Bischof Bätzing trägt einen Corona-Mundschutz

Die katholischen Bischöfe sind zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda zusammengekommen. Die Corona-Pandemie beeinflusst und beschäftigt die deutschen Oberhirten. Darüber hinaus bergen weitere Themen, wie etwa die Frauen-Frage, Konfliktpotenzial.

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Die Bischöfe der katholischen Kirche in Deutschland treffen sich seit Dienstag zur ihrer traditionellen Herbstvollversammlung - und diesmal ist vieles anders. Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Zusammenkunft der Geistlichen bis Donnerstag in Fulda. Fragen und Antworten im Überblick:

Was ändert sich wegen der Corona-Pandemie?

Das Treffen wurde von vier auf drei Tage verkürzt. Getagt wird auch nicht wie gewöhnlich im Priesterseminar neben dem Dom, sondern in einem größeren Saal im Stadtschloss. Viele der 69 Bischöfe und Weihbischöfe gehören durch ihr Alter zur Risikogruppe. Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), sagte: "Wir müssen sehr viel vorsichtiger sein. Die Bischöfe wissen um die Risiken und gehen verantwortungsvoll mit der Situation um. Als Personen des öffentlichen Lebens haben sie Erfahrungen im Umgang mit einer Infektionsgefahr in den zurückliegenden Monaten gesammelt."

Blick in den Fürstensaal in Fulda

Auch die Plätze im Fuldaer Dom sind in diesem Jahr begrenzt, an den Gottesdiensten können nur etwa 40 Gläubige teilnehmen, die sich vorher namentlich angemeldet haben, wie ein Bistumssprecher sagte. Die Plätze seien bereits ausgebucht.

Wie sieht das Hygiene- und Sicherheitskonzept aus?

Beim Aufbau der Tische für die Bischofskonferenz wird der Corona-Abstand abgemessen

Die Bischöfe tragen Mund-Nasen-Bedeckungen und müssen Abstand halten. Ebenso gibt es feste Sitzplätze im Tagungsraum und bei den Mahlzeiten. Getagt wird im mondänen Fürstensaal. Bei den Aufbauarbeiten kamen auch Zollstöcke zum Einsatz. Der Abstand von 1,50 Meter wurden gemessen - dem Infektionsschutz wegen. "Die Aufbauarbeiten sind verzwickter als sonst", sagte der Organisationsleiter des Bistums Fulda, Frank Post.

Fürstensaal - das klingt nach Luxus. Ist das klug und angemessen?

"Ich hätte es mir etwas bescheidener vorstellen können", sagte Bistumssprecher Robert Eberle angesichts des prunkvollen Saals. Dort tagen sonst die Stadtverordneten. Aber der Punkt ist: Der Saal ist für die Bischöfe fußläufig gut zu erreichen - ohne Fahrservice.

Was steht auf dem Programm der Versammlung?

Blick in den Fürstensaal, in dem die katholischen Bischöfe tagen

Die Oberhirten wollen (und müssen) sich mit der Corona-Krise befassen. Dazu findet am Mittwoch ein Pressegespräch statt. Darin geht es um die "weltkirchliche Perspektive" und die Auswirkungen. Zuletzt waren die Folgen enorm: Ostern und Pfingsten ohne öffentliche Gottesdienste. Stellt sich die Frage: Wie wird Weihnachten?

Befassen sich die Bischöfe erneut mit dem Missbrauchsskandal?

Mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des Skandals um sexuellen Missbrauch und zwei Jahre nach Veröffentlichung einer großen Studie (MHG-Studie) wollen die Bischöfe sich bei Herbstvollversammlung erneut damit befassen. Im Vorfeld drängte der DBK-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, auf eine Entscheidung: Das System für eine Auszahlung der finanziellen Entschädigungen soll bis Jahresende stehen, sagte er. Apropos Bätzing: Für den neugewählten DBK-Boss aus Limburg ist es die erste Vollversammlung.

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Sexueller Missbrauch – Die Kirche, das Geld, die Politik

Symbolbild: Ein Kreuz liegt auf einer offenen Buchseite, auf der das Wort "Missbrauch" hervorgehoben ist.
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Wie hoch sind die Summen für Missbrauchsopfer?

Bislang erhalten die Opfer eine Anerkennungszahlung von durchschnittlich 5.000 Euro, in Härtefällen zahlt die Kirche auch mehr. Vor gut einem Jahr legte eine von der Bischofskonferenz eingesetzte unabhängige Arbeitsgruppe einen neuen Vorschlag vor. Demnach sollen bis zu 400.000 Euro ausgeschüttet werden. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, stellte klar: Das Modell für die Hilfen soll weiterentwickelt werden. Genaue Summe wurden nicht genannt.

Was wurde zu den Entschädigungen zuletzt beschlossen?

Protest-Schild steht vor dem Fuldaer Dom

Bei der Versammlung im Frühjahr einigten sich die Bischöfe auf einen Grundsatzbeschluss. Danach soll sich an der zivilrechtlichen Schmerzensgeld-Tabelle orientiert werden. Das bedeutet: Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall. Eine unabhängige Kommission aus Juristen, Psychologen und Medizinern soll die Schwere jedes Falls und die Höhe der Leistungen einschätzen. Eigentlich soll das Auszahlungsmodell bundeseinheitlich sein. Aber einzelne Bistümer sind vorgeprescht und haben eigene Verfahren entwickelt. Bätzing kündigte zum Konferenz-Auftakt am Montag an, dass sich die Bischöfe bereits in Fulda möglichst auf konkrete Anerkennungszahlungen für die Opfer einigen wollen. "Es geht uns um ein einheitliches System." Jeder Betroffene solle Zugang haben.

Welche Themen werden derzeit sonst noch heiß diskutiert?

Im Vorfeld ist eine Debatte über die Frauenfrage in der Kirche entbrannt. Der Vorsitzende Bätzing hält die Diskussion über die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche nicht für abgeschlossen. "Das Diakonat der Frauen halte ich für sehr legitim", sagte er dem Deutschlandfunk. Das Reformprojekt namens Synodaler Weg könne im Vatikan um eine Prüfung und Einführung bitten, wenn die Mehrheit dies wolle. Entscheidungen könne aber nur ein Konzil treffen. In der Frage liegt Bätzing mit dem konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki über Kreuz. Der betonte: Jesus hatte zwölf Apostel, "und unter ihnen waren keine Frauen". Er verstehe das Ziel der Diskussion nicht.

Was tut sich in Sachen Mitwirkung der Frauen im Kirchendienst?

Limburgs Bischof Georg Bätzing

Die Frauen sind per se von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen. Bätzing verglich die "Frauenfrage" mit dem Thema Klimawandel und sagte vor der Versammlung: "Wenn man Zeiten verpasst, um bestimmte Entscheidungen zu treffen, hat das zum Teil verheerende Auswirkungen." Er ergänzte: "Ein Feminist bin ich sicher nicht. Aber es ist mir ein hohes Anliegen." Frauen trügen zu einem großen Teil zum kirchlichen Leben bei. Wenn dies verloren gehe, "dann ist die Kirche in ihrem Bestand gefährdet". Viele Frauen berichteten ihm sogar, dass sie sich von der Kirche entfernten, um ihren Glauben zu retten. Frauen-Verbände kündigten an, für ihre Belange in Fulda demonstrieren zu wollen. Bätzing versprach, das Gespräch aufnehmen zu wollen und ihre Anliegen hören zu wollen.

Können Frauen künftig mehr Mitspracherecht bekommen?

Die Frage betrifft nicht nur Weiheämter, wie Bätzing sagte. "Wir haben zu wenige Frauen, die an den Entscheidungsprozessen und an den Schlüsselstellen der Kirche beteiligt sind." In Gremien und Leitungsstrukturen sei noch erheblicher Fortschritt möglich, was die Beteiligung von Frauen angehe. Die Vize-Präsidentin des Zentralrats der deutschen Katholiken forderte am Dienstag vollen Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der katholischen Kirche.

Wie ist die gesellschaftliche Großwetterlage für die katholische Kirche?

der Dom in Fulda

Bescheiden. Mehr als 270.000 Menschen traten zuletzt aus der Kirche aus, wie die Jahresstatistik besagt. Das ist ein Rekordwert. Bischof Bätzing sprach zum Konferenz-Auftakt von "erschreckenden" Zahlen: "Wir müssen uns mit den tiefer liegenden Gründen befassen." Die Ungeduld des Kirchenvolks wächst zudem spürbar, wenn es um angemahnte Reformen geht. Auch (Frauen-)Verbände wollen sich mit Kritik wieder in Fulda zu Wort melden. Auf die Frage nach der allgemeinen Stimmung sagte Bätzing: "Ich hab ja nicht gesagt: Die Stimmung ist gut und himmelbettleicht. Die ist schwer, die Situation." Das Motto lautet für ihn: "Aufbruch aus der Krise." Man habe die Chance, etwas zu bewegen.

Wie läuft der Reformprozess?

Seit Jahresbeginn wird der sogenannte Synodale Weg beschritten. Mit dem Reformprozess wollen die Bischöfe verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Im Mittelpunkt der Initiative stehen die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche. Greifbare und durchschlagende Ergebnisse gibt es dazu zwar noch nicht. Aber Bätzing befand, es gehe gut voran. Der weitere Fortgang der Reformen ist aus Sicht der Bewegung "Wir sind Kirche" entscheidend für die Zukunft der Kirche. "Wir können nur appellieren an die Bischöfe, diesen Weg weiterzugehen, alles andere würde in die Bedeutungslosigkeit führen", sagte der Sprecher der Reformbewegung, Christian Weisner.

Mit Blick auf konservative Kritiker des auch vom Vatikan misstrauisch beäugten Reformkurses stellte Bätzing klar: "Wir sind Kirche im Kontext der katholischen Weltkirche und werden das bleiben. Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche dort abzuspalten." Der Vorwurf, der Synodale Weg berge die Gefahr einer Abspaltung der deutschen Katholiken von der Weltkirche, war wiederholt von dem konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erhoben worden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 22.09.2020, 16.45 Uhr