Ein Arzt impft in seiner Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus.  (dpa)

Seit einer Woche gibt es die Covid-19-Schutzimpfung auch vom Hausarzt. Die Nachfrage ist enorm, auch weil die Ärzte ausschließlich Serum von Biontech Pfizer spritzen. Doch das ändert sich kommende Woche.

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Die Gemeinschaftpraxis von Christian Sommerbrodt in Wiesbaden bekommt vergleichsweise viel Covid-Impfstoff zugeteilt, weil dort viele Ärzte arbeiten. Bis zu 30 Patienten am Tag können Sommerbrodt und seine Kollegen das schützende Serum spritzen. Die Nachfrage sei viel höher, sagt Sommerbrodt: "Viele sind der Meinung, dass genau sie zu dieser Gruppe der 30 Patienten gehören müssen - zwingend."

Hunderte Namen stehen auf der Warteliste, und so ist es bei vielen Hausärzten im Land. Bei ihnen melden sich auch einige, die eigentlich schon einen Termin in einem Impfzentrum haben. Sommerbrodts Praxis-Kollege Florian Köhler erzählt von Patienten, "die sich einfach lieber vom Hausarzt impfen lassen und dann ihren Termin im Impfzentrum absagen".

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Ministerium empfiehlt: Astrazeneca-Termine überbuchen

In den 28 hessischen Zentren platzen gerade ohnehin viele Termine. Das betrifft vor allem Impfungen mit dem Serum von Astrazeneca, wie das Innenministerium berichtet. Im Durchschnitt falle jeder vierte Termin mit diesem Impfstoff aus, und meist werde noch nicht mal vorher abgesagt. Das Ministerium empfiehlt jetzt den Impfzentren, Astrazeneca-Termine zu überbuchen. Sie sollen also mehr Menschen einladen, als es Termine gibt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden in den vergangenen acht Tagen rund 250.000 Hessinnen und Hessen geimpft - fast jede oder jeder dritte von ihnen in einer Praxis. Die Hausärzte haben demnach ihr Kontingent fast komplett aufgebraucht. Allerdings hatten sie - anders als die Impfzentren - nicht mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Sie erhielten bisher ausschließlich Serum von Biontech Pfizer.

Das soll sich kommende Woche ändern. Dann wird den Praxen auch Astrazeneca geliefert, und zwar ebenso viel wie Biontech Pfizer. Einige Hausärzte befürchten, dass sich dann in den Praxen ähnliche Vorbehalte wie in den Impfzentren breitmachen könnten. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt, die Schutzkampagne werde ins Stocken geraten, "wenn die Praxen den umstrittenen Impfstoff bekommen".

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Biontech-Impfstoff viel schwerer zu handhaben

Der Wiesbadener Arzt Florian Köhler hat schon in einem Modellprojekt vor dem eigentlichen Einstieg der Hausärzte Astrazeneca verimpft. Er sagt: "Die Beratungsgespräche haben deutlich länger gedauert." Am Ende habe er aber alle Dosen verabreichen können. Der Impfstoff sei grundsätzlich gut - er selbst habe ihn erhalten.

In einem Punkt ist das beliebte Biontech-Serum klar im Nachteil gegenüber Astrazeneca. Der mRNA-Stoff ist relativ schwierig zu handhaben. Er kommt schon aufgetaut bei den Ärzten an, darf nicht erschüttert werden und hält sich im normalen Kühlschrank nur fünf Tage (gelagert wird er bei -70 Grad). Wird ein Fläschchen geöffnet, müssen die sechs enthaltenen Impfdosen in fünf Stunden verbraucht werden.

Nachrücker finden sich immer

Ein enormer logistischer Aufwand, sagt Hausarzt Sommerbrodt. Daher ist er über die riesige Nachfrage nach Impfstoff nicht unglücklich: Es finde sich immer jemand, der auch kurzfristig für eine Spritze herbeieile, berichtet der Mann aus der Praxis.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.04.2021, 16.45 Uhr