Felix Schwenke (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, spricht während einer Pressekonferenz im Offenbacher Stadion vor einem Plakat mit der Aufschrift "Stop Corona ! Stay at home."

Mit einer Inzidenz von 80,6 hat Offenbach die höchste Corona-Warnstufe erreicht. Jetzt soll die Bundeswehr bei der Eindämmung mithelfen. Eine weitere Verschärfung der Maßnahmen ist zunächst nicht geplant.

Videobeitrag

Video

zum Video Corona – Offenbach holt Bundeswehr zur Hilfe

hsk
Ende des Videobeitrags

Vor dem Hintergrund steigender Corona-Infektionszahlen hat die Stadt Offenbach Hilfe von der Bundeswehr erbeten. Wie Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) dem hr am Sonntag auf Nachfrage sagte, habe er am Samstag ein entsprechendes Amtshilfeersuchen unterschrieben. Ein Beauftragter der Bundeswehr nahm daraufhin bereits am Sonntag an der Sitzung des Verwaltungsstabs teil.

Medizinisches Personal der Bundeswehr soll nach Schwenkes Angaben zur Kontaktnachverfolgung und zur Durchführung von Corona-Tests eingesetzt werden. Eine offizielle Bestätigung für die Genehmigung des Einsatzes der Bundeswehr stehe aber noch aus.

Als erste Stadt Schwellenwert überschritten

Die Stadt Offenbach hat mit dem Wert von 80,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen am Sonntag als erste Stadt in Hessen die höchste Corona-Warnstufe erreicht. Diese gilt ab einer Überschreitung von 75. Das Eskalationskonzept des Landes sieht für diese Stufe normalerweise vor, dass der Planungsstab COVID-19 des Sozialministeriums die Steuerung der Lage übernimmt. In Hessen hatten bisher weder eine Stadt noch ein Landkreis diese Schwelle überschritten.

Aktiv infiziert sind in der Stadt Offenbach derzeit 142 Menschen. Die Zahl der aktiven Fälle hat sich damit in den vergangenen zehn Tagen mehr als verdoppelt. Besondere Sorge bereitet Oberbürgermeister Schwenke der Umstand, dass in aktuell rund 36 Prozent der Fälle der ursächliche Infektionsort unbekannt sei. In elf Fällen hätten sich die Personen in anderen Städten oder Landkreisen angesteckt, darunter Frankfurt und die Landkreise Offenbach, Main-Kinzig und Groß-Gerau. „Die Vernetzung in der Region ist enorm", betone Schwenke. "Das heißt, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen müssen.“

Videobeitrag

Video

zum Video Schwenke zu Offenbachs Corona-Maßnahmen

hessenschau
Ende des Videobeitrags

Um über das weitere Vorgehen zu beraten, hatte am Sonntag zunächst der Verwaltungsstab der Stadt getagt. Eine Steuerung durch den Planungsstab COVID-19 des Sozialministerims sei aktuell nicht vorgesehen, auch wenn man im engen Austausch mit dem Ministerium stehe, sagte der Offenbacher Oberbürgermeister: "All die Maßnahmen, die am Freitag von der Kanzlerin mit den elf größten Städten Deutschlands besprochen worden sind, gelten bei uns schon."

Zunächst keine weiteren Maßnahmen geplant

Die Stadt Offenbach plane daher auch keine weitere Verschärfung der Regelungen. "Wir haben am Dienstag neue Maßnahmen beschlossen, die Donnerstagnacht in Kraft getreten sind", erklärte der Oberbürgermeister: "Nun müssen wir erst einmal sehen, ob diese greifen." Dazu gehören unter anderem verschärfte Kontaktbeschränkungen, die Ausweitung der Maskenpflicht und eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr.

Die Stadt werde die Lage weiterhin beobachten, so Schwenke. Sollten in den nächsten Tagen exponentielle Anstiege verzeichnet werden, sei eine Neubewertung nötig. "Wir hoffen aber, dass wir mit den bisher beschlossenen Maßnahmen die richtige Mischung aus Ruhe und Entschlossenheit gefunden haben, um der Pandemie entgegenzuwirken", sagte Schwenke.

Bei Kontrollen in Offenbach sind nach Angaben Schwenkes am Samstagabend sechs Bars vorübergehend geschlossen worden. Diese hätten sich nicht an die Kontaktbeschränkungen beziehungsweise Sperrzeiten gehalten. Außerdem musste eine Hochzeit in einer Lokalität aufgelöst werden, weil mehr als 25 Menschen an der Feier teilnahmen.

Bundesweit auf Rang fünf

Erst vor wenigen Wochen war Offenbach schon einmal Spitzenreiter im negativen Sinne: Die Stadt meldete bundesweit die höchste Zahl an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Am Sonntag wiesen lediglich die Berliner Bezirke Neukölln (128,9) und Mitte 103,1, die nordrhein-westfälische Stadt Herne (86,3) sowie der Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen (85,0) höhere Inzidenzen auf.

Sobald der Planungsstab COVID-19 des Sozialministeriums "die Steuerung der medizinischen Lage" übernimmt, bedeutet das einen sehr engen Austausch mit den Kommunen und die begleitende Beratung, wie das Ministerium auf hr-Anfrage erklärte. Der Planungsstab sei in dieser Woche einberufen worden, auch Offenbach habe an dieser Sitzung teilgenommen.

Zuständig sind laut Ministerium allerdings durchgängig die Kommunen selbst - es sei denn man gelangt zu der Auffassung, dass die Maßnahmen nicht ausreichen. Bisher ist das nicht der Fall: "Die Stadt Offenbach hat aus unserer Sicht alle notwendigen Maßnahmen ergriffen", sagte eine Ministeriumssprecherin am Samstag. "Wir beobachten die Situation sehr genau. Unter anderem die Lage im stationären und ambulanten Bereich, bisher drohen hier keine Engpässe."

Hilfe für Corona-Hotspots

Am Freitag hatten sich die Bürgermeister der elf größten deutschen Städte, darunter Frankfurt, in einer Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf strengere Regeln und Hilfen für Corona-Hotspots geeinigt.

Auf Bitte der betroffenen Städte würden Bundeswehr und Experten des Robert Koch-Instituts entsendet, um in den Hotspots bei der Eindämmung der Pandemie zu unterstützen, heißt es in dem gemeinsamen Beschluss der Bürgermeister.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.10.2020, 16:45 Uhr