Der Gibson-Club in Frankfurt. Eine leere Tanzfläche und Lichtanlagen für den Clubbetrieb, die nicht leuchten.

Jetzt dürfte in Hessens Clubs und Diskotheken wieder gefeiert werden. Aber Party mit Maske, strengen Test-Auflagen und halbleerer Tanzfläche? Die meisten Clubbetreiber winken enttäuscht ab.

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18 Monate haben Clubbetreiber in Hessen auf diese Nachricht gewartet: Sie dürfen endlich wieder öffnen. Trotzdem sagt Madjid Djamegari, Geschäftsführer des Clubs "Gibson" in Frankfurt: "Das ist eine Verordnung, die die Landesregierung hätte weglassen sollen." Wie nahezu alle Clubs im Bundesland wird das "Gibson" den Betrieb nicht wieder aufnehmen – die Auflagen sind zu streng.

Am Dienstag hatte das Corona-Kabinett in Wiesbaden unter anderem die Öffnung der Tanzlokale beschlossen. Allerdings dürfen neben Geimpften und Getesteten nur Menschen in den Club, die einen PCR-Test vorweisen können. Der ist zuverlässiger, aber auch aufwändiger und deutlich teurer als ein üblicher Schnelltest. Und dann gelten in Discos und Clubs auch noch Maskenpflicht unde die Vorgabe, dass es fünf Quadratmeter Platz pro Gast geben muss.

Hessische Clubbetreiber: "Lohnt sich nicht"

"Das ist willkürlich und unverhältnismäßig", findet Djamegari. Den eigentlichen Clubbetrieb wird das "Gibson" daher nicht aufnehmen, sondern wie bisher auf Tischreservierung im Innenraum und den neueröffneten "Beach-Club" setzen. Das war schon erlaubt.

Nicht ganz so drastisch und trotzdem kritisch sieht der S-Club in Fulda den Beschluss des Corona-Kabinetts: "Wir begrüßen grundsätzlich, dass uns eine Öffnungsperspektive gegeben werden soll, halten aber die neuen Regelungen nicht für praktikabel", heißt es in einer Stellungnahme des Betreibers Clemens Neidert.

Für ihn ist ein Betrieb ohne Club-Atmosphäre nicht denkbar: "Eine Öffnung als Tanzlocation kommt für uns erst dann in Frage, wenn ein weitgehendes unbeschwertes Club-Erlebnis für unsere Gäste wieder möglich ist. Das zwingende Tragen einer Maske beim Tanzen trägt dazu definitiv nicht bei."

Barbetrieb als Übergangslösung

Getanzt wird auch im Kasseler "Club22" vorerst nicht. Es scheitert an der begrenzten Personenanzahl, erklärt Geschäftsführer Georg Brechtken: "Durch die 5-Quadratmeter-Regel würden wir zu wenige Leute reinlassen können. Das lohnt sich nicht." Die Pflicht, durchgehend eine Maske zu tragen sei für sich genommen schon ein Grund, nicht zu öffnen. Komplett verschlossen bleiben die Türen des "Club22" aber nicht: "Nach den Sommerferien wollen wir im oberen Teil den Barbetrieb aufnehmen", sagt Brechtken.

Eine übergangsweise Öffnung als Bar hat der Frankfurter Club "Ponyhof" nicht geplant. Geschäftsführer Thomas Winterscheid hätte bei einer Öffnung mit den Abstandregeln zu kämpfen: "Wir sind halt ein kleiner Laden. Wenn wir mit den neuen Regeln aufmachen würden, könnten hier gerade einmal 15 Leute feiern."

Deutliche Kritik an der Regelung äußert die Initiative "Clubs am Main". Sie vertritt die Interessen von etwa 30 Clubs in Frankfurt und Umgebung. Sprecher Victor Oswalt ist der Meinung: "Es wird versucht, einen politischen Erfolg zu verkaufen, der in der Realität nicht zutrifft.“ Nur wenige Clubs würden unter diesen Bedingungen aufmachen.

"Wird weder den Clubs, noch den jungen Menschen helfen"

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war als Mitglied des Corona-Kabinetts an der Entstehung der Regelung beteiligt. Ihm ist die Problematik bewusst: "Dass die Clubbesitzer abwägen müssen, ob sich unter diesen aus unserer Sicht nötigen Rahmenbedingungen eine Öffnung wirtschaftlich lohnt, und diese Entscheidung alles andere als leicht fällt, ist sehr gut nachvollziehbar.“

Die Landtagsabgeordnete Elisabeth Kula (Linke) hätte sich früheres Handeln gewünscht: "Man hätte im Sommer schon Konzepte gemeinsam mit den Clubs erarbeiten können, zum Beispiel für Outdoorveranstaltungen. Jetzt im Herbst, wo die Zahlen steigen, kommt so eine Regelung. Das wird weder den Clubs, noch den jungen Menschen helfen.“

An die denkt auch „Gibson“-Betreiber Madjid Djamegari. Er befürchtet zahlreiche "illegale Parties", privat und außerhalb der Clubs. Er sagt: "Die Landesregierung hat die Chance vertan, einen geordneten Rahmen für das Feiern zu schaffen."

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