Foto eines Gedenkortes in Hanau mit vielen Kerzen, Blumen und einem Schild: "Respekt! Kein Platz für Rassismus"

Am Tag der zentralen Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von Hanau hat Oberbürgermeister Kaminsky eine Erinnerungsstätte angekündigt. Die Stadt werde an der "Tat eines rassistischen Irren" nicht zerbrechen.

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Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) betonte am Mittwochmorgen im Gespräch mit dem hr1-Moderator Thomas Koschwitz, dass sich die Stadtgesellschaft "ihr gutes Zusammenleben nicht von der Tat eines rassistischen Irren kaputtmachen lassen" will. Die Hanauer hätten Toleranz seit Jahrhunderten eingeübt und praktiziert. Das ändere sich nicht. "Hanau war bunt, ist bunt und bleibt bunt", sagte Kaminsky.

Dass die Bürger der Stadt auch nach dem Attentat vom 19. Februar zusammenstehen, zeige sich etwa daran, dass sie es geschafft hätten, dass die Trauer und die verständliche Wut der Angehörigen der Opfer nicht in Gewalt umgeschlagen seien. "Wir antworten nicht mit Hass auf Hass", sagte Kaminsky.

"Aus der Mitte der Gesellschaft gerissen"

Für die neun Anschlagsopfer mit ausländischen Wurzeln werde es eine zentrale Gedenkstätte auf dem Hauptfriedhof geben, sagte der Oberbürgermeister: "Damit dieser schreckliche 19. Februar niemals vergessen wird." Die Erschossenen seien aus der Mitte der Gesellschaft gerissen worden. Sie seien Mitbürger gewesen, nicht Fremde, wie der Attentäter behauptete.

Am Mittwochabend werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) zu der zentralen Trauerfeier mit mehreren tausend Teilnehmern erwartet. Kaminsky sagte am Morgen, ihn beeindruckten "die fast weltweite Anteilnahme und Solidarität" für Hanau in den vergangenen Tagen. hessenschau.de und das hr-fernsehen übertragen die Trauerfeier ab 17.15 Uhr live.

Der Oberbürgermeister zeigte sich überzeugt, dass die Stadt an den Morden nicht zerbrechen werde: "Hanau hat trotz dieser furchtbaren Stunden und Tage seine besseren Zeiten nicht hinter, sondern noch vor sich."

Insgesamt elf Tote

Vor zwei Wochen erschoss ein 43-Jähriger aus dem Stadtteil Kesselstadt dort und in der Innenstadt insgesamt neun Menschen mit Migrationshintergrund. Zuvor hatte er Videos und Schriftstücke mit rassistischen und faschistischen Aussagen ins Internet gestellt. Darin offenbarten sich auch ein tief sitzender Verfolgungswahn und extreme Ich-Bezogenheit. Nach den Morden in und um zwei Shisha-Bars tötete der Mann seine Mutter und sich selbst.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kaminsky: "Hanau hat die besten Zeiten noch vor sich"

Hanaus OB Claus Kaminsky
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 04.03.2020, 12.50 Uhr