Glückliche Emojis

Von Platz 14 auf Rang zwei innerhalb von acht Jahren: Die Hessen sind laut "Glücksatlas" mit ihrem Leben so zufrieden wie noch nie. Für den Platz an der Spitze wird es laut Studienleiter aber niemals reichen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zufriedenheit auf Allzeithoch

Lachende Menschen
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Dass es die Bayern nicht mit Hessen aufnehmen können, ist nicht erst seit dem vergangenen Wochenende und dem 5:1 der Frankfurter Eintracht über den einst so schillernden Voralpenverein aus München klar. Und Hamburg? Fußballerisch quasi von der Bundesliga-Landkarte verschwunden, lockt auch der dauergraue Nieselregen in der norddeutschen Tiefebene keinen hinter dem Ofen hervor.

Was der lebensbejahende Hesse längst wusste, bekommen der selbstverliebte Bayer und der vornehme Hanseat nun Schwarz auf Weiß: In Hessen ist das Glück zu Hause! Im jährlich erscheinenden bundesweiten "Glücksatlas", einer von der Deutschen Post in Auftrag gegebenen Studie, belegt das zentralste aller Bundesländer den zweiten Platz. Noch nie war der Hesse mit seinem Leben so zufrieden wie aktuell.

Ei gude, wie?

Aufholjagd in Sachen Lebensfreude

"Hessen hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne gearbeitet", umreißt Studienleiter Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Freiburg, im Gespräch mit dem hr das stetig wachsende hessische Glücksmoment. Noch vor acht Jahren, beim allerersten "Glücksatlas", belegte das Land zwischen Odenwald und Edersee Rang 14 unter den insgesamt 19 untersuchten Bundesländern und Regionen. Danach folgte eine Aufholjagd in Sachen Lebensfreude, die über die Plätze sechs (2015), vier (2017) und drei (2018) nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

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Deutschland auf Platz zehn

Deutschland belegt im europäischen Glücksranking den zehnten Platz. Spitzenreiter ist Dänemark vor den Niederlanden und Schweden.

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Mit einer Zufriedenheit von 7,31 Punkten liegt Hessen auf einer Skala von 0 bis 10 nicht nur klar über dem bundesweiten Schnitt, der mit 7,14 Punkten ebenfalls ein neues Allzeithoch erreichte. Der neue Zweitplatzierte verdrängte damit auch erstmals Hamburg (7,27) auf den dritten Rang. Die bayerischen Regionen Franken (7,27) und Bayern-Süd (7,26) sind auf den Plätzen vier und fünf dagegen schon richtige Miesepeter. Das Rennen, welches besorgte Bundesland wohl den letzten Platz belegt, entschied Brandenburg mit 6,76 Punkten für sich.

Bernd Raffelhüschen

Drei Gründe fürs Glück

Drei Faktoren sind laut Raffelhüschen für die fröhlichen Hessen verantwortlich: Das Einkommen liege weit über dem Bundesschnitt, die Gesundheitswerte seien bei Jung und Alt auffallend gut, und der starke Arbeitsmarkt mit niedriger Arbeitslosigkeit befeuere die Heiterkeit. "Das Wirtschaftswunder der letzten zehn Jahre spielte sich vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ab", sagt Raffelhüschen. Einzig die gestiegenen Wohnkosten drückten etwas aufs Gemüt, berichtet der Studienleiter.

Für die neunte Ausgabe des Reports wurden Daten einer großen Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und aktuelle eigene Erhebungen mit insgesamt mehreren tausend Befragten ausgewertet. Die Menschen sollten dabei ihren eigenen Mikrokosmos bewerten. Detaillierte Ergebnisse innerhalb Hessens liegen allerdings nicht vor.

Unlauterer Wettbewerb mit Spitzenreiter

Wer es in dieser Studie in acht Jahren von Platz 14 auf Rang 2 schafft, für den sollte der Gipfel der Zufriedenheit doch nur das nächste logische Ziel sein. Hessen als Nabel des Glücks?

Ausgerechnet hier widerspricht Raffelhüschen: "Das können Sie nicht aufholen, dazu müssten Sie Ihr Land verschieben", richtet er den Hessen aus. Der Experte erteilt dem Rennen um die deutsche Glücksmeisterschaft eine jähe Absage. An Seriensieger Schleswig-Holstein (7,44 Punkte) komme so schnell niemand vorbei, prophezeit der Wissenschaftler.

Küste in Schleswig-Holstein

Das nördlichste deutsche Bundesland sei infiziert vom angrenzenden Dänemark. "Und Dänemark ist seit Jahren das glücklichste Land Europas", erklärt Raffelhüschen den quasi unlauteren Wettbewerb: "Es ist die plattdeutsche Gemütlichkeit - der Schleswig-Holsteiner sieht jedes halbleere Glas als halbvoll an."

Dass der Freiburger Uni-Professor selbst aus Nordfriesland stammt, soll für Verschwörungstheoretiker nicht unerwähnt bleiben. Aber so schnell lässt sich der Hesse seine gute Laune bekanntlich nicht verderben.

Sendung: hr2-kultur, 05.11.2019, 17.40 Uhr