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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Aktion gegen Glücksspiel in 13 hessischen Städten

Aktion gegen Glücksspiel

Schmeiß dein Geld doch gleich in die Tonne! Das ist das Motto des Aktionstags der Landesstellen für Suchtfragen, der am Mittwoch in ganz Deutschland stattfand. Bei der Aktion gegen Glücksspielsucht waren in Hessen 13 Städte mit dabei.

Geld einfach mal wegwerfen konnten Hessen heute in 13 Städten, darunter in Frankfurt, Gießen, Limburg, Fulda und Kassel. Jeder konnte dort symbolisch 500 Euro in Mülltonnen schmeißen. Die Aktionen sollte zeigen, was für eine Geldverschwendung Glücksspiele sind.

Glücksspiel kann süchtig machen

Glücksspiel kann sich schnell zu einem massiven Problem auswachsen, wenn der Konsum außer Kontrolle gerät: In ganz Deutschland sind 500.000 Menschen von Glücksspielsucht betroffen. Die Landesstelle für Suchtfragen schätzt, dass in Hessen 37.000 Menschen massive Probleme mit Glücksspiel haben, genaue Studien, wie viele Menschen als süchtig eingestuft werden, liegen für Hessen nicht vor.

Andreas B. ist einer von ihnen. Er verzockte nach eigenen Angaben schon mehr als 10.000 Euro, aufhören konnte er nicht. Als er kein Geld mehr hatte, beschaffte er sich welches durch Einbrüche, er gab sich als Altenpfleger aus, um in die Wohnungen wohlhabender Senioren zu kommen. Doch irgendwann wurde er erwischt, musste ins Gefängnis. Die Ehe zerbrach, weil seine Frau seine Sucht nicht mehr aushielt.

Glücksspielsucht – ein Teufelskreis

Solche Fälle wie der von Andreas B. kämen leider öfter vor, sagt Petra Hammer-Scheurer von der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks Region Kassel. "Viele Glücksspielsüchtige begehen Selbstmord weil sie aus dem Glücksspiel nicht mehr heraus kommen." Betroffene seien in einem regelrechten Teufelskreis gefangen, sie verspielten alles, ihr ganzes Geld, ihr Haus, ihr Auto. Dabei würden die Betroffenen immer jünger.

Nach Auffassung von Hammer-Scheurer und ihren Kollegen von der Suchtberatung sind die Online-Glücksspiele dafür verantwortlich, deren Zahl immer weiter zunimmt. "Beim Fußball ist Bandenwerbung für Online-Fußball-Wetten doch ganz normal geworden", sagt die Suchtberaterin. "Prominente Spieler machen dafür sogar Werbung, und machen sich die Gefahren dieser Glücksspiele gar nicht bewusst."

Flucht aus dem Alltag

Glücksspielsüchtige wollen beim Spielen aus dem Alltag fliehen, erklärt Andreas Fux von der Kasseler Suchtberatungsstelle. Beim Spielen am Automaten oder online könnten sie alle Probleme ausblenden, sie tauchten regelrecht ab. Außerdem gebe ihnen das Wetten, die Aussicht auf den großen Gewinn, einen "Kick", der sie zusätzlich in den Bann des Spiels ziehe.

Glücksspielsucht ist eine anerkannte Krankheit. Betroffene können zum Beispiel beim Diakonischen Werk in vielen hessischen Städten und Gemeinden ambulante Therapien machen. Aber auch Kliniken bieten stationäre Therapien an. Dabei analysieren die Suchtberater mit den Betroffenen, welche ganz realen Probleme hinter ihrer Sucht stehen. Dann versuchen sie gemeinsam, diese Probleme zu lösen. Mit Erfolg: Die Suchtberatung in Kassel meldet zum Beispiel eine Erfolgsquote von 50 bis 60 Prozent.

Weitere Informationen

Hotline für Hilfe

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine kostenlose Hotline für Betroffene an: Tel. 0800 1 37 27 00.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr1, 25.09.2019, 10.16 Uhr