Die Promenade des neuen Offenbacher Hafen-Wohn- und Gewerbeviertels - umrahmt von vielen mehrstöckigen Wohngebäuden.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der hessischen Großstädte geben einen großen Teil ihres Gehalts für die Miete aus, wie eine aktuelle Studie zeigt - besonders die Darmstädter.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hohe Mietbelastung bei hessischen Haushalten

Neue Wohnungen im Europaviertel in Frankfurt
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Eine Faustregel für die Wohnungssuche lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens sein. Doch in den hessischen Großstädten funktioniert das oft nicht. Einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge müssen über die Hälfte der hessischen Großstadt-Mieterinnen und -Mieter dafür tiefer in die Tasche greifen.

Am höchsten ist der Anteil in Darmstadt. Dort geben drei von fünf Mietern (59 Prozent) mehr aus, als die Faustregel besagt. Ähnlich sieht es in Wiesbaden aus, dort sind fast 58 Prozent von einer hohen Mietbelastung betroffen. In Offenbach sind es fast 54 Prozent. Knapp über die Hälfte sind es in Kassel (51 Prozent), etwas weniger in Frankfurt (50 Prozent).

Mietbelastung nur in Darmstadt gestiegen

"Ein Teil dieses realen Versorgungsdefizits geht auf eine ungünstige Verteilung der vorhandenen Wohnungen zurück, weil etwa kleine Haushalte in großen Wohnungen leben oder weil die günstigsten Mieten nicht immer von den Haushalten mit den geringsten Einkommen gezahlt werden", stellten die Autoren der Studie fest. Vor allem für viele ärmere Haushalte habe sich die Situation kaum entspannt. Für sie sei die Miete weiter ein besonders großes finanzielles Problem.

Während laut Studie in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und Kassel die Mietbelastung zwischen 2006 und 2018 im Schnitt um 1,5 Prozentpunkte gesunken ist, ist sie in Darmstadt leicht gestiegen. Fast 34 Prozent ihres Nettoeinkommens müssen die Menschen dort für eine Wohnung bezahlen. Teilweise müssen Darmstädterinnen und Darmstädter sogar über 50 Prozent ihres Einkommens hinlegen. Damit ist die Stadt Spitzenreiter in Hessen.

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Mangel an angemessenen Wohnungen

Auch im bundesweiten Vergleich nimmt Darmstadt einen der oberen Plätze ein. Unter den 77 deutschen Großstädten haben nur Recklinghausen und Bremerhaven eine höhere Mietbelastung in Relation zum Einkommen. Den niedrigsten Wert in Hessen weisen Frankfurt und Kassel mit einer Mietbelastungsquote von etwas über 30 Prozent auf.

"Die Einkommen werden selbst bei guten Tarifabschlüssen zunehmend von der Miete aufgefressen. Der DGB fordert deswegen von der nächsten Bundesregierung einen sechsjährigen Mietenstopp", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. Nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung fehlen in den hessischen Großstädten zwischen 9.000 und 41.000 Wohnungen.

Mehr bezahlbare Wohnungen in Frankfurt und Offenbach

Die Studie zeigt beim bezahlbaren Wohnraum für Hessen einen stagnierenden bis positiven Trend. Alle fünf Großstädte im Land hätten sich im Jahr 2018 im Vergleich zu 2006 hinsichtlich bezahlbarer Wohnungen von 0,1 bis zu 5 Prozent verbessert.

Bei einem Vergleich der Haushalte, die jeweils 2006 und 2018 auch bei einer optimalen Verteilung aller Wohnungen nicht angemessen hätten versorgt werden können (Idealversorgungsgrad), haben sich einzelne hessische Städte verbessert. So liegen Offenbach (plus 7 Prozent) und Frankfurt (plus 5 Prozent) unter den Top 10 der deutschen Städte bei der Idealversorgung. In Kassel hingegen ist der Wert gesunken.

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