Fleckenbühl

Der alternative Suchthilfe-Bauernhof Fleckenbühl gilt als einmalig und erfolgreich. Doch die Finanzierung ist ein Problem. Jetzt springt das Land ein - mal wieder.

Ronald Meyer ist beruhigt. "Jetzt haben wir erst mal Zeit gewonnen", sagt der Vorstandsvorsitzende des alternativen Suchthilfe-Bauernhofs Fleckenbühl in Cölbe (Marburg-Biedenkopf). Denn Ende des Jahres drohte dem hochgelobten Hof, auf dem Drogenabhängige ganz ohne Therapeuten und Ärzte einen Weg aus ihrer Sucht finden können, das finanzielle Aus. Doch jetzt haben das Finanz- und das Sozialministerium in Wiesbaden zugesichert, die Finanzierung des Projekts bis Ende 2021 zu sichern.

Eine Atempause, aber noch keine endgültige Lösung. Seit eineinhalb Jahren steckt der Biohof mit seinem Selbsthilfekonzept in finanzieller Not. Auch vor einem Jahr sprang bereits das Land ein, um zumindest bis Ende 2019 die Lücken zu stopfen. Nun also erneut, diesmal aber für zwei Jahre.

Die Suchthilfeeinrichtung wir_sind_mehr_als „Die Fleckenbühler“ feiert heute ihren 35. Geburtstag. Glückwünsche an Ronald Meyer und sein gesamtes Team ! Fleckenbühl ist ein Glücksfall für viele Menschen, die dort… https://t.co/O9izJVUrpq

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Fleckenbühl sei "ein Glücksfall für viele Menschen, die dort erfolgreich gegen ihre Sucht angekämpft haben, aber auch für die ganze Region", sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) vor wenigen Tagen auf dem Sommerfest des Hofes, als dort das 35. Jubiläum gefeiert wurde. Deshalb stelle das Land die Übergangsfinanzierung sicher, "bis die eigentlichen Kostenträger eine Lösung gefunden haben", wie Schäfer auf Instagram später erklärte.

Fleckenbühler fallen durch alle Raster

Doch eine dauerhafte Lösung ist nicht ganz einfach zu finden, denn Hof Fleckenbühl fällt durch alle Raster. Die Betriebe - also der Biohof, der Hofladen, der Cateringbetrieb und der Kindergarten - arbeiteten "gerade mal kostendeckend", sagt Meyer. "Wir sind immer am Strampeln."

Nach zwei Gerichtsurteilen in Berlin entschied das örtliche Kreisjobcenter, den Bewohnern kein Arbeitslosengeld mehr zu zahlen - weil sie in einer Einrichtung seien und damit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden. Schlechte Nachrichten gab es auch vom Hessischen Landeswohlfahrtsverband. Der will den Hof nicht unterstützten, weil den Fleckenbühlern Fachpersonal fehlt, etwa Ärzte oder Therapeuten.

Einrichtung oder Selbsthilfegruppe?

Aber die stationäre Selbsthilfe gehört gerade zum Konzept der Fleckenbühler: kalter Entzug in der Provinz, abseits von Dealern, Partys und Saufkumpanen. Dafür umgeben von Kühen, Feldern und Landmaschinen.

Viele derer, die hier arbeiten, haben schon alles hinter sich: Psychotherapie, Gefängnis, Leben auf der Straße, Druckräume, Methadon-Programme. Auf Hof Fleckenbühl leben und arbeiten sie zusammen in einer engen, komplett abstinenten Gemeinschaft - momentan 120 Menschen.

Für die Finanzierung ist das Konzept ein Problem. Ist der Hof eine Einrichtung - oder eine große, besonders gut organisierte Selbsthilfegruppe? Ein Bundesgesetz könnte Initiativen wie den Fleckenbühlern eine rechtliche Grundlage geben, um Fördermöglichkeiten zu eröffnen. Ronald Meyer von den Fleckenbühlern hofft darauf. "Doch bis so ein Gesetz steht, könnten noch Jahre ins Land ziehen" , sagt er.

Immerhin gab sich Finanzminister Schäfer bei seinem Besuch auf Hof Fleckenbühl optimistisch: Man werde versuchen, "die Finanzierung dauerhaft hinzukriegen, damit wir hier auch den 40. Geburtstag feiern können".