Der Künster Matthias Braun aus Würzburg zeigt bei einer öffentlichen Präsentation sein Modell mit dem Titel "Bruchstücke".

Die Stadt Hanau will der Opfer des rassistischen Anschlags vom Februar 2020 mit einem Mahnmal gedenken. Von 118 eingereichten Vorschlägen sind noch fünf übrig. Die Hinterbliebenen haben Mitspracherecht.

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Schon früh wurden Forderungen nach einem zentralen Denkmal in der Stadt Hanau laut. Wie das aussehen soll, klärt ein künstlerischer Wettbewerb. 118 Vorschläge aus ganz Deutschland wurden eingereicht. Eine Jury aus Angehörigen der Opfer des rassistischen Anschlags und ein Fachbeirat haben ihre fünf Favoriten gewählt. Am Samstag stellte die Stadt die verbliebenen Entwürfe vor und eröffnete damit den öffentlichen Diskurs.

Alle fünf Vorschläge seien von hoher Qualität, sagte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). In Bildern und einem Film werden die Modelle von diesem Sonntag an online auf der Seite "Hanau steht zusammen" zu sehen sein. Ab Montag, 6. September, werden sie zudem im Kulturforum am Hanauer Freiheitsplatz gezeigt.

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Audioseite Fünf Entwürfe zur Auswahl für Hanau-Denkmal

Der Entwurf mit dem Titel "Der Vielfalt" der Künstlerin Carla Mausch aus Nürtingen steht auf einem Tisch bei einer öffentlichen Präsentation von fünf Entwürfen für ein Mahnmal, das künftig an die neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau erinnern soll.
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Entscheidung im September

Nach der Erörterung wollen Fachbeirat und Jury noch im September den Sieger küren und eine Empfehlung zur Umsetzung aussprechen. Die endgültige Entscheidung obliege dem Magistrat, den Ortsbeiräten und der Stadtverordnetenversammlung, teilte die Stadt mit. Das Mahnmal soll zum zweiten Jahrestag des Anschlags am 19. Februar 2022 Gestalt annehmen.

Der Entwurf mit dem Titel "Wir" der Künstlerin Susanne Lorenz aus Berlin steht auf einem Tisch bei einer öffentlichen Präsentation von fünf Entwürfen für das Hanau-Mahnmal.

Die nun vorgestellten Vorschläge stammen aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur, Kommunikationsdesign und Steinbildhauerei. Gemeinsam ist den fünf Entwürfen, dass sie die Namen der Getöteten tragen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Dabei setzen die Künstler auf unterschiedliche Materialien: neben Stein auch auf Edelstahl, Spiegelelemente und Glas. Die spiegelnden Eigenschaften sollen dafür sorgen, dass sich der Betrachter selbst sieht und erkennt: Es hätte jeden treffen können, die Opfer waren am 19. Februar 2020 schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort, wie der Hanauer Kultur-Fachbereichsleiter Martin Hoppe sagte.

Der Künstler Heino Hünnerkopf aus Wertheim zeigt bei einer öffentlichen Präsentation sein Modell mit dem Titel "Einschnitt" als einen von fünf Entwürfen für ein Mahnmal, das künftig an die neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau erinnern soll.

Das findet sich beispielsweise im Entwurf "Bruchstücke" von Matthias Braun aus Würzburg (Bayern), der auseinandergerissene Spiegelflächen und Stahl verbindet. Im Entwurf "Einschnitt" von Heiko Hünnerkopf aus Wertheim (Baden-Württemberg) sind die Namen der Getöteten in gelasertem Edelstahl aufeinandergesetzt und in einem Halbrund angeordnet, in das der Betrachter eintreten kann. Susanne Lorenz aus Berlin setzt das Wort "WIR" aus neun Stelen zusammen, die auch Porträts der Opfer zeigen und Angaben zu ihrem Lebenslauf.

Unterschiedliche Herangehensweisen

Carla Mausch verfolgt mit ihrem Projekt "Der Vielfalt" einen kommunikativen Ansatz: Sie will mit Hanauer Bürgerinnen und Bürgern und den Hinterbliebenen Begriffe sammeln, die für Vielfalt stehen und neun Bronzeteile gießen, die auf Steinsäulen aufgesetzt werden sollen. Der Entwurf "9" von Stephan Quappe Steffen aus Trier (Rheinland-Pfalz) soll aus farbigen Verbundglasflächen bestehen, die zu einer Neun verbunden sind.

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky steht hinter einem Entwurf des Künstlers Stephan Quappe Steffen aus Trier mit dem Titel "9".

Ein 43-Jähriger hatte am 19. Februar 2020 neun Menschen in Hanau aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus.

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