Aschekünstlerin Pause-Noack
Die Hanauer Künstlerin Ina Pause-Noack gestaltet seit Jahren Aschebilder - seit 2012 auch mit menschlicher. Bild © Ina Pause-Noack

Der Friedhof war lange Zeit die einzige Möglichkeit, eines Verstorbenen zu gedenken. Doch die Bestattungskultur verändert sich. Die Hanauer Künstlerin Ina Pause-Noack malt mit der Asche von Toten - und bewegt sich damit in einer Grauzone.

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Feuerbestattung im Krematorium

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hochbetrieb im Krematorium

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Die Bestattungskultur in Hessen befindet sich im Wandel. Noch vor zehn Jahren war die Erdbestattung am beliebtesten. Heute ist das anders. Die meisten Menschen lassen sich einäschern, sagt das Hessische Innenministerium. Die Zahl der Feuerbestattungen steigt stetig.

Eine klassische Grabstätte auf dem Friedhof ist für viele nicht mehr der zentrale Ort der Erinnerung, wie eine Infratest-Studie aus den Jahren 1998 bis 2016 zeigt. Demnach wünschten sich 1998 noch 78 Prozent der Deutschen ein klassisches Sarg- oder Urnengrab, 2016 waren es nur noch 43 Prozent.

Die Gründe sind vielfältig. Neben finanziellen Aspekten sind viele Familien örtlich immer mehr verstreut und haben deshalb nicht die Möglichkeit, ein Grab zu pflegen. Zum anderen bieten sich nach einer Einäscherung auch zahlreiche andere Möglichkeiten an. Viele davon befinden sich in einer Grauzone. So wie die Arbeit der Hanauer Künstlerin Ina Pause-Noack.

Gemälde mit menschlicher Asche

Die Künstlerin verwendet die Asche von Verstorbenen, um Erinnerungsbilder zu gestalten. Eine Freundin konfrontierte sie mit der Idee. "Ich hatte das gleiche Kino wie viele andere im Kopf: Iiieh, das ist Leichenasche", erzählt sie heute. Pause-Noack wies die Idee zunächst zurück.

Im Jahr 2012 kontaktierte sie dann ein Mann aus dem Ausland mit der Bitte, ein Gemälde mit der Asche seiner toten Frau zu entwerfen. Nach langem Überlegen wagte die Künstlerin einen Versuch.

Berührungsängste mit den menschlichen Überresten hatte sie keine. Denn bei ihrer Arbeit trägt Pause-Noack die Asche mithilfe eines Löffels oder Pinsels auf, den sie anschließend wegschmeißt. "Außerdem ist die Asche des Menschen das Reinste, was von uns übrig bleibt", sagt sie.

Leben des Toten reflektieren

Die positive Reaktion des Mannes auf ihr Gemälde begeisterte die Künstlerin. "Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke", erzählt sie. Seitdem hat Pause-Noack einige Gemälde mit menschlicher Asche entworfen.

In einem persönlichen Gespräch beschreiben die Angehörigen der Künsterlerin den Verstorbenen und sein Leben. Diese Eindrücke verarbeitet Pause-Noack zu einem spirituellen Porträt. Für das Bild wird nur ein kleiner Teil der Asche verwendet, ungefähr 2 bis 3 Esslöffel.

Aschebild von Pause-Noack
Ein Ausschnitt aus einem Erinnerungsgemälde mit menschlicher Asche. Bild © Ina Pause-Noack

Legal oder illegal?

Doch die rechtliche Lage in Deutschland macht es schwierig für sie. Deshalb hat die Künstlerin aus Hanau ihren Sitz in der Schweiz. Wenn Angehörige sie kontaktieren, besucht sie diese zunächst vor Ort, malt dann das Bild in der Schweiz und fährt anschließend wieder nach Deutschland, um das Bild zu übergeben. Die Asche der Verstorbenen bekommt sie von den Angehörigen selbst.

Einige Bestatter erklären sich bereit, einen kleinen Teil der menschlichen Asche in Mini-Urnen zu füllen. Andere geben den Angehörigen gleich die ganze Urne mit. "Ich finde es schwierig, wenn Asche in der Trauersituation entnommen wird", sagt Pause-Noack. Laut Hessischem Bestattungsgesetz gilt die Bestattungspflicht. Jeder Verstorbene muss bestattet und in einem Sarg oder einer Urne auf dem Friedhof beigesetzt werden, das Entnehmen der Asche ist nicht gestattet. Die Baum- und Seebestattung hingegen sind in Hessen erlaubt.

Die Künsterlin aus Hanau wünscht sich, dass sich noch mehr ändert. "Jeder Angehörige soll selbst entscheiden können, was mit der Asche der Verstorbenen geschieht", sagt sie. Damit soll auch der Weg für andere Bestattungsformen bereitet werden. Denn noch seien die meisten Menschen nicht so weit, um sich dafür zu öffnen.