Eine Hausärztin im bayerischen Naila verabreicht einem Patienten eine Impfung gegen das Coronavirus. (dpa)

Seit knapp zwei Wochen wird auch in hessischen Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft. Eine erste Zwischenbilanz: lange Wartelisten und frustrierte Hausärzte, die mehr Impfstoff und weniger Bürokratie fordern.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hausarzt im Interview: "Die Leute rennen uns die Bude ein"

Impfung in Niedersachsen (dpa)
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Mit durchschnittlich 20 Impfdosen pro Praxis in der Woche starteten am 7. April in Hessen die ersten niedergelassenen Ärzte mit Schutzimpfungen gegen Covid-19. Sie sollten die 28 hessischen Impfzentren unterstützen und die Geschwindigkeit der Impfungen erhöhen.

Zwei Wochen später ziehen die Verantwortlichen eine erste Zwischenbilanz. Sie fällt durchwachsen aus.

Stolz mischt sich mit Frust

Bei den Hausärzten mischt sich Stolz über die zügig verabreichten Schutzimpfungen mit Frust über die geringe Anzahl der Impfdosen und die mit der Impfung verbundene Bürokratie. "Seitdem unsere Kolleginnen und Kollegen in die hessische Impfkampagne eingebunden sind, steigen die Impfzahlen deutlich an", sagte der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbandes, Armin Beck, laut Mitteilung vom Dienstag.

Und in der Tat: Laut Impfmonitor des Robert-Koch-Instituts (RKI) verabreichten allein die niedergelassenen Ärzte in Hessen bis einschließlich Montag (19.04.) 137.710 Erstimpfungen. Die Gesamtzahl der Erstimpfungen in Hessen lag zum selben Zeitpunkt bei 1.149.473.

Der bisherige Anteil der bisherigen Erstimpfungen in den Praxen: 12 Prozent. Aus Sicht der Landesärztekammer ein Achtungserfolg in der kurzen Zeit.

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"Gebt uns Impfstoff"

"Der Start zeigt deutlich, zu welcher Schlagzahl die Vertragsärzteschaft in der Lage ist", sagte der hessische Ärztekammerpräsident Edgar Pinkowski. Sie könne künftig noch stärker sein. "Gebt uns Impfstoff, und wir machen aus dem lauen Lüftchen einen Orkan!" Bezüglich der Impfstofflieferungen fordert die Landesärztekammer mehr Planungssicherheit vom Bund und weniger Bürokratie im Zusammenhang mit den Impfungen.

Der Hausärzteverband kritisierte, dass die Lieferungen an die Praxen wieder gedrosselt würden, was das Bundesgesundheitsministerium in der vergangenen Woche zurückgewiesen hatte. Man wolle "die ewig langen Wartelisten unserer Patientinnen und Patienten abarbeiten", sagte der Verbandsvorsitzende Beck. Insbesondere die immobilen und schwer erkrankten Patientengruppen seien dankbar, jetzt schnell und unbürokratisch zu ihren Impfterminen zu kommen.

"Praxen flexibler und praxisorientierter"

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen unterstrich am Dienstag ihre Haltung, dass die Impfungen in den Arztpraxen gegenüber denen in den Impfzentren Vorteile böten: "Denn die Praxen agieren viel flexibler und patientenorientierter, als dies andere Einrichtungen können", teilte der Vorstand mit.

"Aus unserer Sicht braucht es die Impfzentren nicht mehr. Die Niedergelassenen agieren nah am Patienten, flexibler, schneller und mit einer Infrastruktur, die nicht noch extra und teuer bezahlt werden muss." Auch die Logistik mit den Apotheken funktioniere reibungslos, hieß es von der KV Hessen.

Die niedergelassenen Ärzte könnten viel mehr leisten, wenn der Bund mehr Impfstoff zur Verfügung stellen würde. "Die ersten Tage vermitteln deshalb allenfalls eine Ahnung dessen, was möglich ist, schon gar, wenn die fachärztlichen Praxen noch dazukommen."

Landesregierung: Zu wenig Impfstoff vom Bund

Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) räumte am Dienstag ein, dass der limitierende Faktor weiterhin der durch den Bund gelieferte Impfstoff sei. "Wir hoffen sehr, dass die Menge hier in der nächsten Zeit, wie durch den Bund angekündigt, signifikant erhöht werden kann. Außerdem bereiten wir uns darauf vor, weitere ärztliche Strukturen einzubeziehen."

Ab Juni sollen auch die Betriebsärzte mitimpfen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag angekündigt hatte. Arztpraxen und Bundesländern versprach er mehr Planungssicherheit für Mai und Juni wegen aktualisierter Lieferankündigungen der Hersteller. Bundesweit beteiligen sich nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aktuell rund 55.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte an Impfungen, in Hessen waren es am Montag laut KV 1.976.

Sendung: hr3, 19.04.2021, 09.40 Uhr