Trude Simonsohn sitzt in einem Sessel und lächelt in die Kamera. Das Foto ist in schwarz-weiß gehalten.

Trude Simonsohn engagierte sich im Widerstand gegen die Nazis, überlebte die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz - und setzte sich nach dem Krieg unermüdlich für Versöhnung ein. Als erste Frau verlieh ihr die Stadt Frankfurt die Ehrenbürgerinnenwürde. Nun ist Simonsohn gestorben.

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Trauer um Trude Simonsohn

hs
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Trude Simonsohn, die zwei Konzentrationslager überlebte und Frankfurts erste Ehrenbürgerin wurde, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Das teilte die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Donnerstag mit.

"Wir sind fassungslos und voller Trauer über diesen großen Verlust", sagte Salomon Korn, der Vorstandsvorsitzende Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Er würdigte Simonsohn als "eine bemerkenswerte, herausragende Frau, die stets zum Wohle ihrer Mitmenschen gehandelt hat".

Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, twitterte: "Ich habe noch nie so einen starken und lebensfröhlichen Menschen gekannt."

Heute ist Trude Simonsohn im Alter von 100 Jahren gestorben. Sie hat Auschwitz überlebt und kämpfte seitdem für die Erinnerung. Ich habe noch nie so einen starken und lebensfröhlichen Menschen gekannt. Trude, du wirst mir fehlen. Yehi Sichrah Baruch

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Widerstand gegen die Nazis

Simonsohn, geboren am 25. März 1921 in Olmütz in der damaligen Tschechoslowakei, war nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 in den Widerstand gegangen. Sie organisierte die Flucht von Juden aus dem Deutschen Reich nach Palästina, wurde 1942 verhaftet und ins Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. 1944 wurde Simonsohn von dort weiter ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Sie und ihr Ehemann, den sie im KZ kennenlernte, überlebten. Nach dem Krieg half Simonsohn in der Schweiz Überlebenden und Traumatisierten - und setzte sich für Versöhnung ein. Sie berichtete vor Schulklassen, in Vereinen und Institutionen als Zeitzeugin über ihre Erlebnisse im Dritten Reich

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Im Alter von 100 Jahren: Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist tot

Trude Simonsohn sitzt in einem Sessel und lächelt in die Kamera. Das Foto ist in schwarz-weiß gehalten.
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"Durch ihr unermüdliches Engagement, insbesondere jungen Menschen in Schulen vom Erlebten zu berichten, wirkte sie für eine friedlichere Gesellschaft", heißt es in der Mitteilung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, deren Leitung Simonsohn nach ihrem Umzug nach Frankfurt 1955 als erste Frau übernommen hatte.

Lebensweg voller Hoffnung und Mut

Die Stadt Frankfurt verlieh ihr als erster Frau überhaupt im Oktober 2016 in der Paulskirche die Ehrenbürgerwürde. "In Frankfurt und Umgebung hören die Menschen, vor allem viele junge Menschen, mir zu. Sie verstehen mein Schicksal - und sie zeigen Zivilcourage gegen Unmenschlichkeit heute", sagte Simonsohn zu diesem Anlass.

Erst mit weit über 90 Jahren musste sie ihr Engagement, auch an Schulen, wegen ihres verschlechterten Gesundheitszustands einstellen. "Trude hat ihren Lebensweg auch stets voller Hoffnung und Mut gestaltet und glaubte an eine bessere Welt, die aus ihrer Vergangenheit gelernt hat", sagte Salomon Korn.

Landes- und Bundespolitik würdigen Verdienste

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) reagierte betroffen: "Ich bin sehr bestürzt über den Tod von Trude Simonsohn. Eine bedeutende Hessin ist heute von uns gegangen, die sich um die Erinnerungskultur und den Wiederaufbau von jüdischem Leben in Hessen verdient gemacht hat", sagte Bouffier laut Mitteilung der Staatskanzlei vom Donnerstag.

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) teilte mit, Simonsohns jahrzehntelange Aufklärungsarbeit in Schulen, Universitäten und Gesellschaft sei nicht hoch genug zu würdigen. "Als Zeitzeugin und Holocaustüberlebende hat Trude Simonsohn viele Generationen junger Menschen mit der Schilderung ihrer Erlebnisse während der NS-Diktatur berührt und als Vorbild wachgerüttelt. Wir trauern mit den Angehörigen um eine bedeutende Frau, die unvergessen bleiben wird."

Für ihre Verdienste um die Erinnerungsarbeit war Simonsohn 1996 die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen verliehen worden.

Für die Bundesregierung erinnerte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) an die Verstorbene: Trude Simonsohn habe mit ihrer beeindruckenden Zeitzeugenarbeit begreifbar gemacht, was es heißt, in einer menschenverachtenden, rassistischen Diktatur als Jüdin verfolgt zu werden.

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