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Audioseite "Hessen schaut hin" meldet über 300 Fälle

Menschen halten ein Plakat hoch.

Ein Jahr nach Einrichtung der Meldestelle für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt sind über 300 Vorfälle eingegangen. Doch die Zahl bilde bei Weitem nicht die Realität ab, mahnt die Meldestelle.

Auf der seit einem Jahr bestehenden Melde-Plattform hessenschauthin.de wurden bislang 184 rechte und rassistische Vorfälle aus nahezu allen Städten und Landkreisen Hessens gemeldet. Das geht aus dem am Dienstag vorgestellten ersten Jahresbericht hervor.

Darunter waren körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen, psychische Gewalt sowie politisch motivierte Sachbeschädigungen. Das teilte die bei der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank angesiedelte Beratungsstelle Response mit. Hinzu seien 118 anonym gemeldete Vorfälle gekommen - und der rassistisch motivierte Anschlag von Hanau.

Von verbalen Attacken bis hin zu brutalen Angriffen

"Wenn Menschen damit rechnen müssen, im Alltag jeder Zeit zum Ziel von gewalttätigen Angriffen werden zu können, erschüttert das ihr Sicherheitsgefühl ungemein, ganz besonders, wenn die Taten in ihrem persönlichen Wohnumfeld auftreten", sagte Response-Leiterin Liisa Pärssinen.

Rechte und rassistische Gewalt fingen nicht erst bei Tötungsdelikten an. Die in der Meldestatistik erfassten Fälle zeigten "sehr deutlich" das Spektrum der Gewalt auf - gemeldet wurden laut Pärssinen verbale Attacken, Bedrohungen und auch brutale Angriffe auf Leib und Leben.

Meldestelle vermutet hohe Dunkelziffer

Die Meldestelle vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer: "Das bildet nicht die reale Welt ab. Die Fälle stellen nur den Ausschnitt dar, den wir als Beratungsstelle mitbekommen", sagte der stellvertretende Response-Leiter Roman Jeltsch. "Wir gehen von einer wirklich hohen Zahl ungemeldeter Vorfälle aus."

Auch auf Landesebene sei ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus notwendig, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. "Der Bund hat nach dem Anschlag von Hanau relativ beherzt ein Maßnahmenpaket aufgesetzt, das Land Hessen hingegen kommt nur im Schneckentempo voran."

Wichtig sei, dass nicht nur mehr Menschen hinschauen und Vorfälle melden, sondern auch Betroffene ihr bisheriges Schweigen brechen: "Die Menschen sollten nicht akzeptieren, dass Rassismus oder Antisemitismus zu ihrem Alltag gehört."

Sendung: hr-iNFO, 16.03.2021, 13 Uhr