Autoscooter-Anlage zwischen Bäumen
Probeaufbau einer Autoscooter-Anlage auf dem Gladenbacher Marktplatz. Bild © Bodo Weissenborn (hr)

Welcher Schausteller darf auf Gladenbachs größtem Volksfest im Sommer seinen Autoscooter aufbauen? In einer feierlichen Zeremonie sollte der Gewinner ausgelost werden. Doch dann kam alles ganz anders.

Audiobeitrag
Bianka Möller-Balzer misst nach

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gladenbacher Posse um Vergabe eines Autoscooter-Stellplatzes

Ende des Audiobeitrags

Bürgermeister, Kirschkönigin, ein Notar und viele Gäste: Der Sitzungssaal im Gladenbacher Rathaus war am Montagabend gut gefüllt. Der Abend sollte Antwort geben auf die Frage, welcher der drei interessierten Schausteller beim Kirschenmarkt in Gladenbach (Marburg-Biedenkopf) im Juli seinen Autoscooter aufbauen darf. Das lange vorgeplante Losverfahren stand kurz vor dem Höhepunkt.

Aber anstelle der Kirschkönigin, die zur Glücksfee in dem Verfahren ernannt worden war, trat überraschend Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) vor das Publikum. "Es gibt kein Los mehr zu ziehen", erklärte er knapp. Von den drei interessierten Autoscooter-Betreibern hätten zwei ihre Bewerbung soeben zurückgezogen.

Ortsansässiger Schausteller bekommt den Zuschlag

Damit stand fest: Der ortsansässige Schausteller Herbert Kreuser wird im Juli seine Anlage auf dem Kirschmarkt aufbauen. "Überwältigend", reagierte Kreuser. "Ich freue mich." Um einen Stellplatz zu bekommen, hatte Kreuser in der Vergangenheit - mit wechselndem Erfolg - schon mehrmals gegen die Stadt Gladenbach geklagt, Ausdruck eines wachsenden Konkurrenzkampfs unter Schaustellern. Nun bekam er den Zuschlag.

Der Autoscooter-Betreiber Kreuser mit seinem Anwalt (2. von links)
Autoscooter-Betreiber: Familie Kreuser mit ihrem Anwalt Klaus Hünlein (2. von links). Bild © Rebekka Diekmann/ hr

Aber warum hatten die Konkurrenten einen Rückzieher gemacht? Kurz vor der geplanten Auslosung hatten sich die Bewerber zusammengesetzt und eine Abmachung getroffen, verriet Schausteller Sascha Kalbfleisch aus Bad Wildungen. "Das war halt eine Verhandlung." Wie der Deal genau aussieht, verrieten die Schausteller allerdings nicht.

"Wir sind zwar Schausteller, aber keine Glücksspieler"

Er und der dritte Bewerber hätten aber nicht auf ihr Losglück hoffen wollen. "Wir sind zwar Schausteller, aber keine Glücksspieler", betonte Kalbfleisch. Der Rückzieher solle ein Zeichen an die Stadt sein. "Uns als Schaustellern ist es wichtig, dass wir Planungssicherheit haben." Sie seien "zu sehr Geschäftsmänner", als dass sie ein Losverfahren akzeptieren könnten.

Dabei war schon die Zulassung zum Losverfahren für die Schausteller mit einem erheblichen Aufwand verbunden gewesen. Sie mussten erst einmal beweisen, dass ihr Fahrgeschäft auch auf den Gladenbacher Marktplatz passt. Dafür hatten Sie ihre Autoscooter-Anlagen testweise auf- und wieder abgebaut. Vor zwei Jahren hatte nämlich einmal ein Betreiber den Zuschlag erhalten, beim Aufbau dann aber festgestellt, dass das Fahrgeschäft zu groß war. Die Folge: Er musste Äste von den Bäumen absägen und konnte eine Front nicht ausklappen.

Bürgermeister hält an Losverfahren fest

Dass die unendliche Geschichte um den Autoscooter-Stellplatz schließlich ganz ohne die Stadt zu Ende geführt wurde, dürfte Bürgermeister Kremer geärgert haben. Es sei schade, "dass offenbar an der Stadt vorbei verhandelt worden ist", meinte er knapp. Die Auslosung sei das Ergebnis eines aufwändigen Mediationsverfahrens gewesen, deshalb wolle die Stadt auch in den nächsten Jahren am Losverfahren festhalten. Aufwändig sei übrigens auch dieser Abend gewesen, fügte Kremer hinzu. Die Kirschenkönigin sei dafür extra früher von der Arbeit gekommen.