Studenten campen
Studentenbude auf dem Campingplatz: Wohnmobil "Olaf" Bild © hr

Jeden Monat viel Geld für die Miete zurücklegen? Die Kasseler Studenten Niklas und Clemens haben sich für einen anderen Weg entschieden: Sie leben glücklich auf einem Campingplatz - in ihrem Wohnmobil "Olaf". Ziemlich glücklich, aber eines vermissen die beiden manchmal.

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hs

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Bei Niklas Peterknecht und Clemens Ollermann läuft einiges anders als bei ihren studentischen Altersgenossen. Sie sind in einem alten Wohnmobil zusammengezogen, nennen es liebevoll "Olaf“. Der 27 Jahre alte Fiat steht auf einem Dauercampingplatz in Ahnatal bei Kassel und bietet auf rund zwölf Quadratmetern Wohnfläche alles, was die beiden zum Leben brauchen.

"Ich glaube schon, dass man so glücklicher ist, als wenn man viel hat“, sagt Niklas. Die beiden 20 und 22 Jahre alten Studenten sind für Politikwissenschaften und Soziologie eingeschrieben. Über ihren Studienort Kassel haben sie sich vorab reichlich Gedanken gemacht: "Wir können unsere Familien ganz gut besuchen, weil Kassel so zentral liegt. Außerdem gibt es hier keinen NC“.

Lieber reisen als Miete zahlen

Billiger kann man kaum wohnen: Clemens und Niklas zahlen 42 Euro Miete im Monat für sich und "Olaf". Damit sparen sie jede Menge Geld, das andere für Mietwohnungen ausgeben. Mit dem Ersparten wollen sie lieber reisen, "am besten durch ganz Europa, dann vielleicht mit einem Tiny House“ - einer Art Autoanhänger mit Hausaufbau, "das ist der Plan".

Glück ist keine Frage von Besitz

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Mit Wenig glücklich

Serie in der hessenschau, täglich 19.30 Uhr

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Es gibt nichts Überflüssiges in diesem Studenten-Haushalt. "Auf so wenig Raum muss man kreativ werden“, sagt Niklas,"aber wir haben eigentlich alles, was man an Komfort braucht. Nur ein bisschen kleiner.“ Der einzige zusätzliche Abstellraum ist das graue Vorzelt vor dem Eingang, manchmal werden Einrichtungsgegenstände zweckentfremdet. Auf der hinteren Sitzbank steht eine Kühltruhe, eine Ablage über dem Küchentisch hat sich zum Boxenständer für die Bluetooth-Stereoanlage entwickelt. Die Fahrerkabine ist eine Art Ablagefach - "Olaf" ist ohnehin über den Winter abgemeldet.

Freiheit als Lebenskonzept

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Leben glücklich im Wohnmobil: Niklas Peterknecht und Clemens Ollermann Bild © hr

"Wir wollen uns nicht fest an einen Ort binden, deswegen haben wir uns gegen eine Wohnung entschieden“- Niklas und Clemens wollen jederzeit die Möglichkeit haben, ihre Sachen zusammenzupacken und loszufahren. Das Wohnmobil bedeutet dabei für die beiden fast schon Luxus. Vor ihrem Studium waren sie ein Jahr mit einem ganz normalen Kombi in Neuseeland unterwegs. "Da haben wir immer mal im Wohnwagen oder in Bussen geschlafen, und das Konzept fanden wir großartig. Alles was wir hatten war drin im Auto, mehr braucht man nicht“, sagt Clemens. "Hinten die Sitze umgeklappt, dann die Matratze rein, ein paar Boxen - und ab geht die Post.“

Aber ist es im Wohnmobil im Winter nicht einfach zu kalt? Das sei kein Problem, sagt Clemens. Dann werde einfach die Gasheizung angeworfen. Allerdings müsse man sich "schon ein bisschen dran gewöhnen, wenn man zu zweit auf so engem Raum zusammen ist, gucken wer wo steht oder sitzt. Aber das hat man schnell.“

"So ne richtige Dusche wäre noch schön“

Eingekauft wird zu Fuß im nahegelegenen Dorf oder mit Bus und Bahn. Dusche und Toilette gibt’s auf dem Campingplatz. Obwohl, "so ne richtige Dusche wäre noch schön“, sagt Niklas. Im Wohnmobil gibt es zwar eine komplette Nasszelle, die ist allerdings schon länger nicht mehr auf ihre Funktion getestet worden. Clemens will demnächst mal gucken, ob alles noch dicht ist.

So heißt es vorerst weiter: 50 Meter quer über den Campingplatz bis zur warmen Dusche. "Aber die Freiheit, die wir durch das Wohnmobil haben, das macht alles wieder wett.“