Christel Gorni auf dem Friedhof in Frankfurt-Bonames.
Christel Gorni auf dem Friedhof in Frankfurt-Bonames bei ihrem Familiengrab. Bild © hr

Vor Jahren hat die Familie von Christel Gorni in Frankfurt ein Urnengrab mit sechs Plätzen gekauft. Vier Angehörige sind bereits gestorben. Als die 79-Jährige Vorkehrungen für ihren eigenen Tod treffen will, erfährt sie, dass für sie kein Platz mehr in dem Grab ist. Grund ist eine Änderung der Friedhofssatzung.

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Christel Gorni steht mit ihrem Rollator vor dem Urnengrab ihrer Familie in Frankfurt-Bonames. Die 79-Jährige hat in den vergangenen 15 Jahren ihre Eltern, ihre beiden Geschwister und ihren Ehemann verloren. Ihr Mann Hans-Peter, mit dem sie 33 Jahre verheiratet war, stirbt 2011 nach eineinhalb Jahren Krankheit an Lungenkrebs.

Auf dem braunen Grabstein stehen die Namen ihrer Verwandten, davor stehen gelbe Osterglocken in einer Vase. Noch pflegt Christel Gorni das Grab selbst, sie ist jede Woche hier. "Da unten rechts, da liegt mein Mann und unten links, da will ich hin", erklärt sie.

Christel Gorni aus Frankfurt-Bonames
Christel Gorni Bild © hr

Seit einem Jahr leidet Gorni an einer schweren Knochenmark-Erkrankung. Zwei Operationen und neun Wochen Krankenhaus-Aufenthalt liegen hinter hier. Nach ihrer Entlassung aus der Klinik im Juni 2018 geht sie zu ihrem Bestattungsunternehmen. Sie will vorbereitet sein und für den Fall ihres Todes alles geregelt wissen. Was Christel Gorni dann erfährt, sei für sie "ganz furchtbar" gewesen, erinnert sich die 79-Jährige.

Bestattung frühestens im Dezember 2024

Christel Gornis Mutter hatte 2005 eine Urnengrabstätte für sechs Urnen auf dem Friedhof Frankfurt-Bonames im Frankfurter Norden erworben. Darin begraben liegen heute die Eltern, Christel Gornis Bruder sowie ihr Ehemann. Für zwei Bestattung wäre demnach noch Platz.

Doch vom Frankfurter Grünflächenamt erfährt Gorni, dass ab dem 1. Juli 2018 eine neue Friedhofsordnung gilt. Jetzt ist festgelegt, dass nur noch vier Urnen in einer Urnenwahlgrabstätte beigesetzt werden können. Im Falle ihres Todes könne sie erst nach dem Ablauf der ersten Urnen-Ruhefrist im Dezember 2024 bestattet werden. "Sollte ich früher sterben, dann könnte ich vielleicht auf die grüne Wiese", berichtet Gorni aus der Antwort des Grünflächenamtes.

Neben dem Schock darüber, dass sie nicht mit ihren Lieben beerdigt werden soll, beschäftigt Christel Gorni vor allem die Tatsache, dass sie nicht über die Änderung der Friedhofsordnung informiert wurde.

Satzungsänderungen im Amtsblatt vermerkt

"Individuelle Benachrichtigungen erfolgen nicht", so die Antwort der Stadt. Satzungsänderungen würden im Amtsblatt der Stadt veröffentlicht, außerdem habe die Presse über die Satzungsänderung informiert. "Nichts davon habe ich mitbekommen", erklärt Christel Gorni. Im Krankenhaus habe sie weder Radio noch Fernsehen gehabt. Internet nutze sie nicht in ihrem Alter.

Erst als die Frankfurterin sich in ihrer Not an die Redaktion "defacto", des Hessischen Rundfunks wendet, kommt Bewegung in den Fall. Auf hr-Anfrage erhält Christel Gorni vor wenigen Wochen die Rückmeldung, dass unter Berücksichtigung ihrer besonderen persönlichen Situation eine Ausnahme gemacht werden könne. Das Grünflächenamt versichert ihr, "dass sie ihre letzte Ruhe wie gewünscht in ihrer Familiengrabstätte finden" wird.

"Dankbar und froh" ist Christel Gorni über das Einlenken des Amtes. Die Ungewissheit der vergangenen Monate sei "ein Horror" für sie gewesen.

Sendung: hr-fernsehen, defacto, 8.04.2019, 20.15 Uhr