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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tausende Briten beantragen Einbürgerung

Brexit

In drei Tagen ist es soweit: Großbritannien tritt aus der EU aus. Tausende Briten haben wegen des anstehenden Brexits den deutschen Pass beantragt.

Lieber "Hentry" statt Brexit - mehr als 3.000 Briten haben in den vergangenen drei Jahren in Hessen die Einbürgerung beantragt. Weil viele in Frankfurt arbeiten oder auch leben, ging ein Großteil der Anträge im Regierungspräsidium Darmstadt ein, das unter anderem für die Rhein-Main-Region zuständig ist.

Die Behörde registrierte 2.697 Anträge seit 2017. Im Regierungspräsidium Gießen waren es 213, in Kassel 184. Die meisten Anträge haben nach Angaben der Behörden gute Chancen auf Erfolg.

Frist für doppelten Pass läuft ab

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Darum kommt der Brexit

Die Briten hatte im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt. Nach langwierigen Verzögerungen will Großbritannien nun am 31. Januar die Staatengemeinschaft verlassen. Das Abkommen sieht eine Übergangsfrist bis Ende 2020 vor. London und Brüssel wollen in dieser Zeit die künftigen Beziehungen klären.

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Im vergangenen Jahr war die Ungewissheit über den Brexit besonders groß, das befeuerte offenbar die Nachfrage nach der deutschen Staatsbürgerschaft: Rund die Hälfte der insgesamt gestellten Anträge ging 2019 ein.

Wer deutscher Staatsbürger werden will, stellt den Antrag auf Einbürgerung beim Standesamt seines Wohnorts. Dieser wird dann an die Regierungspräsidien weitergeleitet. Wer beide Pässe haben will, steht unter Zeitdruck: Sollte es kein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien geben, können nur Bewerber, die vor dem Brexit ihren Antrag gestellt haben, auch den britischen Pass behalten.

Auch wenn bis Ende 2020 praktisch alles beim Alten bleibt, ist auch in Hessen die Verunsicherung groß. Ob Schulen, Banken oder Unternehmen - der Brexit hat Folgen auch in Hessen. Wir beantworten, wie sich der Austritt auf manche Bereiche auswirkt.

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Finanzbranche: Weniger Brexit-Banker erwartet

Seit die Briten für den EU-Austritt gestimmt haben, bereiten sich die Banken auf den Brexit vor. In Frankfurt rechnet man mittlerweile mit deutlich weniger Brexit-Bankern als zunächst erwartet. Denn auch Paris und Luxemburg, Amsterdam und Dublin buhlen um Jobs aus London. Nach Kenntnissen des Verbandes der Auslandsbanken wurden in Frankfurt bisher etwa 1.500 Finanzjobs im Zuge des Brexits aufgebaut. Weitere 1.000 könnten im Laufe dieses Jahres folgen.

Schüleraustausch: "Noch vieles im Fluss"

3.772 hessische Schüler nahmen in den Jahren 2016 bis 2018 an Austauschfahrten nach Großbritannien und Nordirland teil, wie das Kultusministerium mitteilte. Gerade auf EU-Ebene sei trotz des unmittelbar bevorstehenden Brexits noch vieles im Fluss, so dass über die tatsächlichen Auswirkungen des Austritts nur spekuliert werden könne, hieß es. "Vieles wird die Lebenswirklichkeit letztendlich erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen." Das Ministerium sei grundsätzlich bestrebt dazu beitragen, "dass die vielfältigen Verbindungen Hessens nach Großbritannien und Nordirland bestehen bleiben".

Universitäten: Hürden beim Austausch befürchtet

Was der Brexit für Forscher und Studenten bedeutet, können Hessens Hochschulen bislang nur in wenigen Bereichen absehen. Für den Studierendenaustausch und für bestimmte laufende Projekte sowie solche, die nicht über 2020 hinausgehen, werden zunächst keine Konsequenzen erwartet, heißt es etwa bei der Uni Frankfurt. Auch Wissenschaftler, die bislang in Großbritannien leben und arbeiten, könnten das aus bisheriger Sicht uneingeschränkt weiter tun.

Unklar sei aber, wie künftige Abkommen zwischen Großbritannien und der EU etwa im Hinblick auf den Studierendenaustausch und die Teilnahme von Forschern an Austauschprogrammen aussehen könnten, sagte Uni-Vizepräsident Rolf van Dick. Was jetzt schon sicher sei: Für die Aufrechterhaltung des bisher unproblematischen Austauschs "dürfte der Brexit künftig eine erhebliche Hürde darstellen".

An der Uni in Marburg laufen derzeit sieben Forschungsprojekte mit britischen Partnern. "Die Folgen des Brexits für diese Projekte sind nicht generell absehbar", sagte eine Sprecherin. Es werde an individuellen Lösungen gearbeitet.

Opel: Prozesse werden vermutlich ausgebremst

Der Rüsselsheimer Autobauer mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall betreibt in Großbritannien zwei Autofabriken, die eng in das komplexe Zuliefernetz eingebunden sind. Zusätzliche Zölle und lange Wartezeiten an den Grenzen könnten die Produktion stören. Man sei auf verschiedene Brexit-Szenarien vorbereitet, heißt es in Rüsselsheim.

Der Chef des Opel-Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares, hatte im Sommer für den Fall eines harten Brexit gedroht, das Werk in Ellesmere Port zu schließen. Die Fabrik mit rund 1.100 Beschäftigten soll neben Rüsselsheim der zweite Standort für den Kompaktwagen Astra werden. Laut PSA gibt es aber auch eine alternative Planung in einem südeuropäischen Werk. In Luton bei London baut Vauxhall mit 1.500 Leuten zudem den Van Vivaro.

English Theatre: Keine Auswirkungen befürchtet

Frankfurt beherbergt nicht nur die einzige englischsprachige Bühne in Hessen, sondern auch die größte im deutschsprachigen Raum. Daniel Nicolai, der Intendant des English Theatre, ist zuversichtlich, dass der Theaterbetrieb auch nach dem Brexit weiterläuft und britische Schauspieler die Arbeitserlaubnis erhalten. "Die Behörden verstehen ja, dass auf der Bühne ein Muttersprachler stehen muss und nicht ein deutscher Schauspieler, der ein bisschen Englisch gelernt hat", sagte er zu Beginn der aktuellen Spielzeit.

Das Casting für die Produktionen findet ohnehin in London statt, hier laufen auch die ersten Proben. Erst drei Wochen vor der Premiere kommen Schauspieler, Regisseur und Stage Manager nach Frankfurt für die Endphase der Vorbereitungen des jeweiligen Stücks.

Sendung: hr-iNFO, 28.01.2020, 6 Uhr