Ein Bagger zieht ein völlig zerstörtes Auto von einer schlammgefluteten Straße.

Hunderte Helferinnen und Helfer aus Hessen sind in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Einer von ihnen ist Wilhelm Hartmann aus Fulda, der mit gut 100 Freunden und schwerem Gerät Menschen rettet und die Not lindert.

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hessenschau vom 16.07.2021
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Aus Hessen sind rund 750 Helferinnen und Helfer von Technischem Hilfswerk (THW), Deutschem Rotem Kreuz (DRK) und Einsatzkräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in den Hochwassergebieten im Einsatz oder auf dem Weg dorthin.

Doch Hilfe kommt nicht nur von professionellen Rettern. Wilhelm Hartmann aus Fulda hat eigentlich einen Gartenbaubetrieb - und in diesem Zusammenhang auch schweres Gerät in der Garage, das nun im Überschwemmungsgebiet dringend benötigt wird. "Als Unternehmer muss man etwas unternehmen", so Hartmanns Devise. Als sich das Ausmaß der Katastrophe abzeichnet, wird er aktiv.

Straßenzug wieder nutzbar machen

Bestens vernetzt mit Landwirten aus ganz Deutschland, stellt er eine private Hilfstruppe zusammen, bestehend aus rund 100 Freiwilligen und 70 Fahrzeugen. "Da ist alles dabei, vom Traktor bis zum 18-Tonnen-Radlader."

Seine Leute sind der Feuerwehr und dem Krisenstab vor Ort unterstellt. "Wir haben in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Aufgabe, einen Straßenzug zu räumen und wieder nutzbar zu machen", erklärt Hartmann seine Aufgabe.

Fünf Tote in Kellern

In der Ortsmitte, direkt bei der Kirche, stehen sie auf etwa 150 Metern Länge vor einer rund vier Meter hohen Barriere aus Baumstämmen von bis zu 90 cm Durchmesser. "Kreuz und quer liegen Fahrzeuge dazwischen, die Bäume waren von den Wassermassen mitsamt dem Wurzelwerk mitgerissen worden." Vom Krisenstab werden Hartmann und seine Leute darauf hingewiesen, dass sie auch Tote finden können - ausgebildet sind sie für einen solchen Fall nicht.

"In dem Bereich wurden fünf Todesopfer gefunden, die teilweise in ihren Kellern eingeschlossen waren und im Wasser schwammen", schildert Hartmann die erschütternden Bilder. Die Bergung der Toten sei von professionellen Helfern und der Polizei übernommen worden.

Kritik an fehlender Warnung

Einen Moment der Erleichterung erlebt Hartmann mitten in der Nacht. "Das THW hat uns um 2 Uhr angefordert, weil sie einen von uns mitgebrachten Radlader brauchten, um noch zwei eingeschlossene Personen retten zu können." Die zwei Menschen seien gesundheitlich zwar beeinträchtigt, aber nicht schwer verletzt gewesen.

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Spendenkonten und Hilfsaktionen

Wie Sie den Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen helfen können, lesen Sie bei SWR und WDR. Alle aktuellen Informationen zu der Lage in den Hochwassergebieten lesen Sie bei tagesschau.de.

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Kritik übt Hartmann an dem vorbeugenden Krisenmanagement. "Das war nicht vorhanden, so mein persönlicher Eindruck. Was hier passiert ist, war keine Überraschung", sagt Hartmann, der in seinem Gartenbaubetrieb schon alleine aus beruflichen Gründen immer ein Auge auf das Wettergeschehen hat. "Es gab drei Tage zuvor bereits belastbare Wetterprognosen. Es hat aber keiner den Mum gehabt, hier Warnungen auszusprechen. Das Resultat sind die vielen Todesopfer."

Gemeinsam die Not lindern

Was bleibt, ist die Hilfe nach der Katastrophe. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat weitere Unterstützung für die Hochwassergebiete angekündigt. Das Land stehe für Hilfen jederzeit bereit, sagte er am Freitag in Wiesbaden. "In dieser besonderen Situation geht es jetzt darum, Menschenleben zu retten und so schnell wie möglich Not zu lindern. Nur gemeinsam können wir dieser Katastrophe begegnen."

Wilhelm Hartmann beißt in ein Brötchen.

Wilhelm Hartmann setzt ebenfalls auf die Kraft der Gemeinschaft. Von den rund 100 Helferinnen und Helfern, die er für die erste Aktion gewinnen konnte, sind einige schon wieder auf dem Heimweg. "Manche müssen in die Ernte, andere haben Tiere, um die sie sich kümmern müssen." Doch Nachschub sei schon organisiert und ein Teil der Technik könne möglicherweise vor Ort bleiben, so dass nur die Fahrer wechseln. Für sich persönlich hat Hartmann nur einen einzigen Wunsch: "Eine warme Dusche."

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