Schüler sitzen in der Grundschule
Grundschüler lernen englisch: Laut dem Bildungsmonitor 2019 liegt Hessen im Vergleich zurück beim Fremdsprachenunterricht. Bild © picture-alliance/dpa

Hessen hat einer aktuellen Bildungsstudie zufolge Defizite beim Fremdsprachenunterricht und bei der Lehrer-Schüler-Relation. Im Länderranking landete Hessen nur im Mittelfeld.

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Schule und dann…?

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Licht und Schatten beim hessischen Bildungssystem: Defizite beim Fremdsprachenunterricht und bei der Lehrer-Schüler-Relation, aber wenige ausländische Jugendliche, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2019 des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Spitzenreiter beim Ländervergleich ist Sachsen vor Bayern und Thüringen. Auf den letzten Plätzen stehen Bremen, Brandenburg und Berlin. Die Bundesländer wurden in der Studie anhand von 93 Indikatoren miteinander verglichen - zum Beispiel, wie viel Geld pro Schüler ausgegeben wird oder wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist. Als 2013 diese Indikatoren erstmals eingesetzt wurden, kam Hessen ebenfalls auf Platz 10.

Wo genau liegen nach dem Urteil der aktuellen INSM-Studie in Hessen die Stärken und Schwächen?

Betreuungssituation bei den Kleinen

Als überdurchschnittlich bewerten die Experten, wie häufig Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in Hessen betreut werden. Mehr als 51 Prozent dieser Altersgruppe werde ganztags betreut, bundesweit seien es knapp 46 Prozent. Vergleichsweise gut ist die Betreuungssituation: Im Jahr 2018 kamen auf eine Betreuungskraft 5,5 Kinder - der Bundesdurchschnitt liegt bei 6,0.

Ausbildung des Kita-Personals

In Hessen hatten 2018 rund 11,7 Prozent der Erzieherinnen in Kindertagesstätten einen akademischen Abschluss. Dies ist laut Studie der höchste Wert im Bundesländerranking. Deutschlandweit waren es gut sieben Prozent.

Zu wenig soziale Durchlässigkeit

Die Studie empfiehlt Hessen, eine Stärkung der sozialen Integration des Bildungssystems zu fördern: Das heißt unter anderem die Sprachförderung ab der Kita zu verbessern und mehr Ausgaben aufzubringen, um die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu stärken. Der Bildungsmonitor zeige, dass bei ökonomischer Bildung die soziale Herkunft einen entscheidenden Einfluss auf den Kenntnisstand von Jugendlichen hat - was wiederum soziale Auswirkungen auf das spätere Leben habe.

Integration von ausländischen Schülern

In Hessen gehen mit 10,3 Prozent deutlich weniger ausländische Schüler ohne Abschluss von der Schule als bundesweit (18,1 Prozent). Hessen erreicht damit den besten Wert aller Bundesländer. Gut ist Hessen im Vergleich bei der Studienberechtigungsquote von ausländischen Schülern an allgemeinbildenden Schulen, bei der Studienberechtigungsquote an berufsbildenden Schulen ist Hessen sogar überdurchschnittlich und hat mit 11,0 Prozent den besten Wert in Deutschland.

Defizite bei Fremdsprachen

Im Ländervergleich wenige Grundschüler seien 2017 in einer Fremdsprache unterrichtet worden. Während es bundesweit 65,7 Prozent waren, lag die Quote in Hessen bei 48,8 Prozent. Auch der Anteil der Berufsschüler, die eine Fremdsprache lernen, war unterdurchschnittlich. Hier sehen die Autoren der Studie Nachholbedarf.

Viele Schüler, wenig Lehrer in weiterführenden Schule

An den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien) weist Hessen mit 14,6 die schlechteste Lehrer-Schüler-Relation aller Bundesländer auf, wie aus der Studie hervorgeht. Auch in der Sekundarstufe I der Gymnasien liegt Hessen mit 16,5 deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 14,9.

Vom Verband Familienunternehmer kam umgehend Kritik: "Hessen schafft es schon das dritte Jahr in Folge, sich bildungspolitisch nicht vom Fleck zu bewegen", kritisierte Dirk Martin, Landesvorsitzender des Verbands in Hessen. Um die Lehrkräfte an den Schulen zu entlasten, sollten Schulen auch offen dafür sein, externe Experten im Rahmen von Projekttagen mit in den Stundenplan einzubinden, forderte er.

Sendung: hr1, 15.08.2019, 13 Uhr