Foto aus einem Seniorenheim. In Schutzkleider gehülltes Pflegepersonal versorgt die Bewohnerinnen und Bewohner.

Schnelltests, Besuchsregelungen, jetzt noch der Impfstart - und das alles neben der eigentlichen Pflege: Beschäftigte in Heimen sind in der Corona-Pandemie oft heillos überlastet. Die Diakonie ruft nach dem Katastrophenschutz.

Während sich viele Beschäftigte in Hessen derzeit in den Weihnachtsurlaub verabschieden oder durch die Corona-Beschränkungen in ihrer Tätigkeit ausgebremst werden, herrscht in Alten- und Pflegeheimen der Ausnahmezustand. Mitarbeiter müssten "herausfordernde Hochleistungen im Dauerbetrieb erbringen", klagen die Diakonie Hessen und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe und Pflege. In einem Brief an Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) fordern sie dringend mehr personelle Hilfe.

Neben dem hohen bürokratischen Aufwand bei den Corona-Besuchsregelungen und der massenhaften Durchführung von Antigen-Schnelltests belaste der für Sonntag geplante Impfstart die Einrichtungen zusätzlich. "Jede dieser Maßnahmen für sich alleine betrachtet übersteigt in ihrer Umsetzungsfähigkeit das, was an ohnehin nur minimal vorhandenen flexiblen Zeitfenstern im Pflegealltag identifiziert werden kann", berichten die Verbände.

Beschäftigte riskieren Gesundheit

Für die Organisation und Nachbetreuung der Impfungen brauche es deshalb die Unterstützung von externen Hilfsorganisationen. Denkbar sei der Einsatz von Katastrophenschutzkräften, heißt es in dem Schreiben an den zuständigen Minister. Die Kräfte sollten so lange die Arbeit in den Heimen unterstützen, bis dort die Impfungen abgeschlossen seien.

"Wo Pflegeeinrichtungen gerade in Ballungsräumen freie Stellen bereits in der Vergangenheit nur schwer nachbesetzen konnten, wächst sich das Personalproblem gerade in der stationären und ambulanten Pflege nun wirklich zum Pflegepersonalnotstand aus", so der Hilferuf. Zudem seien derzeit mehr als 2.500 Beschäftigte in den Einrichtungen infiziert oder in Quarantäne. Viele weitere seien erschöpft und nicht arbeitsfähig, engagierten sich aus Solidarität dennoch "und riskieren so mittelfristig die Gesundheit".

Kritik auch von Opposition

Kritik an der manglender Unterstützung der Heime kam zuletzt bereits von der Opposition im Landtag. Anlass war, dass die Landesregierung den Einrichtungen bei der Beschaffung von wöchentlich 500.000 Schnelltests hilft. Die Ausweitung der Tests stellt die Heime aber auch vor neue personelle Herausforderungen.

SPD und FDP warfen der Landesregierung eine fehlende Strategie und mangelnden Überblick vor. Der FDP-Abgeordnete Yanki Pürsün machte sich schon bei der Schnelltest-Offensive für unterstützende Kräfte der Bundeswehr und des Katastrophenschutzes in den Heimen stark.

"Jeder Tag zusätzlicher Unterstützung zählt und ist wertvoll. Es gilt, alle Kräfte zu mobilisieren, um die Pflegeorganisationen in dieser schweren Lage nicht alleine zu lassen", fordern nun auch die Sozialverbände.

In Rheinland-Pfalz bereits im Einsatz

Im benachbarten Rheinland-Pfalz schlugen die Altenheime vor den anstehenden Impfungen ebenfalls Alarm. Dort forderte die Landesregierung bereits die Unterstützung von Hilfsorganisationen an. Mitarbeiter des Roten Kreuzes oder der Malteser sollen nun bei den Schnelltests sowie bei der Essensausgabe oder Betreuung der Bewohner helfen. Dazu wurde ein Krisenstab eingerichtet, der zunächst den Bedarf aller rund 550 Heime in dem Bundesland abtelefonieren soll.

Sendung: hr-iNFO, 23.12.2020, 14.20 Uhr