Frau mit Atemschutzmaske vor einer Apotheke

Als erste hessische Stadt hat Hanau die Bevölkerung in der Corona-Krise zum Tragen von Schutzmasken aufgerufen. "Wenn jeder eine Maske trägt, ist allen geholfen", sagte Oberbürgermeister Kaminsky. Experten haben Bedenken.

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Auf der Website der Stadt Hanau findet sich seit Montagabend ein "Schutzmasken-Gebot". Damit fordert Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Bevölkerung auf, in der Öffentlichkeit eine Atemschutzmaske zu tragen.

Eine Nähanleitung wolle die Stadt bis zum Ende der Woche veröffentlichen, damit möglichst viele Hanauer ihre Masken selbst herstellen können. Schließlich gibt es seit Wochen Lieferengpässe bei Schutzmasken, die insbesondere Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen treffen.

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"Wenn jeder eine Maske trägt, ist allen geholfen", begründete Kaminsky die Entscheidung. "Unser Gebot soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass jeder von uns die Aufgabe hat, sich und andere zu schützen. Das macht die Ansteckung schwieriger und verlangsamt die Ausbreitung des Coronavirus."

Keine Pflicht, sondern "nachdrückliche Empfehlung"

Bei dem Gebot handelt es sich laut einer Sprecherin der Stadt aber nicht um eine Verpflichtung, sondern um eine nachdrückliche Empfehlung, die Masken ab sofort zu tragen. Zu der Frage, ob sich dadurch der Engpass in den Kliniken verschärfe, wollte die Sprecherin zunächst nicht Stellung nehmen.

Wer der Devise "Do it yourself" nicht folgen könne, für den bemühe sich die Stadt Hanau, Lösungen zu finden, sagte zudem ein Mitarbeiter des Krisenstabs auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Theaterwerkstatt näht Masken für die Bevölkerung

Es gebe in der Bevölkerung bereits viele Initiativen, die selbst Masken herstellen würden. Zudem sei die Theaterwerkstatt der abgesagten Brüder-Grimm-Festspiele dabei, Schutzmasken zu produzieren. Es werde derzeit noch geklärt, wie diese an die Bevölkerung verteilt werden können.

Nach Aussage des Krisenstabs bemüht sich die Stadt Hanau außerdem, auf eigenem Wege Hausärzte, Alten- und Pflegedienste sowie Feuerwehren mit Schutzmasken zu versorgen. "Unsere Maßnahmen entbinden den Bundesgesundheitsminister Spahn aber nicht von seiner Pflicht, die zugesagten Schutzmasken und Ausrüstungen zur Verfügung zu stellen", sagte Oberbürgermeister Kaminsky. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte den Kliniken und Praxen wegen der Lieferengpässe Unterstützung von zentraler Stelle zugesagt.

WHO rät von Mundschutzpflicht ab

Der medizinische Nutzen - insbesondere selbstgenähter - Atemschutzmasken für die gesunde Bevölkerung ist allerdings umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation riet am Montag sogar von einer allgemeinen Mundschutzpflicht ab: Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan.

Vielmehr entstünden zusätzliche Risiken, etwa wenn Menschen die Masken falsch abnehmen würden und sich dabei womöglich infizierten. "Wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist", sagte Ryan.

Werra-Meißner-Kreis begrüßt selbstgenähte Masken

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagte im NDR, durch einen Mundschutz lasse sich die Ansteckung anderer verhindern - dazu müsse die Maske allerdings "an der Quelle sein und nicht am Empfänger". Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, habe darüber hinaus den psychologischen Effekt, dass die Menschen an den Ernst der Lage erinnert würden.

Der Werra-Meißner-Kreis teilte am Dienstag mit, man begrüße die vielen Initiativen von Seiten der Bürger, selbst Schutzmasken herzustellen. Es sei sicherlich nicht verkehrt, solche Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, um damit die Infektionskette zu durchbrechen, hieß es in der Mitteilung weiter. Eine ausdrückliche Empfehlung wie in Hanau gibt es in dem Kreis aber nicht.

Auf Bundesebene ist derzeit ebenfalls keine Maskenpflicht geplant. Masken könnten aber in Erwägung gezogen werden, wenn über Ausstiegsszenarien aus den aktuell geltenden Corona-Maßnahmen nachgedacht werde, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Die scheinen momentan aber in weitere Ferne zu rücken.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 31.03.2020, 19.30 Uhr