Ein Stadtführer steht mit einer Gruppe vor einem Gebäude in Gießen und wird von einer hr-Reporterin interviewt
Karl Heinz Reitz (Mitte) bei einer seiner Stadtführungen, begleitet von hr-Reporterin Eva Grage (Archivbild). Bild © Karl Heinz Reitz

Ein Kreistagsabgeordneter der AfD darf nicht mehr im Auftrag der Gießener Marketing-Gesellschaft Stadtführungen anbieten. Ihm wird vorgeworfen, Migranten diffamiert zu haben. Der Beschuldigte weist das zurück.

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Die Gießen Marketing GmbH hat sich vom Stadtführer Karl Heinz Reitz getrennt, der für die AfD als Abgeordneter in Gießen im Kreistag sitzt. Der Vorwurf: Diffamierung von Migranten. Die Zeitungen Gießener Allgemeine und Gießener Anzeiger berichteten bereits darüber.

"Wir hatten leider in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden von verschiedenen Besuchern zu den Inhalten bei seinen Führungen", sagte Geschäftsführer Tilman Bucher. Die Marketing GmbH hatte die Führungen vermittelt, Mehrheitsgesellschafterin ist die Stadt Gießen.

Immer wieder habe es Gespräche mit Reitz gegeben - erfolglos. Nun habe man einen Schlussstrich gezogen, sagte Geschäftsführer Bucher. "Weil wir uns ganz generell abgrenzen von diskriminierenden, rassistischen und sexistischen Äußerungen." Man erwarte von Stadtführern, das Image der Stadt zu präsentieren - "und das Ganze dabei natürlich neutral zu machen".

Führungen vorbei an Flüchtlingsunterkunft

Reitz ist pensionierter Oberst und spezialisiert auf die Gießener Militärgeschichte. Seit 2013 hatte er im Auftrag des Stadtmarketings Führungen angeboten, eine davon: "Auf den Spuren der Amerikaner". Dabei zeigte er Besuchern verlassene Bunker, den ehemaligen Army-Flugplatz sowie den Bereich des früheren US-Areals, auf dem sich heute die hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge befindet.

In den Beschwerden an das Stadtmarketing wurde Reitz unter anderem vorgeworfen, dass er sich als Stadtführer auf seiner Tour abfällig über Bewohner der Flüchtlingsunterkunft geäußert habe.

Stadtführer: Vorwürfe gegenstandslos und konstruiert

Reitz wies die Vorwürfe zurück, nannte sie gegenstandslos und konstruiert. Er vermute seine Parteizugehörigkeit als Grund für den Rauswurf, was Marketing-GmbH-Geschäftsführer Bucher wiederum bestritt.

Reitz bestätigte, dass bei seinen Touren durch das ehemalige US-Areal die Rede manchmal auch auf Flüchtlinge gekommen sei. Er habe sich in der Hinsicht aber immer zurückgehalten und lediglich die Fragen von Besuchern beantwortet. Keiner seiner Gäste habe sich direkt bei ihm beschwert. Er will seine Touren nun in Eigenregie anbieten.

Sendung: hr4, 17.06.2019, 15.30 Uhr