Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (links) und der Gesundheitsminister Kai Klose.

Sperrstunde in der Gastronomie, strengere Kontaktbeschränkungen, weniger Besucher bei Veranstaltungen: Mit einer Reihe von Maßnahmen reagiert Offenbach auf die gestiegenen Corona-Infektionszahlen.

Videobeitrag

Video

zum Video Neuinfektionen: Offenbach überschreitet kritischen Wert

hs210820
Ende des Videobeitrags

Die Stadt Offenbach hat die kritische Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen überschritten. Laut Robert Koch-Institut lag der Wert am Freitagmorgen bei 51,4. Damit wurde die vierte von fünf Stufen des hessischen Eskalationskonzeptes erreicht. Die Stadt stellte deshalb am Nachmittag gemeinsam mit Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor. Folgendes gilt nun in der Stadt:

Treffen mit maximal fünf Personen

In der Öffentlichkeit sind nur noch Treffen mit maximal fünf Personen oder zwei Hausständen erlaubt. Das gilt auch für die Gastronomie: Ab sofort dürfen nur noch fünf Personen an einem Tisch sitzen. Außerdem gilt weiterhin ein Grill- und Picknickverbot im öffentlichen Raum.

Weniger Besucher bei Veranstaltungen

Bis zum 3. September werden Veranstaltungen unter freiem Himmel auf 100 Personen begrenzt. Dieselbe Obergrenze gilt für Theater-, Opern-, Konzert- und Kinobesuche. In geschlossenen Räumen werden private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten auf 50 Personen beschränkt. Außerdem dürfen sich nur noch maximal 25 Senioren gemeinsam in einem Raum aufhalten.

Sperrstunde in der Gastronomie

Die Stadt führt eine Sperrstunde ein. Sie gilt für Restaurants, Bars und Kneipen ab Sonntagmorgen, 0 Uhr.

Kein Sportunterricht, Vereinssport nur noch kontaktfrei

Bis zum 30. August darf an Schulen kein Sportunterricht stattfinden.

Vereine dürfen Sport nur noch kontaktfrei ausüben. Die Personenzahl muss auf zehn begrenzt werden. In Umkleiden und Sanitärräumen gilt eine Maskenpflicht. Hallen, die nicht ausreichend belüftet sind, dürfen nicht genutzt werden.

Weniger Besucher in Schwimmbädern

Der Zugang zu Schwimmbädern wird auf maximal 100 Personen begrenzt.

Mehr Kontrollen gegen Verstöße

Die Stadt hat außerdem angekündigt, mit Unterstützung des Landes die Einhaltung der Quarantäne stärker zu überprüfen. Derzeit seien 650 Menschen in Quarantäne.

Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) wies darauf hin, dass bei Verstößen gegen die Quarantäne ein Bußgeld zwischen 500 und 10.000 Euro fällig werde. "Quarantäneverstöße sind alles andere als ein Kavaliersdelikt. Wir werden nicht bei 500 Euro anfangen", drohte er.

Auch im öffentlichen Nahverkehr soll die Maskenpflicht verstärkt kontrolliert werden.

Mehr Personal für Gesundheits- und Ordnungsamt

Zur Stärkung von Ämtern wie dem Gesundheitsamt und Ordnungsamt wird weiteres Personal aus anderen Teilen der Stadtverwaltung bereitgestellt. Darunter sind auch zehn Medizinstudenten.

Erweiterte Melde- und Quarantänepflicht für Reiserückkehrer

Für Reise-Rückkehrer aus einigen Urlaubsländern, die nicht als Risikogebiet eingestuft sind, gilt in Offenbach bereits seit Donnerstag eine erweiterte Melde- und Quarantäne-Pflicht. Das betrifft die zehn Länder, aus denen laut Robert Koch-Institut zuletzt die meisten positiv getesteten Reisenden gekommen sind - beispielsweise Kroatien, Rumänien und Bulgarien. Die Liste findet sich auf Seite 13 des RKI-Lageberichtes von Dienstag (zum pdf-Dokument).

Maskenpflicht im Unterricht, in Sportstätten und in der Kirche

Am Donnerstag hatte die Stadt bereits die Maskenpflicht verschärft. Wie in Teilen von Groß-Gerau und Frankfurt müssen auch in Offenbach Lehrkräfte und Schüler eine Maske tragen. Diese Pflicht gilt auch in Vereinsräumen, Umkleiden und Sanitärräumen, in Bildungsstätten und bei der Kinderbetreuung, in Sport- und Kultureinrichtungen sowie bei religiösen Veranstaltungen und Gottesdiensten.

Keine flächendeckenden Schließungen

Flächendeckende Schließungen wolle die Stadt so lange wie möglich vermeiden. "Wir wollen ein Maximum an Sicherheit. Gleichzeitig dürfen Wirtschaft und Freiheit so wenig wie möglich eingeschränkt werden", sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). "Vermeiden Sie jeden unnötigen Kontakt in den nächsten vierzehn Tagen, damit wir mit diesen Maßnahmen gemeinsam auskommen können."

Die Neuinfektionen seien fast alle auf Urlaubsrückkehrer zurückzuführen, insbesondere aus Kroatien und Spanien, sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). In 25 Prozent der Fälle habe die Stadt aufgrund der Verzögerungen an den Corona-Teststellen in Bayern verspätet davon erfahren. Deshalb seien einige der Infizierten tagelang durch die Stadt gelaufen, ohne von ihrer Erkrankung zu wissen. Mit Blick auf den Herbst kündigte Schwenke Gespräche mit Landesregierung und Kassenärztlicher Vereinigung zur Ausweitung der Corona-Testkapazitäten an.

Klose mahnt zu Einhaltung der Hygieneregeln

Hessenweit seien die Neuinfektionen zum größten Teil auf Reiserückkehrer zurückzuführen, sagte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne). Er mahnte, die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht einzuhalten.

Klose erinnerte an die Pflicht für alle Rückkehrer aus Risikogebieten, sich 14 Tage in Quarantäne zu begeben, sofern kein negatives Testergebnis vorliegt. Auch Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten dürfen sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen. Klose appellierte an die Bürger, diese Möglichkeit wahrzunehmen.

Außerdem mahnte er, auf den Kontaktbögen in Gaststätten die korrekten Kontaktdaten anzugeben, damit Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden könnten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 21.08.2020, 16.45 Uhr