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Frankfurt und Offenbach gelten derzeit als Corona-Risikogebiete. Mitten in der Ferienzeit. Was bedeutet das für Reisende? Und was für Pendler?

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Die meisten Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Privatreisende aus Risikogebieten beschlossen. Als solche gelten Regionen mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, aktuell also auch die Städte Frankfurt und Offenbach. Was bedeutet das für meine Reise?

Kann ich in Hessen Urlaub machen, wenn ich aus einem hessischen Risikogebiet komme?

Prinzipiell ja. Ein Offenbacher darf zum Beispiel hessenweit in Hotels übernachten. Es sei denn, eine Kommune entscheidet selbst, dass sie keine Gäste aus einem hessischen Risikogebiet aufnimmt. Laut Sozialministerium kann sie das, muss sie aber nicht.

In welche Bundesländer kann ich reisen, wenn ich aus einem Risikogebiet komme?

Innerdeutsch reisen kann man immer, nur beim Übernachten wird es schwierig, wenn man aus einem Risikogebiet wie Frankfurt kommt. Hier gibt es in den Ländern unterschiedliche Regelungen, und man sollte sich vorher genau informieren. Wer zum Beispiel nach Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg oder ins Saarland reist, braucht einen Nachweis, dass man nicht mit dem Coronavirus infiziert ist. In der Regel ist dies ein negativer Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Brandenburg sieht kein Übernachtungsverbot vor, wenn der Aufenthalt im Risikogebiet länger als sieben Tage zurückliegt. Mecklenburg-Vorpommern schreibt für Urlauber aus Risikogebieten dagegen eine 14-tägige Quarantäne direkt nach Einreise vor. Die Wartezeit kann durch das zuständige Gesundheitsamt verkürzt werden.

Rheinland-Pfalz verlangt für Einreisende aus Risikogebieten ebenfalls einen negativen Test, ansonsten droht eine 14-tägige Quarantäne. Berufspendler sind davon ausgenommen, das gilt auch für Studierende und Auszubildende. In Berlin, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Thüringen gibt es keine Einschränkungen.

Was ist mit Pendlern?

Die Beherbungsverbote gelten in der Regel nicht für Familienbesuche oder Berufspendler. Das gilt auch für Studierende und Auszubildende.

Wo bekommen Urlauber einen Corona-Test?

Wer auf Nummer sicher gehen will, meldet sich frühzeitig beim Hausarzt oder einer speziellen Praxis für Reisemedizin. Wer einen Test allein für die Anreise zum Urlaubsort braucht, hat in der Regel keine Krankheitssymptome. In diesem Fall wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen. Die Kosten liegen für Privatpatienten laut Gebührenverordnung bei etwa 120 Euro pro Person für die Laboranalyse. Hinzu kommen weitere 20 Euro für den Abstrich beim Arzt.

Welche Storno-Regeln gelten?

Es ist fraglich, ob Urlauber Stornierungsgebühren zahlen müssen, wenn sie ihren Aufenthalt absagen. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover geht nicht davon aus, dass Urlauber auf ihren Kosten sitzenbleiben. Es gelte erst einmal ein Beherbergungsverbot. In diesem Fall müsse die Unterkunft das angezahlte Geld zurückzahlen, Stornierungsgebühren dürften vom Gast nicht kassiert werden. Der Deutsche Ferienhausverband rät wegen unklarer Rechtslage, eine einvernehmliche Einigung mit dem Gastgeber zu erzielen.

Welche Strafen drohen?

In Bayern wird es für Hotels, Campingplätze oder Pensionen, die Gäste aus Risikogebieten aufnehmen, teuer. Der Bußgeldkatalog sanktioniert das Vergehen dort mit 5.000 Euro. Gäste aus Risikogebieten müssen dagegen in dem Fall kein Bußgeld fürchten. In Schleswig-Holstein arbeitete die Landesregierung ebenso wie die in Niedersachsen am Donnerstag noch an ihrer Verordnung.

Dürfen Reisende aus einem anderen Risikogebiet in Hessen übernachten?

Für Reisende aus nicht-hessischen Risikogebieten gilt in Hessen ein Übernachtungsverbot, es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorlegen. Der darf nicht älter als zwei Tage sein. Ausnahmen gibt es auch für diejenigen, deren Reise aus einem dringenden familiären, medizinischen oder beruflichen Grund stattfindet. Das in der Praxis zu überprüfen, ist für die Betreiber der Beherbungsbetriebe aber schwierig. In der Realität sei diese Anforderung nicht immer hundertprozentig zu erfüllen, sagt etwa der Wiesbadener Hotelier Matthias Gerber. "Wir tun unser Möglichstes", erklärt er, "wir verfolgen nach, wir ordnen zu. Aber wir sind auch kein Gesundheitsamt, das jeden Fall einzeln begutachten kann."

Grundsätzlich also gilt: Vor Reiseantritt immer genau informieren. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der bleibt am besten zu Hause - auch, wenn es schwer fällt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 8.10.2020, 19.30 Uhr