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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie die Unis in Frankfurt, Darmstadt und Mainz kooperieren

Hörsaal mit Medizinstudenten bei einer Vorlesung

Es ist ein bundesweit einzigartiges Projekt: Die Universitäten in Frankfurt und Mainz sowie die TU Darmstadt haben sich zusammengetan und bieten inzwischen vier gemeinsame Studiengänge an. Ein Überblick über die Ziele und Schwierigkeiten der Allianz.

Was ist das Ziel der Allianz?

Das ambitionierte Ziel ihres Zusammenschlusses formuliert die selbsternannte Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) ganz klar: Sie will die Entwicklung des Rhein-Main-Gebiets als Wissenschaftsregion fördern und deren Sichtbarkeit und Attraktivität steigern.

Konkret bedeutet das, dass die drei Universitäten vor allem in der Forschung und der Lehre an vielen Stellen eng zusammenarbeiten wollen. Dabei sollen sich Kompetenzen und Schwerpunkte möglichst ergänzen, zum Beispiel innerhalb gemeinsam angebotener Studiengänge oder Forschungsprojekte.

Eine Kooperation der drei Universitäten gab es in einzelnen Bereichen schon länger. Vor vier Jahren startete die länderübergreifende Allianz ganz offiziell mit einem gemeinsamen Beschluss. Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) lobte das Projekt kürzlich als bundesweit einzigartig.

Welche gemeinsamen Studiengänge gibt es?

Aktuell bieten die RMU vier sogenannte kooperative Studiengänge an - drei Master- und einen Bachelorstudiengang. An jedem davon sind zwei der Universitäten beteiligt. Sie bieten den Studenten jeweils einzelne Module mit Vorlesungen oder Seminaren an.

Der erste Studiengang dieser Art ist der Master Politische Theorie, der schon 2007 eingeführt wurde. Laut der Universität Frankfurt war es der erste gemeinsame Studiengang dieser Art in Deutschland. Weitere kooperative Studiengänge sind der Master Friedens- und Konfliktforschung, der Master Kinder- und Jugendliteratur-/Buchwissenschaft und der Bachelor Medizintechnik.

Zwei weitere gemeinsame Studiengänge sind in Planung. Der Master Medizintechnik soll pünktlich zum Abschluss des entsprechenden Bachelors zum Wintersemester in zwei Jahren starten. Für den Bachelor Afrikanistik wird aktuell noch ein Konzept erarbeitet. Interessierte können sich voraussichtlich ebenfalls zum Wintersemester 2021/22 einschreiben.

Wie sieht das konkret für die Studenten aus?

Für jeden der kooperativen Studiengänge gibt es eine federführende Universität. Dort schreiben sich die Studenten ein und werden anschließend automatisch auch an der zweiten beteiligten Universität eingeschrieben. Der Semesterbeitrag wird nur einmal fällig.

Wie der studentische Alltag aussieht, ist natürlich vom Fach abhängig. Da die Studenten Lehrveranstaltungen an beiden beteiligten Universitäten besuchen müssen, gehört Pendeln aber immer dazu. Ein konkretes Beispiel: Beim Bachelor-Studiengang Medizintechnik lernen die Studenten an vier Tagen in der Woche die technischen und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen an der TU Darmstadt. An einem Tag in der Woche bekommen sie das nötige medizinische Wissen am Frankfurter Universitätsklinikum nähergebracht.

Gibt es durch die Allianz auch Vorteile für Studenten "normaler" Fächer?

Im Rahmen "normaler", also nicht-kooperativer Studiengänge ist es bisher nicht möglich, Vorlesungen oder Seminare an einer der anderen Universitäten zu besuchen und sich dafür Credit Points anrechnen zu lassen. Das soll sich zum kommenden Wintersemester durch die Einführung des sogenannten "RMU-Studiums" ein Stück weit ändern.

Das RMU-Studium stellt keinen eigenen Studiengang dar, sondern dient eher als Ergänzung zum eigentlichen Studiengang. Es ist offen ist für alle Studenten, die an einer der drei Universitäten eingeschrieben sind – unabhängig von ihrer Fachrichtung. Im Rahmen dieses Studiums sollen sie an Lehrveranstaltungen der anderen Universitäten teilnehmen können und dafür auch Credit Points bekommen. Außerdem sollen ihnen dort auch Einrichtungen wie Bibliotheken und Mensen offen stehen.

Konkrete Beispiele für solche Lehrveranstaltungen können die drei Universitäten noch nicht nennen. Fest steht aber, dass Studenten im Rahmen des RMU-Studiums zum einen fachspezifische Vorlesungen oder Seminare in Mainz, Frankfurt und Darmstadt besuchen können. Zum anderen sollen sie auch die Möglichkeit bekommen, in andere Fächer hineinzuschnuppern. Als Beispiele nennen die Universitäten die Bereiche Geistes- und Kulturwissenschaften, Archäologie oder Naturwissenschaften.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Das Projekt, eine Allianz aus drei Universitäten zu bilden, ist ambitioniert – erst recht, wenn zwei davon in Hessen liegen und eine in Rheinland-Pfalz. Deutlich wird das vor allem beim geplanten RMU-Studium und bei den kooperativen Studiengängen. Einige Schwierigkeiten konnten die RMU inzwischen lösen.

Thema Zweiteinschreibung: Bisher konnte es sein, dass Studenten, die sich an einer zweiten hessischen Universität einschreiben wollten, noch einmal Beiträge zahlen mussten. Beim den gemeinsamen Studiengängen und dem geplanten RMU-Studium ist das nun anders: Sie erhalten kostenlos den Studierendenstatus an den Partneruniversitäten.

Thema Pendeln: Der größte Vorteil ist auch gleichzeitig ein Nachteil. Wer Vorlesungen an mehreren Standorten besuchen will, muss pendeln. Die drei Universitäten liegen etwa 30 Kilometer auseinander. Die kooperativen Studiengänge werden laut den RMU aber so geplant, "dass die Belastung für die Studierenden durch die verschiedenen Standorte so niedrig wie möglich gehalten wird".

Thema Mitbenutzung: Studenten können Bibliotheken und Mensen an den Partneruniversitäten nutzen, auch zum W-Lan bekommen sie Zugang. Noch nicht geklärt ist zum Beispiel, wie es bei der Nutzung von Rechenzentren oder Sportangeboten aussieht.

Soll die Allianz auf andere Universitäten ausgeweitet werden?

Vorerst ist das nicht geplant. Die beständige Koordination auf allen Ebenen erfordere viel Engagement und Aufmerksamkeit, heißt es seitens der beteiligten Unis. Außerdem sei das Ziel der Allianz eine echte Steigerung der Stärken der drei Universitäten und nicht Größe um der Größe willen. Man wolle sich nun vorrangig auf den inneren Ausbau des Verbundes konzentrieren. Daneben sollen aber Kooperationen mit anderen Universitäten bestehen bleiben.

Weitere Informationen

Die Rhein-Main-Universitäten in Zahlen

Die Goethe-Universität Frankfurt, die TU Darmstadt und die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bieten zusammen 630 Studiengänge in 39 Fachbereichen an. Insgesamt haben sie über 100.000 Studenten und 1.460 Professuren.

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