Glasfassade eines Gebäudes, in dem sich städtische Gebäude in der Abendsonne spiegeln. Über der Eingangstür steht auf einem Schild "Impfzentrum Darmstadt".

An diesem Donnerstag schließen die letzten Impfzentren. Die Bilanz fällt gemischt aus: Millionen von Menschen wurden dort immunisiert. Doch letztlich waren die Hallen zu selten ausgelastet - und die Impfungen sehr teuer.

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Schön war’s im Impfzentrum, sagen viele, die sich dort haben impfen lassen. Für ältere Menschen sei der Termin im Impfzentrum fast wie ein Festtag gewesen, sagt Udo Liebich, der das Impfzentrum in Heuchelheim bei Gießen geleitet hat. "Viele hatten sich das Sonntagskostüm oder den Sonntagsanzug aus dem Schrank geholt." Nach der Spritze hätten sie gestrahlt, vor allem wegen der Aussicht, bald wieder ihre Kinder und Enkel angstfrei umarmen zu können.

Emotional fällt die Bilanz der Impfzentren positiv aus. Ökonomisch gesehen springen die hohen Kosten ins Auge. Zwar steht die Endabrechnung noch aus. Das Land Hessen kalkuliert aber nach Angaben des Innenministeriums mit Gesamtkosten von über 600 Millionen Euro. Das schließt die Hotline und die Software für die Terminvergabe mit ein. Dafür haben die Zentren rund 4,6 Millionen Impfungen verabreicht. Die Kosten teilen sich Bund und Land zu gleichen Teilen. Die Bundesförderung läuft aber am 30. September aus. Und so schließen an diesem Tag auch die letzten 20 noch geöffneten der ursprünglich 28 Impfzentren.

Pro Impfung 130 Euro

Pro Impfung macht das rund 130 Euro, und da ist der Impfstoff noch gar nicht dabei. Im Vergleich zu den 20 Euro, die eine Arztpraxis für eine Impfung abrechnet, ist das viel. Das hat auch die Kassenärztliche Vereinigung oft und lautstark bemängelt und gefordert, die Zentren viel früher zu schließen.

Die hohen Kosten liegen vor allem daran, dass die Impfzentren insgesamt nur zu einem Drittel ausgelastet waren. Zuerst fehlte ausreichend Impfstoff, dann ließen sich dort weniger Menschen eine Spritze verabreichen als erwartet. Der Gesundheitsökonom Thomas Busse von der Frankfurt University of Applied Sciences fordert eine kritische Nachbetrachtung, sobald genaue Zahlen vorliegen.

Im Moment kommt Busse aber zu einem milden Urteil: 130 Euro pro Impfung seien nicht zu viel, wenn man sich überlege, welche Kosten vermieden worden seien. Einen Covid-Patienten im Krankenhaus zu versorgen, koste "im Schnitt 10.000 Euro, bei einem schweren Verlauf sogar 40.000 Euro". So gesehen waren die Impfzentren allemal gerechtfertigt, meint Busse.

Kleinere Zentren in manchen Städten

Nun übernehmen vor allem die Arztpraxen das Impfgeschäft. Kein Problem, beteuern das Land Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung: Die Praxen schaffen das. Viele Städte und Kreise machen trotzdem noch zusätzliche Angebote. Frankfurt etwa betreibt weiter ein Impfzentrum, wenn auch kleiner als zuvor und auch nur werktags ab 12 Uhr. Der Landkreis Gießen bietet Impfungen an sieben Tagen in der Woche von 8 bis 20 Uhr in Räumen der Volksbank Mittelhessen.

Auch andere Kreise richten Impflokale ein, der Hochtaunus- und der Main-Kinzig-Kreis etwa, oder sie lassen Impfbusse durch die Gemeinden fahren, zum Beispiel der Landkreis Kassel. Denn ein Drittel der Menschen in Hessen ist noch ungeimpft. Viel zu viele, meinen das Robert-Koch-Institut und Virologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité, wenn die vierte Welle im Winter gemildert werden soll.

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