Sebnem Korur Fincanci
Sebnem Korur Fincanci Bild © picture-alliance/dpa

Der Hessische Friedenspreis geht in diesem Jahr an die türkische Ärztin Sebnem Korur Fincanci. Damit wird der Einsatz der 58-Jährigen gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen gewürdigt.

Mit der Verleihung des Hessischen Friedenspreises wird die türkische Gerichtsmedizinerin Sebnem Korur Fincanci für ihr Engagement für den Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und ihren Beitrag zu Wiedergutmachung und Konfliktbewältigung ausgezeichnet. Das hat am Donnerstag das Kuratorium Hessischer Friedenspreis in Wiesbaden mitgeteilt.

Fincanci setze sich seit vielen Jahren unter schwierigsten politischen Bedingungen für die Dokumentation von Folter und die Rehabilitation von Folteropfern ein, heißt es in der Begründung. Die führende Friedens- und Menschenrechtsaktivistinnen ihres Heimatlandes wurde zeitweise wegen des Vorwurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation verhaftet.

Folter erkennen und dokumentieren

Die 58 Jahre alte Professorin für Forensik an der Universität Istanbul ist Vorsitzende der Menschenrechtsstiftung der Türkei und eine international führende Expertin zur Folter-Dokumentation. Sie steht als eine der Hauptautorinnen hinter den "Istanbul Protokolls", dem internationalen Standardwerk zur Untersuchung und Dokumentation von Folterspuren.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie sich physische und psychische Folter erkennen und dokumentieren lässt. Das ist nach Angaben des Friedenspreis-Kuratoriums nicht nur für eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung der Opfer von größter Wichtigkeit. Es sei auch Voraussetzung für die juristische Verfolgung und politische Aufarbeitung der Taten.

Gegenüber der Deutschen Welle hatte Fincanci unlängst beklagt, in der Türkei sei die Justiz nicht mehr unabhängig. "Befehle kommen von ganz oben, Menschen werden interniert und verhaftet. Die Abläufe der Internierung an sich stellen schon eine Folter da. Bei der Festnahme besteht die Polizei auf das Recht, Gewalt anwenden zu dürfen, solange diese nicht unverhältnismäßig sei", sagte sie.

Dalai Lama, Barenboim, Del Ponte

Die Entscheidung, Fincanci mit dem Friedenpreis zu ehren, gaben am Donnerstag die Kuratoriumsmitglieder Karl Starzacher (Vorsitzender), Norbert Kartmann (Landtagspräsident, CDU) und Nicole Deitelhoff (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) bekannt. Die Verleihung ist am 28. November im Landtag. Die Laudatio wird Wolfgang Huber halten, emeritierter Bischof und früherer Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD).

Der Hessische Friedenspreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Das Geld stammt aus einer Stiftung des früheren hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD). Verliehen wird die Auszeichnung seit 1994 an Persönlichkeiten, die sich um den Frieden und die Völkerverständigung verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem der Dalai Lama, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim sowie die UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte, die im vergangenen Jahr auszeichnet wurde.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.11.2018, 19:30 Uhr