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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sammelklage von Hoteliers mit Gießener Beteiligung

Timo im leeren Hotel Steigenberger

In der Corona-Krise gehören Hotels mit zu den wirtschaftlich am stärksten betroffenen Unternehmen: Mit einer bundesweiten Sammelklage wollen Hoteliers von den Bundesländern Entschädigungen erstreiten. Aus Hessen wollen etwa 50 Betriebe mitmachen.

Sie sind neben Gastronomen, Reisebüros, Eventagenturen, Konzertveranstaltern und dem Messebau die Hauptbetroffenen der Corona-Krise: Für viele Hoteliers stürzten Mitte März die Umsätze von einem auf den anderen Tag auf null. Zwei Monate lang blieben die Einnahmen aus.

Und auch nachdem Hotels und Gaststätten wieder geöffnet sind, läuft das Geschäft nur sehr schleppend an. Der Berliner Anwalt Wolfgang Schirp plant deswegen eine bundesweite Sammelklage gegen die Bundesländer. Sie sollen den Hoteliers und Gastronomen Schadensersatz zahlen. Rund 500 Betriebe in ganz Deutschland lassen sich inzwischen von dem Anwalt vertreten, unter ihnen auch etwa 50 aus Hessen.

Hotelier: "90 Prozent des Umsatzes durch Corona weggebrochen"

Einer dieser Hoteliers ist Ulrich Würtele aus Gießen. Er betreibt in zentraler City-Lage ein Haus mit 36 Zimmern. Im März hätten die Stornierungen seiner Gäste angefangen, sagt Würtele. In der Folge seien 90 Prozent seines Umsatzes eingebrochen. "Wir waren nicht darauf eingestellt, dass es so lange dauert und wir haben auf unsere Reserven zurückgegriffen. Jetzt sind drei Monate um, und jetzt wird’s kritisch."

Würtele meldete für einen großen Teil der Mitarbeiter Kurzarbeit an, bekam staatliche Soforthilfe. Doch die sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Das hilft bei uns gerade mal einen halben Monat, um die laufenden Kosten zu halten". Monatlich seien das etwa 60.000 Euro, die Umsätze lägen dagegen bei maximal 8.000 Euro. Die Aussichten seien weiter trübe. Die Lockerungen seien zwar da, aber die Buchungen seien überschaubar. Deshalb hofft der Hotelier auf die Sammelklage.

Anwalt: "Mandanten brennt Kittel lichterloh"

"Einer ganzen Reihe unserer Mandanten brennt der Kittel lichterloh", sagte Rechtsanwalt Wolfgang Schirp am Mittwoch in hr-iNFO. Es gebe gerade bei den Hoteliers viele, die bislang keine oder nur sehr untergeordnete Hilfen erhalten hätten. Die Hilfen, die die Unternehmen schon bekommen hätten, müssten allerdings komplett von der Forderungssumme abgezogen werden. Es gehe bei den Forderungen der Hoteliers um eine "angemessene Entschädigung", nicht um den vollen Ersatz der entgangenen Einnahmen. "Da wird es sicher Lösungen in der Mitte geben."

Schirp setzt dabei auf ein Recht, das in allen Bundesländern gilt. "Im traditionellen Polizeirecht gibt es den Entschädigungsanspruch des Nichtstörers", erklärt der Rechtsanwalt. Ein Nichtstörer ist jemand, der als unbeteiligter Dritter geschädigt wird. "Wenn zum Beispiel ihr Auto für eine Verfolgungsjagd beschlagnahmt wird und es geht dann in Feuer auf, dann sind sie als Nichtstörer zu entschädigen". Die Bundesländer hätten mit ihren Verordnungen den Corona-Lockdown umgesetzt und seien deshalb aus Sicht der betroffenen Hoteliers die Verantwortlichen.

Hoteliers hoffen auf schnelle Lösung

Mehrere Bundesländer habe er schon angeschrieben, um auf die Entschädigungsforderungen aufmerksam zu machen - am Mittwoch auch Hessen. Ende der Woche läuft dazu eine Frist ab. "Wenn wir keine oder eine ablehnende Reaktion bekommen, werden wir schnell vor Gericht ziehen oder andere Rechtsmittel einlegen", ergänzt Rechtsanwalt Schirp.

Hotelier Ulrich Würtele hofft auf eine schnelle Reaktion in den nächsten drei bis vier Wochen, denn er bangt um die Zukunft seines Hotels. Eine Unterstützung wäre gut, um überleben zu können - die Lage sei sehr kritisch. "Wir wollen die Arbeitsplätze erhalten. Aber wenn das so weiter geht, muss man irgendwann überlegen, ob man einen Schlussstrich zieht."

Sendung: hr-iNFO, 10.06.2020, 07.05 Uhr