Übergabe von einem Teller Suppe.
Wie hier in Wiesbaden sollen in ganz Hessen auch künftig Bedürftige bei Tafeln einkaufen, egal welcher Nationalität sie sind. Bild © picture-alliance/dpa

Wer bedürftig ist, darf in Hessen auch künftig bei der Tafel einkaufen - egal, welche Nationalität sie oder er hat. Der hessische Landesverband bedauert sehr, dass in Essen vorerst nur noch Deutsche aufgenommen werden.

Anders als die Tafel im nordrhein-westfälischen Essen nehmen die Tafeln in Hessen nach wie vor alle Bedürftigen auf. Das teilte der Landesverband Hessischer Tafeln am Freitag in Wetzlar (Lahn-Dill) mit. "Die Entscheidung in Essen bedauern wir sehr", sagte der hessische Landesvorsitzende Willi Schmid zu hessenschau.de, sie sei mit keinem Landes- oder Bundesverband abgestimmt gewesen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Essener Tafel vorerst nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kartei aufnimmt. Grund dafür war demnach, dass der Anteil der Migranten zuletzt auf drei Viertel gestiegen sei. Es hieß, der Verein befürchte die Verdrängung anderer Hilfsbedürftiger.

120.000 Bedürftige in Hessen

Von einer ähnlichen Situation und Beschränkung konnte der hessische Landesverband, der für 46 der 56 hessischen Tafeln spricht, nicht berichten. Die hessischen Tafeln versorgen 120.000 Bedürftige, sagt Schmid. "So etwas wird auch nicht überlegt, und wenn, würden wir versuchen, das zu verhindern", sagte er. Einzelne Tafeln hätten eine Warteliste, da es zu viele Bedürftige gebe. Aber die Listen würden unabhängig von Geschlecht, Religion oder Herkunft geführt.

Bereits vor zwei Jahren war beispielsweise bekannt geworden, dass die Tafel in Langen (Offenbach) ihren Kunden bestimmte Tage zuweist, um die Situation bei der Ausgabe zu entspannen. Es könne auch sinnvoll sein, so Schmid, beispielsweise Muslime gesondert an bestimmten Tagen kommen zu lassen, um die Essenskisten entsprechend vorzubereiten.

Frauen hätten sich abgeschreckt gefühlt

Der Vorsitzende des Essener Tafel-Vereins hatte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt." Zuletzt hätten sich gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, bei denen er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet habe.

Schmid sagt, solche Vorfälle seien in Hessen "kein Thema". Vor zwei Jahren, als auf einmal sehr viele Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtungen verließen und auf die Tafeln angewiesen waren, hätten sich Stammkunden und Neuankömmlinge aneinander gewöhnen müssen. "Aber da haben wir sehr gut reagiert." Beispielsweise hätten die Mitarbeiter damals mit den Stammkunden das Gespräch gesucht, oder man habe Flüchtlinge als Mitarbeiter gewonnen und so etwa auch die Sprachbarrieren verringert.

Tendenz "leider steigend"

Insgesamt, so Schmid, sei die Zahl der Kundschaft "leider steigend". Besonders betroffen sind ihm zufolge vor allem verwitwete Seniorinnen und alleinerziehende Mütter. Rund 6.000 Freiwillige helfen in den hessischen Tafeln mit.

Sendung: hr-iNFO, 23.02.2018, 10 Uhr