Jürgen Richter

Seit Wochen erschüttert die Affäre um überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt. Nun verkündet der langjährige Geschäftsführer seinen sofortigen Rücktritt.

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Der langjährige Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt, Jürgen Richter, bestätigte dem hr auf Anfrage am Donnerstag, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. Er war wegen Betrugsermittlungen und Berichten über überhöhte Gehälter und Dienstwagen-Privilegien unter Druck geraten. Er wolle einer Aufklärung der Vorwürfe nicht im Wege stehen, sagte Richter dem hr.

"Kein Schuldeingeständnis"

Eigentlich wäre der Jürgen Richters Geschäftsführer-Vertrag in Frankfurt zum Jahresende ausgelaufen. Er verbinde mit seinem Rücktritt kein Schuldeingeständnis, wolle aber Schaden von der AWO abwenden, sagte Richter. Unter anderem wies er Mobbing-Vorwürfe zurück. Die Affäre ist am Donnerstagabend auch Thema in der Stadtverordnetenversammlung.

Mehrere Anfragen von Fraktionen liegen vor. Kritische Fragen richten sich dabei auch an Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann (SPD). Auch dieser steht seit Wochen wegen der AWO-Affäre unter Druck. Feldmanns Frau wird hr-Recherchen zufolge als Leiterin einer AWO-Kita besser gestellt als Kolleginnen.

Kampagne beklagt

Nach fast drei Jahrzehnten in Verantwortung für die Geschicke des Kreisverbandes beendet Richter damit seine Tätigkeit für die AWO. Im Rücktrittsschreiben, das dem hr vorliegt, beklagt er seit einem Jahr laufende "Presseberichterstattungen mit Kampagnencharakter". Die in den Medien erhobenen Vorwürfe würden "wesentlich aus entwendeten und anonym durchgestochenen, internen Dokumenten gespeist". Leichten Herzens höre er in der schwierigen Situation nicht auf.

Richter gibt sich zuversichtlich, dass "die eingeleiteten Aufklärungsmaßnahmen schlussendlich die Vorwürfe widerlegen werden". Er fügt hinzu: Im Rahmen einer Transparenzoffensive hätten die Verantwortlichen der AWO auch eigene Fehler eingeräumt, "z.B. die Dienstwagenrichtlinie oder eine mangelnde Kommunikation unsererseits".

Politische Dimension

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AWO-Geschäftsführer Richter erklärt seinen Rücktritt

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Warum er zum jetzigen Zeitpunkt aufhört, begründet er auch. Zum einen macht er geltend, die "ständigen personalisierten Angriffe in den Medien" hätten ihn und seine Familie "teilweise auch gesundheitlich schwer getroffen". Die Debatte habe "in den letzten Tagen zunehmend an Momentum gewonnen und scheint auch immer öfter jedes Maß zu verlieren".

Als Hintergrund für die von ihm wahrgenommene Kampagne deutet der Ex-AWO-Chef politische Motive an, spricht von der "politischen Dimension dieser Angelegenheit", die in der Wahrnehmung in den Hintergrund getreten sei. Genauer wird Richter nicht. Er selbst ist, wie viele kritisierten Personen der Affäre, SPD-Mitglied.

Der AWO-Bundesverband nahm den Rücktritt nüchtern in zwei Sätzen "als Konsequenz aus den bisherigen Entwicklungen zur Kenntnis", wie Vorstandschef Wolfgang Stadtler in Berlin mitteilte. Seine Prüfung werde der Bundesverband unverändert fortsetzen.

Sohn zieht auch Konsequenzen

Am Mittwoch hatte die ebenfalls wegen hoher Chefgehälter in die Kritik geratene AWO Wiesbaden mitgeteilt, dass Richters Sohn Gereon seinen Posten in der dortigen Geschäftsführung ebenfalls aufgibt. Jürgen Richters Ehefrau Hannelore hatte die AWO in der Landeshauptstadt lange als Geschäftsführerin geleitet. Ihre Bezahlung und die ihres Stellvertreters hat nun für kritische Nachfragen von Wirtschaftsprüfern geführt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.12.2019, 13 Uhr