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Audioseite Kreuzimpfungen bei Astrazeneca ab sofort möglich

Foto mit zwei Händen, die jeweils ein Fläschen mit Impfstof halten. In der einen Hand der von Biontech/Pfizer und in der anderen der von Astrazeneca. Im Hintergrund ist unscharf das Gesicht eines Laboranten zu sehen.

Hessen, die in Impfzentren eine erste Spritze mit Astrazeneca erhalten haben, können als Zweitimpfung ab sofort Biontech oder Moderna erhalten. Damit folgt das Land einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Astrazeneca bleibt vielerorts derzeit ungenutzt.

Wer in einem hessischen Impfzentrum eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten habe, könne ab sofort bei der Zweitimpfung auf einen mRNA-Impfstoff wechseln. Das teilte das hessische Innenministerium am Freitag mit. Damit setzt das Land Hessen eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts um.

Studien hatten gezeigt, dass eine Kreuzimpfung in Form einer Erstimpfung mit Astrazeneca in Kombination mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech oder Moderna, einen sehr guten Schutz gegen die vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus bieten könne.

Diese Kreuzimpfung, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag, schütze "mindestens so gut" wie etwa eine Erst- und Zweitimpfung mit Biontech, vor allem gegen schwere und schwerste Krankheitsverläufe.

Neun Wochen Abstand für Kreuzimpfungen in Hessen

Anders als von Spahn angekündigt, soll in Hessen die Frist zwischen Erst- und Zweitimpfung für neue Impfungen nicht auf die minimal möglichen vier Wochen, sondern nur auf neun verkürzt werden. Wer ab sofort eine Erstimpfung mit Astrazeneca in einem hessischen Impfzentrum erhalte, werde "standardmäßig den Zweittermin in neun Wochen mit einem mRNA-Wirkstoff entweder von Moderna oder Biontech erhalten", hieß es aus Wiesbaden. Die Verkürzung der Abstände bei der Kreuzimpfung soll die Wirksamkeit erhöhen.

Menschen, die bereits in der Vergangenheit ihre Erstimpfung mit Astrazeneca hatten, sollen bei der zweiten Impfung beim Wirkstoff ebenfalls umsatteln können - oder bei Astrazeneca bleiben können, wenn sie das wollen. Die Impfzentren werden entsprechende Dosen des Vektorimpfstoffs von Astrazeneca vorhalten, teilte das hessische Innenministerium mit. Für Juli waren ursprünglich rund 200.000 Zweitimpfungstermine mit dem Wirkstoff von Astrazeneca vorgesehen.

244.000 Dosen Astrazeneca für Zentren

Ob auch bereits jetzt mit Astrazeneca Erstgeimpfte ihren Zweitimpftermin vorziehen können, war am Freitag zunächst unklar. Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte in einer ersten Stellungnahme am Morgen erklärt, es bleibe zunächst bei den vereinbarten Terminen. Standardmäßig beträgt der Abstand zwischen den zwei Astrazeneca-Impfungen zwölf Wochen.

Zudem bekommen die hessischen Impfzentren noch einmal, kurz vor ihrer geplanten Schließung Ende September, 244.000 Dosen des Serums von Astrazeneca. Das Land bekommt diese Menge vom Bund geliefert und verteilt sie auf die Impfzentren. Eigentlich hatte die Landesregierung zuletzt angekündigt, den Impfstoff nur noch für geplante Zweitimpfungen einsetzen zu wollen. Die Hoffnung ist, dass die neueste Empfehlung der Stiko die Hessinnen und Hessen dazu animiert, für einen sehr guten Impfschutz auf die Kreuzimpfung und somit Astrazeneca als ersten Pieks zu setzen.

Gibt es genug mRNA-Impfstoff?

Zugleich erklärte etwa die Gesundheitsdezernentin des Main-Kinzig-Kreises: "Natürlich lagern nicht Unmengen an Reserve-Impfdosen von Biontech im Main-Kinzig-Kreis." Der Vogelsbergkreis dagegen hat offenbar genug mRNA-Impfstoff für Zweitimpfungen parat. Wer beim zweiten Pieks den Impfstoff wechseln wolle, brauche das nur beim Impftermin zu sagen. Auch der Werra-Meißner-Kreis hat angekündigt, alle Zweitimpfungen von Astrazeneca auf Moderna oder Biontech/Pfizer umzustellen. Geplante Sonderimpfaktionen mit Astrazeneca sind dort abgesagt.

Problematischer als die Beschaffung des Impfstoffs scheinen jedoch weiterhin die Bedenken in der Bevölkerung zu sein. Zuletzt an mehreren Orten gestartete Sonderimpfaktionen mit Astrazeneca fanden nur selten den erhofften Zuspruch. So konnte etwa der Rheingau-Taunus-Kreis zunächst nur 300 von 1.000 Dosen verimpfen, auch die Stadt Darmstadt zeigte sich von der Resonanz enttäuscht.

Beim Main-Kinzig-Kreis hieß es, es gebe "keine große Nachfrage und eine besondere Zurückhaltung in der Bevölkerung" gegenüber Astrazeneca. Eine Sonder-Impfaktion in Wiesbaden in der kommenden Woche mit dem Impfstoff Moderna wurde am Freitag abgesagt.

Andere Länder spenden Astrazeneca

Für rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland kommen die neuen Empfehlungen in jedem Fall "zu spät": So viele Bürgerinnen und Bürger sind nach Spahns Angaben bereits zweimal mit Astrazeneca geimpft. Aber natürlich, so der Minister, sei auch diese Kombination weiterhin gut wirksam.

Das Astrazeneca-Problem gibt es nicht nur in Hessen. Auch in Bayern floppt eine Sonderimpfaktion nach der anderen. Dort wird schon die Frage diskutiert, ob das Impfangebot die Nachfrage allmählich übersteigt. Zumindest scheint es für die Impfwilligen dort inzwischen genug Alternativen zu Astrazeneca zu geben.

Wegwerfen ist freilich keine Option. Andere Länder, etwa Schweden und Japan, haben zuletzt große Astrazeneca-Kontingente dem UN-Hilfsprogramm Covax gespendet. Covax soll Länder mit Impfstoff versorgen, die selbst keine Lieferverträge abschließen konnten. Vielleicht bewirkt das schlechte Image von Vaxzevria hierzulande auf diese Weise sogar woanders Gutes.

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