Badia Ouahi und Rosemarie Heilig (Grüne) stehen im Schirn Café

Das Café geschlossen, die Mitarbeiter auf Kurzarbeit: Im Café von Badia Ouahi in Frankfurt könnte sich Frust breit machen. Stattdessen serviert die Crew hunderte Mittagessen täglich für Bedürftige - auch mit Unterstützung aus der Politik.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Café Badias bei der Schirn verteilt täglich warme Mahlzeiten

Badia Ouahi in ihrer Küche im Café Badias
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Das Café und Restaurant direkt an der Frankfurter Kunsthalle Schirn ist wie alle andere Cafés wegen der Corona-Krise geschlossen. Doch Chefin Badia Ouahi hat trotzdem alle Hände voll zu tun. Sie versorgt Bedürftige ehernamtlich mit warmen Mahlzeiten. "Wir kochen immer schon am Tag vorher, die Vorspeisen werden dann auch schon verpackt.“ Gelagert werden sie in den Kühlhäusern unter dem Restaurant.

Jedes Essen besteht aus einer Vorspeise und einem Hauptgang sagt die Köchin "Heute gibt es eine Gemüsesuppe und Börek gefüllt mit Spinat und Ziegenkäse." Gekocht wird immer frisch und mit guten Produkten - täglich rund 400 warme Mittagessen.

Umweltdezernentin Heilig übernimmt die Idee aus Kassel

Ausgeliefert werden die Mahlzeiten an Menschen, die es brauchen. Und auch vor Ort gibt es eine kleine direkte Essenausgabe - durch ein Fenster vom Café direkt zur Straße hin. Dort werden täglich zwischen 12 und 15 Uhr die Essen ausgegeben.

Die Idee zu der Aktion hatte Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig von den Grünen, die mit Badia Ouahi auch privat befreundet ist. Sie hat von einem Kasseler Gastronom über eine ähnliche Aktion in der Zeitung gelesen. Für Badia Ouhai kam die Idee von einem sozialen Mittagstisch genau richtig, nachdem sie ihr Restaurant wegen Corona schließen musste. "Ich war einfach so dankbar, dass ich was zu tun hatte. Also nicht in ein Corona-Loch reinzufallen." So sei es auch ihrem Team gegangen.

Drogenhilfe, Frankfurter Verein und Private werden beliefert

Schnell war klar: Badia Ouahi kocht und Rosemarie Heilig kümmert sich um die Organisation und die Adressen. "Ich habe eine Mail rumgeschrieben: Wer kennt Menschen, die gerade nicht raus können, krank sind oder wie auch immer? Und dann ging das schwuppdiwupp" erzählt die Grünen-Politikerin. Essen erhalten größere Institutionen wie die Frankfurter Drogenhilfe East Side oder der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Aber auch viele Privatleute werden beliefert.

Viele Menschen sind derzeit noch einsamer

Christine Heinrichs arbeitet beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, einem Verein für Sozialarbeit der sich auch um Wohnungslose, psychisch kranke Menschen oder Frauen in Not kümmert. Sie berichtet, dass das kostenlose Mittagessen mit großer Dankbarkeit angenommen wird. Das spürt auch Rosemarie Heilig, die täglich selbst bei der Essens-Auslieferung mithilft. Und sie erlebt, wie viele Menschen in Frankfurt einsam sind - in Corona-Zeiten erst recht. "Die Menschen warten oft schon den ganzen Tag, dass wir endlich kommen und dass sie vielleicht zwei, drei Takte mit einem reden können."

Finanziert nur durch private Spenden

Finanziert wird das Ganze allein durch private Spenden. Mit der Hilfsaktion verdient Gastronomin Badia Ouahi nach eigenen Angaben nichts - sie muss eher noch drauf legen. Die Umweltdezernentin hat als Initiatorin selbst gespendet und es laufen viele private Spenden von Freunden und Unterstützern ein. Alle, die mitarbeiten, tun das ehrenamtlich. "Es sind zwischen fünf und zehn Köche, die auf Kurzarbeit sind und hier ehrenamtlich arbeiten", so Ouahi.  Dazu kommen Fahrer und Fahrerinnen und andere, die hier und da einspringen. Für viele ist die Aktion eine willkommene Ablenkung von den eigenen Sorgen in der Corona-Krise.

Große Solidarität - Anerkennung ist das "Danke"

Und das Team bekommt auch viel zurück: Überall gebe es Prozente, Hilfe beim Einkaufen, beim Tragen. "Die Solidarität ist unglaublich groß", sagt Ouahi. Auch deshalb gibt sie nicht auf. "Wir kriegen zwar kein Feedback durch Geld. Die einzige Anerkennung die wir bekommen ist das Danke und das Mithelfen durch die Akteure." Ewig kann sie das finanziell nach eigener Aussage nicht durchhalten. Deshalb wollen sich Badia und ihr Team jetzt neu organisieren. Und mit Institutionen zusammenarbeiten, für die sie nur noch einmal in der Woche etwa sonntags 200 Essen kochen. Auch in der Hoffnung, dass sie ihr Café bald wieder öffnen kann.

Sendung: hr, iNFO, 17.4.2020, 12 Uhr, hr-fernsehen, maintower, 17.4.2020, 18 Uhr.