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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kitas: Erste Woche im eingeschränkter Regelbetrieb

Kinder waschen sich in einer Kita die Hände

Seit einer Woche dürfen auch wieder Kinder in die Kita, deren Eltern nicht als systemrelevant gelten. Doch die Regeln für den Kitabesuch sind streng. Längst nicht alle Kinder können wieder betreut werden.

Wenn Sebastian Grimm seinen Sohn morgens in die AWO-Kita Stubenwald in Bensheim (Bergstraße) bringt, darf er nur den Seiteneingang durch den Garten nutzen und er muss warten, bis ihm die eiserne Tür aufgeschlossen wird. Durch diese Tür aber dürfen nur Kinder der Gruppe Kunterbunt gehen - die Eltern müssen sich draußen verabschieden. Kita-Leiterin Ariane Krüger nimmt den kleinen Henri in Empfang und bringt ihn nach drinnen zu seiner Erzieherin - dort heißt es als erstes: Händewaschen.

Elternvertreter: "Familien fehlt die Lobby"

Sebastian Grimm freut sich für seinen Sohn, dass er endlich wieder Kontakt zu Gleichaltrigen haben kann. Für ihn selbst und seine Frau ist es zumindest eine kleine Unterstützung, den Sohn an zwei Tagen in der Woche für sechs Stunden betreut zu wissen. Auch wenn er sich deutlich schnellere und klarere Schritte vom Land Hessen in Richtung Kitaöffnung gewünscht hätte.

"Man hat den Eindruck, es wird mehr darüber nachgedacht, wohin man im Urlaub fliegen kann oder wann man wieder Golf spielen kann. Und den Familien fehlt die Lobby. Gerade vom Land kommt da nicht viel", sagt Grimm, der auch Elternvertreter der Kita ist.

"Die Enttäuschung ist bei vielen Eltern gerade ganz groß", sagt Birgitte Molter vom Verein KitaEltern Hessen. Viele Eltern hätten sich große Hoffnungen gemacht, ihre Kinder wieder in die Kita schicken zu können. Doch die Erfahrungen seien hessenweit sehr verschieden. Molter kennt Eltern, deren Kinder bereits gut versorgt seien und Eltern, die noch nicht einmal Rückmeldung von ihrer Kita bekommen hätten. Es könnten weder einzelne Träger noch einzelne Kommunen ausgemacht werden, in denen es besonders schlecht laufe - es sei "ein Flickenteppich", so Molter.

Kitas müssen entscheiden, wer kommen darf

Vor einer Woche begann der so genannte eingeschränkte Regelbetrieb an den rund 4.300 Kitas in Hessen. Zuvor konnten die Kitas in der Corona-Krise nur eine Notbetreuung für Kinder anbieten, deren Eltern als systemrelevant galten.

In der Kita Stubenwald in Bensheim können inzwischen wieder alle Kinder betreut werden, deren Eltern das möchten - denn die Kita hat genügend Platz, es sind vergleichsweise wenige Kinder fünf Tage die Woche in der Notbetreuung, und es fallen auch keine Erzieherinnen aus Risikogründen aus.

In anderen Kitas dagegen müssen sich manche Eltern und Kinder weiter gedulden. So auch in der Kindertagesstätte Auf Esch in Groß-Gerau, wo bislang nur 56 der 96 Kinder kommen dürfen. Darüber zu entscheiden, wer schon darf und wer nicht, sei viel Aufwand, erzählt die Leiterin Rosel Scherer-Hahn. Vor allem aber falle es schwer, die Bedürfnisse der einzelnen Kinder und Eltern gegeneinander abzuwägen.

Weniger kuscheln, gar nicht singen

Auch in der Kita der Lebenshilfe Weilburg gibt es Kinder, die noch nicht in die Kita zurückkönnen. Für die Betreuung im eingeschränkten Regelbetrieb würden Kinder mit Behinderung bevorzugt. Doch noch immer behalten auch Eltern ihre Kinder lieber zu Hause, aus Sorge vor der Übertragung des Coronavirus, erzählt Antje Stahl, die die Kita leitet.

Abstände einzuhalten sei auch nicht immer ganz einfach, bestätigt Stahl. Vor allem beim ersten Wiedersehen seien die Kinder überschwänglich und voller Freude gewesen. Wenn sie sich gegenseitig umarmen oder spielen sei Körperkontakt aber kaum vermeidbar. Trotzdem sei es nicht so eng, wie früher: "Es wird nicht so eng gekuschelt. Wir singen nicht mehr morgens mit den Kindern, das ist sehr irritierend, weil es wurde immer gesungen."

Kitaleiterin: Trennung von Kindern pädagogisch problematisch

Vieles ist inzwischen in den Kitas anders, als die Kinder es gewohnt sind. So gibt es zum Beispiel in der AWO-Kita Stubenwald in Bensheim neue Gruppen mit festen Erzieherinnen, die ausschließlich die festgelegten Gruppen betreuen dürfen. Das zu organisieren ist für Leiterin Ariane Krüger eine große Herausforderung, weil sie dafür eigentlich mehr Personal bräuchte. Auch pädagogisch findet Krüger diese Trennung schwierig, da befreundete Kinder auf einmal nicht mehr draußen gemeinsam spielen dürften.

Der kleine Henri malt drinnen an einem Bild. Er freut sich darüber, dass er wieder in die Kita darf, im großen Garten spielen kann und seinen Freund sieht. Es sei zwar vieles anders geworden, meint er. Aber immerhin könne er noch genauso malen, wie früher.

Sendung: hr-iNFO, 09.06.2020, 7.50 Uhr

Ihre Kommentare Eingeschränkter Regelbetrieb: Wie läuft es in Ihrer Kita?

28 Kommentare

  • Wäre es nicht möglich statt einem Mundschutz für die Erzieher/innen diese durchsichtigen Plastikschilde zu verwenden?

  • Wie können Eltern oder überhaupt Menschen so etwas mitmachen? Schämt euch alle...

  • Ein totaler Unsinn. Ich bin Erzieherin in einer hessischen Einrichtung und wir haben für alle Kinder geöffnet. Es ist alles wie es vorher war. Singen und Kuscheln inklusive. Alles andere ist eine einzige Phars. Jeder Erzieher weiß dass die wirklich völlig schwachsinnigen Regeln für Kinder von 1-6 nicht einzuhalten sind. Wir geben den Kindern Normalität zurück. Und werden sie sicher nicht voneinander oder gar von uns fernhalten. Jeder Erzieher der behauptet sowas sei möglich träumt/lügt! Und warum nicht Singen? Die Kinder sind immer wieder ganz dicht ab meinem Gesicht, sitzen auf meinem Schoß, schlingen ihre Ärmchen um mich. Küssen ihre kleinen Freunde mitten ins Gesicht. Aber nicht singen?? Mir fehlen immer wieder die Worte in den letzten Wochen. Allgemein was die Regelungen in Schulen und Kitas angeht. Und nun noch die Schulen ganz öffnen um zu schauen, was passiert. Frechheit!! Meine Kids bleiben dann eben daheim. Mal wieder ....

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