Eine Pflegekraft testet einen Bewohner auf das Coronavirus.

Die Region mit der höchsten Zahl an Corona-Neuinfektionen in Hessen ist der Landkreis Fulda - und das schon seit Tagen. Die Behörden können sich das erklären.

Seit Tagen ist der Landkreis Fulda der Corona-Hotspot in Hessen. Die Osthessen gehören mit ihren hohen Infektionszahlen sogar zu den Top-Ten-Regionen in Deutschland. Nun haben die Behörden das Geschehen analysiert.

Eine Erklärung: Der Kreis geht nach eigenen Angaben bei den Tests über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hinaus. Überprüft werden auch Kontaktpersonen von Infizierten, die keine Symptome zeigen. "Das machen nicht alle Regionen", erklärte Landrat Bernd Woide (CDU) in einem am Mittwoch veröffentlichen Video. Es führe zwar zu höheren Corona-Zahlen, gebe aber auch mehr Gewissheit zum Infektionsgeschehen.

Woide appellierte eindringlich an die Bürger im Kreis: "Nur wenn wir alle gemeinsam einen Plan haben, kommen wir aus dieser Pandemie raus. Und dieser Plan ist einfach: Kontakte vermeiden." Jeder trage Verantwortung und könne seinen Beitrag leisten.

Inzidenz lag schon bei 380

Die Zahl der positiven Corona-Fälle ist im Landkreis anhaltend hoch. Aktuell liegt die Zahl der Neuinfektionen bei weit über 200 pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Seit Tagen verharre die sogenannte Inzidenz auf diesem Niveau. Der Wert lag aber auch schon höher, bei knapp 380 am 10. Januar.

Von den aktuell 641 neu registrierten Fällen in der vergangenen Woche haben sich etwa 400 im privaten Bereich infiziert. 70 Infektionen seien auf das berufliche Umfeld zurückzuführen, 50 auf Personal und Bewohner in Pflegeheimen und 23 in einer Kita. Bei knapp 100 Fällen konnte keine konkrete Infektionsquelle zugeordnet werden.  

Eine Corona-Mutation aus Südengland, Südafrika oder Brasilien sei bislang im Landkreis nicht nachgewiesen worden. Das heiße aber nicht, dass noch keine Mutation im Umlauf ist, relativierte die Behörde.

Corona-Ausbruch im Kindergarten

Die Anzahl der Infektionen in Pflegeeinrichtungen sei im Kreis zurückgegangen. In der laufenden Woche kam es aber zu einem Corona-Ausbruch in einem Kindergarten. 23 Erzieherinnen und Kinder seien positiv getestet worden.

Die Kreisspitze äußerte sich besorgt: "Auch deswegen, weil sich die Infektionen nach wie vor quer über den Landkreis verteilen und damit schwer zu fassen sind", sagten Landrat Woide und sein Vize Frederik Schmitt (beide CDU).

Um einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen zu bekommen, hat der Kreis reagiert. Das Personal bei der Kontaktnachverfolgung von Infizierten wurde massiv erhöht: von 55 Mitarbeiter auf inzwischen 200.

Test zur persönlichen Sicherheit

Durchschnittlich werden den Angaben zufolge pro Fall 5,3 Kontaktpersonen ermittelt. Alle davon werden im Kreis regelhaft getestet. Dabei gehe man über die RKI-Vorgaben hinaus, weil die meisten asymptomatischen Kontaktpersonen - vor allem im familiären und beruflichen Umfeld einer positiv getesteten Person - einen Test als persönliche Sicherheit empfänden, erläuterte Vize-Landrat Schmitt.

Zur Pandemie-Bekämpfung sei dieses Vorgehen nicht erforderlich. Denn die Kontaktpersonen müssten auch ohne einen Test unter Quarantäne stehen. Selbst bei einem negativen Test werde die Quarantäne nicht beendet.

Das RKI erklärt dazu: Asymptomatische Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle können ebenfalls getestet werden, wenn der Test von einem behandelnden Arzt oder vom öffentlichen Gesundheitsdienst als notwendig erachtet wird. Es ist also mitunter auch eine Ermessensentscheidung der Mediziner und Behörden vor Ort, wie umfangreich getestet wird.

Vielerorts werden demnach nur Menschen auf Corona getestet, die auch typische Symptome aufweisen. Die RKI-Empfehlungen besagen zudem: Aufgrund der Testkapazitäten sei es nicht ratsam, alle Menschen, die etwa über Halsschmerzen und Schnupfen klagen, gleich auf Corona zu testen. So soll eine Überlastung der Testzentren verhindert werden.

Der Landkreis Fulda will nun das Angebot der regelhaften Untersuchungen von symptomlosen Kontaktpersonen überprüfen, und zwar in Abstimmung mit dem hessischen Sozialministerium. Das sei vor allem wegen der Vergleichbarkeit mit anderen Landkreisen und der an die Inzidenz geknüpften rechtlichen Regelungen wichtig.

Zahl der Tests unklar

Dem Kreis liegen komplett ausschließlich die Zahlen vom Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung am Klinikum Fulda vor. Dort lag zuletzt die Positiv-Quote bei knapp 27 Prozent. Durchschnittlich werden dort am Tag 140 Personen getestet, wie der Kreis erläuterte.

Ohnehin werden dem Gesundheitsamt nur positive Ergebnisse übermittelt. Es fehlen Informationen zur Anzahl der Tests (positive und negative), die in Krankenhäusern, bei niedergelassenen Ärzten, beim Deutschen Roten Kreuz sowie bei Apotheken durchgeführt werden. Einen kompletten Überblick hat der Landkreis also nicht.

Weiter Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr

Um die Corona-Zahlen zu drücken, bleibt es im Landkreis Fulda neben den bestehenden Lockdown-Regeln des Landes Hessen zunächst weiter bei der nächtlichen Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.

Zudem verwies der Kreis darauf, dass die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert werde. Dadurch habe man zum Beispiel auch Menschenansammlungen von Tagestouristen bei schönem Winter-Wetter auf der Wasserkuppe verhindern können.