Trauergebet für die Opfer des Hanauer Anschlag

Nach dem rassistischen Anschlag von Hanau hat die Öffentlichkeit Abschied von den ersten Opfern genommen. In Offenbach hatte der Vater einer Getöteten zur Trauerfeier eingeladen.

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Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit sind am Montag die ersten Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau beigesetzt worden. In Offenbach fand am Vormittag auf dem Neuen Friedhof die Trauerfeier für die 35-jährige Mercedes Kierpacz statt. Die Mutter zweier Kinder war am vergangenen Mittwoch zusammen mit vier weiteren Menschen in einem Kiosk im Hanauer Stadtteil Kesselstadt erschossen worden.

"Sie ist bei Gott, anders kann es gar nicht sein", sagte der katholische Geistliche bei der Zeremonie. Und mit Blick auf die Motive des Täters, aber auch die Wut vieler Menschen über das Verbrechen, betonte er: "Wenn wir anfangen zu hassen, dann können wir nicht lieben."

In Offenbach fand am Montag die Beerdigung von Mercedes Kierpacz statt.

An der Trauerfeier beteiligten sich mehrere hundert Menschen - darunter Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Am offenen weißen Sarg nahmen Angehörige und Freunde Abschied von der Toten. "Sie hat das Leben so sehr geliebt", sagte ihr Vater, der eigens die Öffentlichkeit zu der Trauerfeier eingeladen hatte. Er habe damit zeigen wollen, was das Hassverbrechen bei den Angehörigen und Freunden angerichtet habe, hieß es zur Erklärung.

Totengebet in Hanau

In Hanau selbst kamen am Montagmittag rund 1.500 Menschen zu einem Totengebet für die Anschlagsopfer Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin und Fatih Saraçoğlu zusammen. Die Särge der drei Getöteten waren in türkische Fahnen gehüllt und standen vor einer Bühne, auf der muslimische Geistliche die Trauergebete sprachen. Nach dem Abschluss der Gebete in türkischer Sprache wurden die Särge in bereitstehende Leichenwagen getragen.

Am Nachmittag wurde zudem auf dem Hauptfriedhof in Hanau ein weiteres Anschlagsopfer, der 22-jährige Ferhat Unvar, beigesetzt.

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Trauerfeier nach Anschlag in Hanau: "Die Guten müssen endlich aufstehen"
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Zentrale Trauerfeier erst im März

Die Stadt Hanau kündigte indes an, dass eine zentrale Trauerfeier für die insgesamt zehn Opfer des Hanauer Anschlags wohl erst im März stattfinden werde. Zunächst werde abgewartet, bis das letzte Opfer beigesetzt oder überführt sei, sagte eine Sprecherin. Die Trauerfeier soll in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet werden.

Bei den Anschlägen von Hanau, hatte der mutmaßliche Täter Tobias R. insgesamt 10 Menschen und am Ende sich selbst getötet. Neun der Toten hatten einen Migrationshintergrund. Der Täter hatte zunächst in einer Shisha-Bar in der Hanauer Innenstadt und anschließend in einem Kiosk im Stadtteil Kesselstadt um sich geschossen. Die Auswahl der Opfer sowie von R. im Internet veröffentlichte Videos und Schriften sprechen nach einhelligen Ansicht von Experten für Rassismus als Tatmotiv.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.02.2020, 19.30 Uhr