Manfred Krupp steht im Anzug vor seinem Schreibtisch

Der Rundfunkrat des hr hat den Jahresabschluss für das Jahr 2020 genehmigt. hr-Intendant Manfred Krupp betonte bei der öffentlichen Sitzung, wie wichtig der hr als verlässliche Nachrichtenquelle in dem schwierigen Corona-Jahr gewesen sei.

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hessenschau vom 16.07.2021
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Der Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks (hr) hat in seiner heutigen öffentlichen Sitzung den Jahresabschluss des hr für das Jahr 2020 genehmigt und den Verwaltungsrat sowie den Intendanten entlastet.

Die wichtigsten Ergebnisse des Jahresabschlusses im Überblick:

• Der Hessische Rundfunk schließt das vergangene Haushaltsjahr mit einem positiven operativen Ergebnis ab. Im operativen Ergebnis werden Aufwands- und Ertragspositionen, bei denen dem hr aus rechtlichen oder anderen Gründen die Hände gebunden sind, vom handelsrechtlichen Ergebnis abgezogen. Hierzu zählen beispielsweise die hohen Rückstellungen für die Altersversorgung, bei denen es tarifvertragliche Vereinbarungen gibt.

• Corona-bedingte Mehraufwendungen zur Gesunderhaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Mindererträge, beispielsweise im Konzert- und Veranstaltungsbereich, wurden durch Minderaufwendungen weitgehend kompensiert.

• Im unbereinigten Ergebnis schließt der Hessische Rundfunk das Geschäftsjahr 2020 mit einem Gesamtfehlbetrag in Höhe von 90,3 Millionen Euro. Aufwendungen in Höhe von 596,8 Millionen Euro stehen Erträgen in Höhe von 506,5 Millionen Euro gegenüber. Der hr verfügt über ausreichend liquide Mittel, um weiterhin seinen gesetzlichen Auftrag in vollem Umfang zu erfüllen.

Intendant Krupp: Starker Anstieg bei digitalen Angeboten

hr-Intendant Manfred Krupp betonte in der Hauptversammlung am Freitag: "Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr allen viel abverlangt. Die Menschen in Hessen haben verlässliche Nachrichtenquellen gesucht und sie beim Hessischen Rundfunk gefunden. Das hat unter anderem zu einer Steigerung der Visits unserer digitalen hr-Angebote von 46 Prozent gegenüber 2019 geführt", sagte er.

Mit attraktiven Angeboten konnte der hr laut Intendant Krupp seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen und flexibel auf die Bedürfnisse des Publikums eingehen. Trotz schwierigen Bedingungen sei der Umbau des hr hin zu einem modernen digitalen Medienunternehmen fortgesetzt worden. Dazu seien Strukturen grundlegend verändert und eine medienübergreifende Programmdirektion geschaffen worden.

"Die Pandemie hat bestätigt, wie wichtig es ist, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk als gemeinwohlorientierte Institution Gesamtöffentlichkeit herzustellen vermag und damit ein Gegengewicht zur fortschreitenden Individualisierung in der digitalen Mediennutzung schafft", sagte Krupp weiter. "Wir sind auf einem guten Weg und haben schon viel geschafft. Aber wir müssen hier mutig und innovativ weiterdenken."

Rundfunkrat begleitet Veränderungsprozess

Rolf Müller, Vorsitzender des hr-Rundfunkrats, hebt hervor: "Die treibende Motivation für die Veränderungen im Hessischen Rundfunk ist das Bemühen, der ganzen Bevölkerung in Hessen ein Angebot zu machen. Nur wenn sich alle vom hr angesprochen fühlen, werden es die Menschen akzeptieren, 'ihren' hr gemeinschaftlich zu finanzieren." Die Mitglieder des Rundfunkrats begleiten diese Veränderungsprozesse laut Müller seit Jahren stellvertretend für die Allgemeinheit kritisch und konstruktiv. "Gleichzeitig nehmen wir die aktuellen politischen Diskussionen um Auftrag und Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wahr."

Die Akzeptanz des hr in allen Ausspielwegen war demnach im vergangenen Jahr außergewöhnlich hoch. "Der hr war für die Menschen in Hessen in der schwierigen Zeit der Pandemie ein unersetzlicher Partner. Er war vor Ort, hat kompetent informiert, Unterhaltung und Ablenkung in einer belastenden Zeit geboten und auch seine Verantwortung für die Kulturszene wahrgenommen", so Müller.

Auskömmliche Finanzierung für die Zukunftssicherung notwendig

Nach Ansicht des Verwaltungsrats hat das Jahr 2020 sehr deutlich gezeigt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auskömmlich finanziert werden muss. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Armin Clauss, betont: "In der Corona-Pandemie hat er den Menschen Orientierung geboten, Hintergründe erläutert, Informationen geprüft und sie verständlich weitergegeben." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht laut Clauss, um seinen Auftrag angemessen erfüllen zu können, die von der KEF festgestellte notwendige moderate Anpassung des Rundfunkbeitrags von 17.50 Euro um 86 Cent auf 18,36 Euro pro Monat – die erste seit zwölf Jahren.

"Durch das Ausbremsen des Genehmigungsverfahrens der KEF-Empfehlung stehen dem hr derzeit aufgrund der fehlenden Erhöhung jedes Jahr 15,6 Millionen Euro weniger zur Verfügung als ihm zusteht", sagte Clauss. Dieses Geld fehle umso mehr, als es gerade jetzt darum gehe, nicht nur Teile der Gesellschaft zu bedienen und im globalen digitalen Wandel den Anschluss nicht zu verlieren.

Erste Vorbereitungen für Dreistufentest

Der Rundfunkrat hat überdies mit den Vorbereitungen für die Überprüfung der digitalen Angebote des hr im Rahmen eines Dreistufentests begonnen. Wie der Vorsitzende des Telemedien- und Dreistufentest-Ausschusses Harald Freiling mitteilte, wird der hr im September eine Änderung seines Telemedienkonzepts vorlegen, die vom Rundfunkrat als Vertreter der Allgemeinheit zu prüfen ist. Auch für alle digitalen Gemeinschaftsangebote der ARD wie die Mediathek oder die Online-Portale der Tagesschau, der Sportschau oder des KiKa werde im Herbst ein Dreistufentest beginnen, da sich seit den ersten Genehmigungsverfahren im Jahr 2009 "in der digitalen Medienwelt wesentliche Veränderungen vollzogen haben".

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