Zwei Schüler brüten über Texten

Hoher Druck, Schlafstörungen, Burnout: Hessens Schüler stehen nach Ansicht ihrer Landesvertretung unter zu großem Stress. Grundlegende Änderungen müssten demnach her. Das Kultusministerium wehrt sich gegen die Kritik.

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zum Video Leistungsdruck – viele Schüler psychisch belastet

hs
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Die Landesschülervertretung kritisiert mangelnde Unterstützung von Schülern bei psychischen Problemen. Psychische Belastungen seien für die Schülervertreter ein allgegenwärtiges Thema, teilte Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn am Montag in Wiesbaden mit.

Eine Umfrage unter rund 50.000 hessischen Schülern ergab, dass mehr als jeder Zweite in Mittel- und Oberstufe durch Hausaufgaben gestresst sei. Manche beklagten sogar Schlafstörungen oder Burnout. Nicht einmal die Hälfte erhalte Hilfe. Deshalb sollen laut Landesschülervertretung nun radikale Änderungen her.

Hausaufgaben sollen abgeschafft werden

"Das Schulsystem scheint noch immer nicht im Stande zu sein, Schüler vollumfassend als Menschen zu begreifen", sagte Appuhn. Die Wissensvermittlung stehe über den persönlichen Problemen der Schüler. Um den Leistungsdruck zu senken, forderten die Schülervertreter die Abschaffung von Hausaufgaben. Stattdessen sollte nach dem Unterricht in Gruppen gelernt werden.

Außerdem gehöre psychische Gesundheit auf den Lehrplan, zum Beispiel im Biologieunterricht. Zudem forderte Appuhn Präventionsprogramme, aber auch Fortbildungen und Hilfe für Lehrer.

Auch die Lehrer überlastet

Diese Idee fruchtet auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Lehrer können psychische Probleme in den Schulen leider gar nicht adäquat erkennen und deshalb auch nicht adäquat reagieren", sagte die hessische GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch der Nachrichtenagentur dpa.

Schulungen und Aufklärungsangebote seien daher sinnvoll. Neben den Schülern seien auch die Lehrer überlastet und auf psychologische Hilfe angewiesen, dafür brauche es Personal.

Ministerium wehrt sich gegen die Kritik

Aktuell gebe es 114 Stellen für schulpsychologische Fachkräfte an den Schulämtern, erklärte das hessische Kultusministerium. Das sei wenig, kritisierte die GEW. Auch die Schülervertreter kritisierten, dass damit ein Psychologe für mehr als 6.000 Schüler zuständig sei.

Das Ministerium wehrte sich gegen die Kritik. "Wir haben die Schulpsychologie in den vergangenen Jahren mehrfach ausgebaut", sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Damit sind wir momentan gut aufgestellt." Appuhn entgegnete jedoch: "Es tut sich was, aber es wird zu langsam aufgebaut."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 4.11.2019, 16.45 Uhr