Plakat gegen Antisemitismus

Internethetze, Schmierereien, Drohungen: Experten beobachten wachsende Judenfeindlichkeit. Nun soll die Uni Marburg eine zentrale Meldestelle aufbauen.

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Uwe Becker – Antisemitismusbeauftrager des Landes Hessen

Uwe Becker, Antisemitismus-Beauftrager des Landes Hessen mit Christopher Plass, Landtagskorrespondent hr
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In Hessen soll es vom kommenden Jahr an eine landesweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle geben. Innenminister Peter Beuth und der Anti-Semitismusbeauftragte Uwe Becker (beide CDU) teilten am Freitag mit, das Demokratiezentrum der Uni Marburg werde beauftragt, eine solche Meldestelle aufzubauen.

Ziel sei es, ein möglichst komplettes Bild über antisemitische Vorfälle in Hessen zu bekommen. Das Marburger Demokratiezentrum sei nach langjähriger Arbeit gegen Diskriminierung und Hass für den Aufbau der Meldestelle ein erfahrener und professioneller Partner.

Stelle gegen wiederkehrenden Antisemitismus

Jeder könne antisemitische Vorfälle melden, die er selbst erlebt oder beobachtet habe, sagte Beuth. Damit wolle man auch Möglichkeiten schaffen, diesen Entwicklungen präventiv entgegenzuwirken.

Der Vorsitzende des Landesverbands Jüdischer Gemeinden, Jakob Gutmark, sagte: "Wir wünschen uns, dass jeder Betroffene aber auch jede Bürgerin und jeder Bürger, der Zeuge von antisemitischem Verhalten wird, sich an die Meldestelle wendet. Nur so werden wir ein klares Bild über Antisemitismus erhalten und Gegenmaßnahmen als Gesellschaft einleiten können."

Becker betonte im Gespräch mit hr-iNFO, die Meldestelle solle ausdrücklich nicht bei jüdischen Organisationen angesiedelt werden, das sei auch im Interesse der Jüdischen Gemeinden. Denn der aufkeimende Antisemitismus auch in Hessen sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Wir wollen für Menschen, denen Judenfeindlichkeit begegnet, eine niedrigschwellige Möglichkeit geben, diese zu melden und auch Rat und Hilfestellung anbieten."

Weitere Informationen

Das Interview mit Uwe Becker

Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker ist am Freitagabend zu Gast in der hr-iNFO-Sendung "Das Interview" (19.35 bis 20 Uhr). Das Gespräch mit hr-Landtagskorrespondent Plass wird am Samstag noch einmal um 10.05 Uhr, 14.05 Uhr und 18.35 Uhr ausgestrahlt.

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Beleg für einen zunehmenden Antisemitismus ist nicht nur der versuchte Anschlag auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober. Im Internet kursieren immer mehr Beleidigungen, Bedrohungen und Beschimpfungen gegen Juden, und auch auf Schulhöfen seien Sprüche an der Tagesordnung, sagte Julia Bernstein von der Frankfurt University of Applied Sciences. Bernstein hat für eine Studie Betroffene befragt.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 20.12.2019, 19.30 Uhr