Mit Mundschutz und einem Desinfektionsmittel in der Hand: Eine Laden-Mitarbeiterin im Frankfurter Shoppingcenter MyZeil

Hessens Staatskanzlei-Chef Wintermeyer sieht Chancen auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Beim nächsten Bund-Länder-Treffen wolle man erneut konkrete Vorschläge unterbreiten - allein der Zeitplan für die Umsetzung bleibt ungewiss.

Der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU), warnt vor zu schnellen und weitgehenden Öffnungsschritten aus dem Lockdown. "Unsere Hauptaufgabe ist es, eine große dritte Welle zu verhindern, die die bisher erzielten Erfolge zunichtemacht", sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es nütze nichts, wenn man einen Schritt vorgehe "und zwei Schritte wieder zurückläuft", mahnte der als Corona-Koordinator fungierende Staatsminister.

Mit Sorgen beobachte die Landesregierung derzeit vor allem die Mutationen des Coronavirus. Im Landkreis Bergstraße mache die deutlich ansteckendere britische Variante bereits ein Drittel der Neuinfektionen aus, so Wintermeyer.

Konkrete Öffnungsschritte, keine festen Daten

Trotz aller gebotenen Vorsicht sieht der Staatskanzlei-Chef aber auch Möglichkeiten für Lockerungen. "Ich bin ganz sicher: Wir werden in der nächsten Länderkonferenz konkret über Öffnungsschritte und -pläne sprechen, auch wenn wir vielfach noch keine festen Daten vereinbaren können."

Als einen möglichen Schritt nannte Wintermeyer etwa für den Einzelhandel das Konzept des "Click-and-Meet", bei dem nach vorheriger Terminvereinbarung auch eine Anprobe oder Begutachtung vor Ort stattfinden könnte. "Ein solch gesteuerter Zugang zu den Geschäften ist besser, als wenn gleich tausende Menschen vor den Warenhäusern stehen." Diese Idee wolle Hessen voraussichtlich bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 3. März erneut ins Gespräch bringen, nachdem es für den entsprechenden Vorstoß von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der Februar-Schaltkonferenz noch keine Mehrheit gegeben.

Schnelltests sollen bald kommen

Hessen arbeite zudem daran, Corona-Schnelltests möglichst bald zum Einsatz zu bringen. Aktuell würden verschiedene Modelle mit den Kommunen diskutiert - beispielsweise, ob die Tests über Apotheken laufen sollen, über Ärzte oder über die örtlichen Testzentren. "Sicher werden die Selbsttests auch Arbeitgeber zur Verfügung stellen für Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten. Auch an Schulen ist ihr Einsatz denkbar", sagte Wintermeyer.

Zwar würde der Test in den meisten Fällen nur von den Betroffenen selbst vorgenommen und nicht durch Dritte. Daher sei eine glaubwürdige Dokumentierung des Testergebnisses schwer möglich. "Aber jeder negative Test gibt ein Stück Sicherheit", so der Staatskanzlei-Chef. Wenn mit dem Ergebnis "verantwortlich umgegangen wird", könnten auch Infektionsketten durchbrochen werden.