Selfie - Caroline Wornath an ihrem Schreibtisch mit zwei Laptops, Monitor und TV.

"Ab ins Homeoffice", heißt es in vielen Unternehmen, in denen das Arbeiten nicht an einen festen Ort gebunden ist. Auch Teile der hessenschau.de-Redaktion sind ausgelagert. Wir gewähren Ihnen einige Einblicke in unseren neuen, ungewohnten Arbeitsalltag.

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Normalerweise sieht die Redaktion von hessenschau.de folgendermaßen aus: Social Media-, Online- und hr-text-Redakteure sitzen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von Grafik, Technik, Hörfunk und Fernsehen in einem ziemlich geräumigen Großraumbüro. Es gibt täglich viele Konferenzen, der Kontakt ist eng, die Zahl der Mitarbeitenden, die ein und aus gehen, ist hoch.

In Zeiten von Corona sieht das ganz anders aus. Das hessenschau.de-Team ist in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich nicht begegnen dürfen. Klar, sollte in einer Gruppe das Virus zugeschlagen haben, gibt es immer noch ein zweites Team, das arbeitsfähig bleibt: Das B-Team. Im Grunde müsste das B-Team aber H-Team heißen, denn dessen Mitglieder sitzen alle im Homeoffice. Hier ein Einblick in deren Arbeit: Geschichten von wilden Homeschool-Girls, der magischen Gläservermehrung und Applaus am Balkon.

Caroline Wornath: Mein Kontrollzentrum und ich

Aus dem Dachgeschoss höre ich Stimmen - es ist der Gruppenchat meines erwachsenen Sohnes, der von seiner Uni in den Niederlanden ins Heimstudium geschickt wurde. Der ist von dieser neuen Art der Zusammenarbeit sehr begeistert: "Das ist effizienter als unsere realen Treffen auf dem Campus." Und mein Arbeitsalltag? Mein Schreibtisch hat sich in eine Kommandozentrale verwandelt. Laptop, zweiter Monitor, ein 22 Jahre alter Röhrenfernseher und mein Tablet geben sich ein heiteres Technik-Stelldichein aus drei Jahrzehnten.

Selfie - Caroline Wornath an ihrem Schreibtisch mit zwei Laptops, Monitor und TV.

Der hr-Text kommt an diesem Abend erstmals aus unserem Vorstadt-Reihenhaus. Da draußen fällt das niemandem auf. Niemand ahnt was von den Anlaufproblemen und ersten Versuchen am lebenden Objekt. Mutter im Büro brüllend zum Sohn nach unten, der vor dem Fernseher stehend in Echtzeit checken soll, ob da nun ein Punkt auf der Tafel 151 verschwindet oder nicht. Nach vielen Stunden und Techniksupport von Kollegen dann die Freude und Erleichterung über einen verschwindenden und auch wieder erscheinenden Punkt. Auf Knopfdruck, einfach so - als wäre alles so wie immer. Oben im Dachgeschoss tönen derweil einige Niederländer aus den Lautsprechern - nichts ist wie immer.

Sonja Fouraté: Homeoffice meets Homeschooling

Es könnte bequemer sein: Da mein Mann auch im Homeoffice ist und im Arbeitszimmer sitzt, schreibe ich meine Texte am Esszimmertisch. Momentan ist das weit weniger komfortabel als im hr, weil ich nur einen Bildschirm habe. Aber was soll's, wir sind alle gesund und das ist es ja, was mehr zählt denn je.

Homeschooling Kids

Die erstaunlichste Erkenntnis ist: Es funktioniert tatsächlich, obwohl die Kinder auch zu Hause sind, ihre Schulaufgaben erledigen und auch irgendwie gefüttert und bespaßt werden müssen. Gut, sie haben ihre ganz eigene Vorstellung von Homeschooling...

Sonja Süß - Studio Kassel: Allein zuhause beim Gläserrücken

Im Büro ist immer notorischer Tassennotstand - im Homeoffice gibt es plötzlich andere Fragen: Warum stehen da innerhalb weniger Stunden vier Wassergläser auf dem Tisch, obwohl ich seit Tagen allein in der Wohnung bin? Komische Angewohnheiten lassen sich endgültig nicht mehr auf andere schieben. Der einzige, den ich aktuell draußen noch treffe, ist Charly. Charly ist ein Hund, sieht aus wie ein Wischmob, streunert auch immer allein rum - sein Kläffen interpretiere ich seit Corona einfach als Grüßen.

Vier benutzte Trinkgläser stehen neben einem Laptop auf einem Tisch.

Nach ein paar Tagen Isolation: Welcher Tag ist heute und braucht man überhaupt direkte Sozialkontakte? Denn auch in den notdürftigen Kollegen-Chatgruppen hat sich etwa am Bürohumor (Niveau immer im freien Fall) nix geändert. Dafür gilt im Feierabend plötzlich die alte Teenager-Regel: Wenn alles zu hat, gibt es immer noch Bier an der Tanke und ein Mäuerchen zum Draufsetzen.

Julian Moering: Ich will ja nicht meckern, aber...

Zuallererst möchte ich einmal festhalten: Im Homeoffice arbeiten zu können und weiter mein sicheres Gehalt zu bekommen, ist derzeit ein Privileg, das vielen nicht zuteil wird. Meine Frau und ich können weiter unserer Arbeit nachgehen, können weiter unsere Rechnungen zahlen und für unsere Familie sorgen. Anders als eine Vielzahl von Selbständigen müssen wir uns keine Sorgen machen, ob wir die Corona-Krise wirtschaftlich überstehen. Deswegen verbietet es sich fast, über das Homeoffice zu meckern.

Julian Moering im Homeoffice

Abgesehen davon habe ich auch gar keinen Grund, über die ungewohnte Arbeitsweise zu meckern. Ich kann länger schlafen und muss mir nicht einmal die Haare kämmen bevor ich ins "Büro" gehe. Ich kann laut und ungehemmt fluchen und beim Schreiben den Laptop auf den Schoß und die Füße auf den Schreibtisch legen. Fast wie im Paradies. Aber nur fast. Denn da sind ja auch noch die Kinder, zwei an der Zahl.

Nicht, dass mich irgendjemand falsch versteht: Die Kinder sind toll und sie nehmen Rücksicht. Aber es sind nun einmal Kinder und die brauchen gerade in diesen merkwürdigen Zeiten ein gesteigertes Maß an Aufmerksamkeit. Sie wollen essen, spielen, raufen und reden. Das alles unter einen Hut zu bekommen geht, ist aber extrem anstrengend.

Wenn du gerade an einer kniffligen Formulierung arbeitest und dein Siebenjähriger reißt die Tür auf, um dir mit sich fast überschlagender Stimme mitzuteilen, er habe gerade den Super-Mario-Bösewicht Bowser besiegt und die Prinzessin gerettet, dauert es danach eine Weile, die Gedanken wieder zu sortieren. Und wenn so etwas mehrmals am Tag passiert, raucht am Ende der Kopf. Aber ich wollte ja nicht meckern.

Martin Pesch, hr-text: Auch Kinder, aber anders

Im hr-text (die Älteren erinnern sich, für die Jüngeren: Man liest ihn am klassischen Fernseher) werden die Nachrichten in der hessenschau.de-Redaktion produziert. Die Seiten werden jetzt ebenfalls von manchen Kollegen im Homeoffice bestückt. Da man hier ohne Bilder, Videos und Audios auskommt, fällt im Vergleich zu Online-Angeboten viel Gefuddel weg, das sich durch den Remote-Betrieb ergibt. Auch im erschwerten Austausch über Themen und Recherchen ist man nicht an vorderster Front, da der hr-text ja eher nüchtern alles Nachrichtliche bringt, was so anfällt.

Lärmgeplagter hr-text-Redakteur (Symbolbild)

Während manche Kollegen neben dem Homeoffice auch noch die zuhause bleibenden Kinder bespaßen müssen (s.o.), bleibt mir das erspart. Aber es wäre auch gar nicht nötig. Denn ich hab ja meine Nachbarsfamilie mit drei kleinen Kindern. Die klingt phasenweise so, als wäre sie direkt in meiner Wohnung. Ohne Musik und/oder Noise-Cancelling-Kopfhörer wäre man hier aufgeschmissen. Allerdings gilt das auch fürs Großraumbüro.

Andreas Bauer: Ungeplant unplanbar

Ich war vergangene Woche Planer bei hessenschau.de - normalerweise schaue ich dann ein paar Tage voraus, bestelle und organisiere Artikel bei Kollegen, eine Reportage über das Leben in Hanau nach dem rassistischen Anschlag etwa oder einen neuen Dreh über die skandalträchtige Frankfurter Arbeiterwohlfahrt. Aber wie geht Planen in diesen Zeiten exponentiellen Corona-Wahnsinns? In Zeiten, in denen das geplante Morgen schon am Abend zuvor wie ein Rückblick wirkt?

Heckt gerade neue Pläne aus: meine Tochter Marie

Und dann auch noch von zu Hause - im Frankfurter Gallus? Mit zwei kasernierten Kindern, davon einem fast dreijährigen Töchterlein, das völlig ungeplant wilde Wasserspiele im Wohnzimmer zelebriert und danach stolz mit bunten Wachsmalstiften Wände verziert? Nicht so einfach, da in den zum Teil doch sehr pfeifenden und krächzenden Telefonschalten mit den Kollegen noch ein paar wichtige Wortfetzen herauszuhören. Aber es geht.

Vielleicht ist es das Adrenalin, das Gefühl gerade in einer Zeit zu sein, in der Nachrichten so unglaublich wichtig - im wahrsten Sinne geradezu überlebenswichtig - sind. Genau dafür sind wir doch Journalisten geworden: um zu schreiben, was von Bedeutung ist, um das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, um zu sagen was ist. Diese besondere Verantwortung spüre ich bei all meinen Kollegen. Wobei ich mich nicht mit all den Ärzten und Krankenschwestern vergleichen will, die an vorderster Front und unter großen persönlichen Risiken gegen das Virus kämpfen.

Um ihnen zu danken, bin ich am Abend mit meiner Familie doch noch kurz an die frische Luft gegangen. Auf den Balkon, um wie in anderen Ländern um 21 Uhr zu applaudieren - zugegeben, wir waren da die einzigen. Könnte sich ändern.

Anikke Fischer: Speicherplatz ist die neue Währung

Mal schnell zu Hause einen Arbeitsplatz einrichten - das ist gar nicht so einfach, wie ich am Wochenende festgestellt habe. Hauptschuldige waren knapper Speicherplatz auf dem Uralt-Laptop und zig Dateien mit Fotos und Videomaterial der vergangenen zehn Jahre. Die mussten für Updates und die Installation neuer Programme mühsam ausgelagert oder verschoben werden. Nach zähem Ringen hat es dann doch geklappt.

Mein Arbeitsplatz dürfte einer der rudimentärsten sein. Er besteht derzeit nur aus dem Laptop und einem Smartphone. Damit ich die vielen Anwendungen im Blick behalten kann, habe ich online noch schnell einen zweiten Bildschirm bestellt. Hauptkriterium war dabei eine kurze Lieferzeit. Doch der sehnsüchtig erwartete Bildschirm lässt jetzt auf sich warten. Das Lieferdatum ist bereits um eine Woche verschoben worden.

Kopfhörer

In einem Anflug von Optimismus habe ich mir auch einen eigenen Kopfhörer bestellt - für die Zeit, wenn ich irgendwann wieder in der Redaktion arbeite. Bisher hatten wir uns die vorhandenen Kopfhörer am Arbeitsplatz unter den Kollegen geteilt. Dann ist uns aber aufgegangen, dass das in Hinsicht auf Virenverbreitung nicht die beste Idee ist. Hier hat die Bestellung hingegen bestens geklappt. Der Kopfhörer, den ich momentan nicht brauche, ist schon geliefert worden. Ich freue mich aber über ihn. Er ist wie ein Versprechen, dass die derzeitige Situation irgendwann ein Ende haben wird.

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In eigener Sache

Liebe Hessinnen und Hessen,

die Maßnahmen, die dazu dienen, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreitet, machen auch vor unserer Redaktion nicht halt. Viele von uns haben Kinder, die in den Kindergarten oder die Grundschule gehen und jetzt betreut werden müssen. Zudem gibt es auch in unserer Redaktion Kolleginnen und Kollegen, die wegen Vorerkrankungen besonders achtsam sein müssen. Und wir müssen für den Fall vorbereitet sein, dass es einen Corona-Fall im Team gibt.

Mit anderen Worten: Uns geht es wie vielen anderen Unternehmen und Familien in Hessen. Ein Teil unserer Redaktion arbeitet daher schon seit einigen Tagen von zuhause, einige der Kolleginnen und Kollegen kümmern sich um ihre Kinder – oder versuchen beides unter einen Hut zu bekommen. Wir werden Ihnen natürlich weiterhin zuverlässige und verlässliche Informationen zu allem liefern, was in Hessen passiert. Im Fokus steht die Berichterstattung über das Coronavirus und die Frage, welche Auswirkungen es auf Ihr Leben hat. Im besten Fall merken Sie gar nicht, dass wir unsere Arbeitsabläufe massiv verändert haben. Falls doch, möchten wir Sie um Verständnis bitten.

Viele Grüße von Ihrer Online- und Social-Media- und hr-text-Redaktion

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.03.2020, 19.30 Uhr