Wer sterbenskrank ist, steht oft vor einer schweren Entscheidung: Will und kann ich bis zu meinem Tod zu Hause wohnen oder gehe ich in ein Hospiz? In Wetzlar ist nun beides möglich.

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Wenn eine ambulante Betreuung zu Hause nicht mehr ausreicht, blieb vielen Sterbenskranken bisher nur der Gang in eine vollstationäre Einrichtung. Das Hospiz in Wetzlar geht nun neue Wege.

Im ersten Tageshospiz Hessens können Patientinnen und Patienten tagsüber betreut werden und dennoch während ihre letzten Tage, Wochen oder Monate weiter zu Hause wohnen bleiben.

Betroffene wollen mehr Zeit zu Hause zu verbringen

Seit 17 Jahren gibt es in Wetzlar das stationäre Hospiz Haus Emmaus. Das Gebäude wurde nun umgebaut und um das neue Tageshospiz Lebenszeit erweitert. Hospizleiterin Monika Stumpf sagt, sie habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass es für Tagespflege im Palliativbereich (Schmerzlinderung) einen enormen Bedarf gebe.

Stumpf berichtet: "Es gab oft Anfragen von den Angehörigen oder den Gästen selbst: Gibt es nicht die Möglichkeit, dass ich hier tagsüber betreut werden kann, wenn mein Mann oder meine Frau arbeiten geht?" Dahinter stehe der Wunsch von Betroffenen, mehr Zeit zu Hause und mit der Familie verbringen zu können. Zudem könne das Tageshospiz pflegende Angehörige entlasten.

Hospizbewegung: Deutschland hinkt hinterher

In Hessen gibt es bislang Tagespflegeeinrichtungen beispielsweise für pflegebedürftige Senioren und Menschen mit Behinderungen. Die Idee einer flexiblen Betreuung auch für Sterbenskranke stammt aus England, das als eine Art Mutterland der Hospizbewegung gilt.

Dort gehören Tageshospize bereits seit 20 Jahren fest zum Gesundheitswesen dazu. Auch in Österreich ist das Konzept etabliert. Dagegen hinkt Deutschland noch hinterher: Die Erweiterung im Haus Emmaus ist bundesweit erst das sechste Tageshospiz.

Entsprechend schwer sei es gewesen, Geldgeber und Behörden von der hierzulande noch recht jungen Idee zu überzeugen, berichtet Hospizleiterin Stumpf. Der Bau habe 3,8 Millionen Euro gekostet. Dafür habe die Einrichtung ein Darlehen aufgenommen. Ohne viele Privatspenden hätte man es nicht geschafft, sagt Stumpf: "Es hat mich sehr berührt, wie viele Menschen das unterstützen."

Tagesablauf im Hospiz

In zwei speziell dafür ausgestatteten Räumen können im Tageshospiz Lebenszeit insgesamt vier Menschen gleichzeitig betreut und palliativ versorgt werden. Dort gibt es Küchenzeilen, Ruhebetten und elektrisch betriebene Pflegesessel. Auch eine große Terrasse steht zur Verfügung.

Tagespflegeleiterin Sabine Burk erklärt: Der Tag beginne morgens mit dem gemeinsamen Frühstück. "Wir besprechen dann, was wir heute am Tag machen könnten." Dazu gehören eine psychosoziale und spirituelle Betreuung, Musiktherapie oder Fußpflege. Auch Spaziergänge, Spielrunden und Entspannungsbäder sind möglich.

"Wir bieten auch Gespräche darüber an, wie es vielleicht weitergehen kann", sagt Burk. Die Besucher des Tageshospizes könnten zum Beispiel schon mal das stationäre Angebot nebenan kennen lernen. Um 16.30 Uhr würden sie wieder nach Hause gebracht.

Krankenkasse übernimmt Großteil der Kosten

Die Einrichtung richtet sich an erwachsene Palliativpatientinnen und -patienten aus Mittelhessen mit einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung. Sie dürfen allerdings nicht bettlägerig sein oder eine sehr fortgeschrittene Demenz haben, wie Sabine Burk hinweist. Die Kosten für den Aufenthalt würden zu 95 Prozent von den Krankenkassen übernommen, den Rest trage das Hospiz selbst.

Die ersten Tagesbesucher sollen in der kommenden Woche eintreffen.

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Das Hospiz Haus Emmaus in Wetzlar
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