Zwei Hände mit blauen Schutzhandschuhen führen eine Impfung an einem Oberarm aus.

Schnellere Impfstofflieferungen und mehr Anlaufstellen: Hessen will auf die steigenden Corona-Fallzahlen und die wachsende Nachfrage nach Booster-Impfungen reagieren.

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Angesichts steigender Fallzahlen will das Land Hessen die Kapazitäten für Corona-Impfungen deutlich erweitern. So sollen Impfstellen an Krankenhäusern eingerichtet und mehr Impfmöglichkeiten in Kreisen und Städten geschaffen werden, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Außerdem solle in Arztpraxen mehr geimpft werden. Dies hätten Land, Ärzte und Apotheker sowie die kommunalen Spitzenverbände vereinbart.

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Hier können Sie sich impfen lassen

Eine Übersicht über die stationären Impfangebote hat das Gesundheitministerium zusammengestellt. Sie finden die Übersicht hier.

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Die Menge der wöchentlichen Corona-Impfungen in Hessen sei seit Anfang September von etwa 60.000 auf 130.000 mehr als verdoppelt worden. "Diese Zahl wird sich kurzfristig weiter deutlich steigern", erklärte Klose. Helfen soll dabei auch, dass der Bund schneller als bisher Impfstoff bereitstellt. Bislang muss dieser mit zwei Wochen Vorlauf bestellt werden.

Mehr Angebote auch auf dem Land

Geplant ist unter anderem, dass die Zentralen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes an hessischen Krankenhäusern zu Impfstellen werden. Auch in den ländlichen Räumen soll das Angebot an mobilen Teams, stationären Impfstellen und Sonderaktionen ausgeweitet werden.

Mehrere hessische Kreise und Städte haben ihre Impfangebote bereits wieder hochgefahren - nur sechs Wochen nachdem die letzten der einst 28 Impfzentren im Land geschlossen hatten. Das soll auch weiterhin so bleiben. Einige Kommunen wie etwa Frankfurt betreiben Impfstellen seither in kleinerer Form weiter.

Ein Drittel der Arztpraxen impft nicht

Zwar verwies das Innenministerium noch vor kurzem auf die niedergelassenen Ärzte, die seit Anfang Oktober wie geplant für die Impfungen verantwortlich seien. Doch diese können den logistischen Aufwand kaum stemmen - und nicht alle Praxen bieten überhaupt Impfungen an, und schon gar nicht für fremde Patienten. Von den gut 5.000 Arztpraxen in Hessen ist es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung etwa jede dritte, die ihre Patienten an die verbliebenen Impfstellen verweist.

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"Es ist wichtig, dass sich möglichst viele der bisher Ungeimpften impfen lassen", appellierte Sozialminister Klose. Aber auch die Auffrischimpfungen seien wichtig - besonders für die Menschen, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliege. Hier seien zunächst ältere Personen, Menschen mit Vorerkrankungen und medizinisches und pflegerisches Personal gefragt. Der benötigte Impfstoff sei jedenfalls in ausreichender Menge verfügbar, wie der Hessische Apothekerverband mitteilte.

"Nicht alles ist sofort leistbar"

Die Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und des hessischen Hausärzteverbands warben aber auch um das Verständnis der Patienten, um den Praxen den immensen Druck nehmen zu können: "Nicht alles ist sofort für jeden leistbar. Wenn das jeder versteht, kommen wir auch gut durch die nächsten Wochen."

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Auffrischungsimpfungen

Etwa 8,7 Millionen Corona-Schutzimpfungen wurden bislang in Hessen verabreicht. Impfen lassen können sich aktuell nur Personen ab zwölf Jahren, für jüngere Kinder ist noch kein Impfstoff in Deutschland zugelassen. Derzeit empfiehlt die Ständige Impfstoffkommission (Stiko) außerdem Dritt- beziehungsweise Boosterimpfungen für Patienten mit Immunschwäche sowie Menschen ab 70 Jahren. Voraussetzung dafür ist, dass der Abschluss der ersten Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt.
Prinzipiell kann aber jeder Geimpfte eine solche Auffrischungsimpfung erhalten. Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens sagte am Dienstagabend im ZDF, sein Gremium empfehle Boosterimpfungen künftig für alle Menschen ab 18 Jahren. Gut 305.000 Hessinnen und Hessen haben sie den RKI-Zahlen zufolge schon bekommen.

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Linke: "Das wird nicht genügen"

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag wertete die Erklärung als Schlappe für die schwarz-grüne Landesregierung. Die Entscheidung, die Impfzentren zum 30. September zu schließen, sei "schlicht falsch" gewesen, so Christiane Böhm: "Die nun beabsichtigten Kapazitätserhöhungen werden nicht genügen, erst recht nicht, wenn die Ständige Impfkommission die bisherige Priorisierung beim Boostern irgendwann aufheben sollte."

Die Grünen hingegen sehen in der Allianz einen Erfolg. "Ziel ist es, möglichst schnell allen Menschen die Auffrischungsimpfung anbieten zu können", so Gesundheitsexpertin Kathrin Anders.

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