrenden Unsicherheiten und den kurzfristigen organisatorischen Strapazen für die Organisation", sagte Fennel. Die Situation sei "äußerst bedauerlich" - eine höfliche Bezeichnung dafür, dass einiges gewaltig schief läuft. Deswegen will die Stiftung die Vergabe des Preises künftig komplett in die eigenen Hände nehmen.

Eine zunächst angedachte Preisverleihung in Verbindung mit dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sei aus organisatorischen Gründen wegen der fortbestehenden Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie kaum möglich, hieß es.

Personal-Querelen vor Gericht

Doch da ist nicht nur die Pleiten-Story rund um die Preisverleihung. In jüngster Vergangenheit machte Point Alpha durch Personal-Querelen Schlagzeilen. Die Auseinandersetzung musste sogar vor Gericht behandelt werden. Am Ende des Streits vor dem Arbeitsgericht Suhl (Thüringen) kam es wegen der Kündigung von Stiftungsdirektorin Ricarda Steinbach zu einem Vergleich nicht veröffentlichten Inhalts. Die Prozessparteien vereinbarten Stillschweigen.

Vor der juristischen Klärung war vor allem eines zu vernehmen: Ärger. Im Juni 2018 hatte Steinbach nach internen Differenzen ohne Angaben von Gründen ihr Amt aufgegeben. Aus der Gedenkstätte hieß es, sie sei von Teilen des Stiftungsrates angefeindet worden. Es soll dabei um die inhaltliche Ausrichtung der Arbeit der Gedenkstätte gegangen sein.

Neuer Geschäftsführer – und Öffnung am 9. Mai

Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten für Point Alpha. Am Mittwoch vermeldete die Stiftung, dass die Gedenkstätte ab 9. Mai wieder für Besucher öffnet – wenn auch eingeschränkt und mit entsprechenden Hygiene- und Sicherheitsregeln. Am Montag verkündete die Stiftung zudem, zum 1. September einen neuen Geschäftsführer gefunden zu haben. Sebastian Leitsch (35) wird in dieser Funktion den ehrenamtlichen Vorstand ablösen. Verstärkung bekommt Leitsch durch Roman Smolorz als Stellvertreter. Leitsch studierte an der Universität der Bundeswehr in München Staats- und Sozialwissenschaften. Zuletzt arbeitete er beim Landkreis Fulda in der Verwaltung mit. Bei Point Alpha erwarten ihn unruhige Zeiten.

Sebastian Leitsch, künftiger Geschäftsführer der Point-Alpha-Stiftung
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Besucher aus In- und Ausland

Point Alpha ist ein in dieser Form bundesweit einzigartiges Museum unter freiem Himmel und in Gebäuden. Dort sind noch Überreste von Grenzanlagen des sogenannten Todesstreifens zu sehen, zudem Waffen und vor allem pädagogisch wertvoll aufbereitete Ausstellungen. Gäste kommen deswegen aus dem In- und Ausland. Wenn nicht gerade wegen der Corona-Pandemie der Betrieb heruntergefahren ist, besuchen auch viele Schüler- und Reisegruppen Point Alpha.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 08.05.2020, 16.45 Uhr