Auf den beiden Bildern sind zum einen Keime in einer Petrischale zu sehen und zum anderen eine Frau, die Wasserproben einem Gewässer entnimmt.

Multiresistente Keime werden zu einer wachsenden Gesundheitsgefahr. Eine hr-Recherche weist die gefährlichen Erreger in mehreren Gewässern nach. Darunter ist auch Hessens "Freizeit-Fluss" - die Lahn.

Videobeitrag

Video

zum Video Gefährliche Keime in Hessens Flüssen

hessenschau
Ende des Videobeitrags

Die Lahn ist der Freizeitfluss in Hessen. Doch wo Schwimmer und Kanufahrer sich ein Stelldichein geben, treffen sie auf besorgniserregende Keime. Das belegt eine Untersuchung von Gewässerproben im Auftrag der hr-Fernsehmagazine defacto, mex und Alles Wissen.

Der Leiter der Untersuchung, Professor Dr. Thomas Schwartz vom Karlsruher Institut für Technologie, bewertet diese Funde als besonders problematisch: Wenn Menschen sich damit infizierten und es zu einer Erkrankung komme, "dann ist diese nur sehr schwer therapierbar."

Proben aus elf Gewässern

Für die Untersuchung wurden Ende Mai insgesamt elf Proben in hessischen Gewässern entnommen, darunter die Flüsse Nidda, Lahn, Main, Fulda, Gersprenz, die Alte Wehre in Eschwege sowie der Diemelsee. Alle Entnahmestellen lagen in der Nähe von Krankenhäusern, Kläranlagen oder Tiermastbetrieben.

Der Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin sowie in der Tiermast gelten als Hauptverursacher von multiresistenten Keimen in der Umwelt. Erwartungsgemäß fanden sich in allen Gewässern Fäkalkeime wie zum Beispiel E.coli-Bakterien oder Enterokokken.

Lahn und Alte Wehre Keim-Hotspots

Alarmierend dabei: In fünf Flüssen weist die Untersuchung auch Keime nach, die gegen mehrere Antibiotika-Wirkstoffklassen resistent sind. Gefunden wurden sie im Main, der Alten Wehre in Eschwege, in Fulda, Lahn und Gersprenz.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Multiresistente Keime in hessischen Gewässern

Multiresistente Keime
Ende des Audiobeitrags

Lahn und Alte Wehre sind sogar Hotspots: Wer sich mit den dort vorhandenen Keimen infiziert, dem hilft im Zweifelsfall nicht einmal mehr ein Reserveantibiotikum. Dieses Ergebnis erstaunte sogar die Wissenschaftler.

Baden für gesunde Menschen keine Gefahr

Für gesunde Menschen sieht das Umwelt-Bundesamt kein größeres Infektionsrisiko, wenn sie in offiziellen Badegewässern schwimmen. Wer aber zum Beispiel Immunschwächen oder offene Wunden hat oder über längere Zeit Antibiotika zu sich nimmt, solle besser auf das Baden verzichten, schreibt die Behörde.

Bald Millionen Todesfälle durch hausgemachtes Problem?

Angesichts einer weltweiten Zunahme von multiresistenten Keimen in der Umwelt drängt der Karlsruher Wissenschaftler Schwartz auf schnelle Lösungen: "Es gibt Berechnungen, Kalkulationen, die sagen, dass wir im Jahr 2050 insgesamt mit 10 Millionen Todesfällen durch an antibiotikaresistente Infektionen zu rechnen haben. Und das ist eine Zahl, die höher liegt als Todesfälle zum Beispiel durch Krebserkrankungen, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen."

Die brisanten Keime nehmen den Weg über Tiermastanlagen, Schlachthöfe, Klinken, Alten- und Pflegeheime - überall dort, wo Antibiotika eingesetzt werden. Durch das Abwasser gelangen die Antibiotika in die Kläranlagen und von dort zurück in die Flüsse. Wissenschaftler wie Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Uni Bonn fordert deshalb, schon das Abwasser von Kliniken vor der Einleitung in die Kläranlage mit speziellen Verfahren zu reinigen.  

Weitere Informationen

hr-Fernsehmagazine berichten

Über die Ergebnisse der Untersuchung und die Folgen berichten ausführlich die Magazine defacto am 26.08.2019, mex am 28.08.2019 und Alles Wissen am 29.08.2019, jeweils um 20.15 Uhr im hr-fernsehen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hessenschau, 26.08.2019, 19.30 Uhr