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In Hessens Kitas steigen die Infektionszahlen explosionsartig. Ab wann Kinder in Quarantäne müssen und in welchen Fällen ganze Gruppen geschlossen werden, regeln Städte und Kreise ganz unterschiedlich, wie eine hr-Umfrage zeigt.

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Mehr Quarantänefälle durch Omikron

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Die Omikron-Welle ist in Hessens Kindergärten angekommen. Das zeigt eine hr-Umfrage in den Kreisen und kreisfreien Städten. Nicht alle Kommunen können die Infektionszahlen für die Gruppe der Kinder bis sechs Jahren genau aufschlüsseln. Dort, wo es möglich ist, zeigt sich eine klare Tendenz nach oben.

Steigende Inzidenzen - geschlossene Gruppen

Im Kreis Offenbach steigen die Zahlen laut Verwaltung explosionsartig an. In der Woche vom 10. bis 16. Januar lag die Inzidenz der unter Sechsjährigen noch bei 333. In der Woche danach schon bei 1.031. Aktuell gibt es in 103 der 280 Kita-Einrichtungen geschlossene Gruppen.

Ähnlich sieht es in Wiesbaden aus. In der ersten Woche des Jahres lag die Sieben-Tage-Inzidenz der Altersgruppe bei 219,3. Eine Woche später bereits bei 669,1 und in der dritten Jahreswoche bei 1.495,6. Aktuell sind sechs Kita-Einrichtungen komplett geschlossen und 54 Einrichtungen in Teilen dicht.

Auch der hessische Städte- und Gemeindebund hat keine genauen Zahlen für ganz Hessen. Er teilt auf hr-Anfrage mit, dass die Mitglieder verstärkt über steigende Zahlen in den Kitas klagen. Hier die Übersicht zur Situation in einzelnen Kreisen und Städten.

Quarantäneregeln werden unterschiedlich ausgelegt

Eine einheitliche Vorschrift zur Quarantäne bei Kindergartenkindern gibt es von der Landesregierung nicht. Sie teilt uns auf Anfrage mit: "Die Entscheidung, ob und inwieweit eine Kita(-gruppe) quarantänisiert wird, trifft jeweils das zuständige Gesundheitsamt als Einzelfallentscheidung."

Das führt dazu, dass jeder Kreis, beziehungsweise jede kreisfreie Stadt in Hessen, unterschiedlich mit der Quarantäne bei Fällen in den Kindergärten umgeht.

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Hohe Inzidenzen bei Kita-Kindern

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Von Kreis zu Kreis verschiedene Umsetzung

Frankfurt und Darmstadt verzichten darauf, ganze Gruppen nach einem Infektionsfall in Quarantäne zu schicken - das bedeutet, die anderen Kinder aus einer Gruppe mit einem positiven Corona-Fall müssen nicht zu Hause bleiben. Die ganze betroffene Gruppe darf aber für mindestens fünf Tage nicht in die Kita. Die Kinder dürfen danach nur mit einem negativen Testergebnis zurückkehren.

Der Werra-Meißner-Kreis und die Kreise Wetterau, Vogelsberg, Main-Kinzig und Groß-Gerau antworten hingegen, dass sie alle Kinder aus einer Gruppe nach einem positiven Coronatest für die nächsten Tage nach Hause schicken. Der Kreis Groß-Gerau schreibt aber auch, dass gerade im Gespräch ist, diese Regel zu ändern.

Im Odenwaldkreis dürfen alle Kinder aus einer betroffenen Gruppe in den Folgetagen nicht in die Kita. Es sei denn, das infizierte Kind war, während es ansteckend war, nicht im Kindergarten. In Limburg-Weilburg dürfen andere Kinder aus der Gruppe des positiv getesteten Kindes an den darauf folgenden sieben Tagen nur noch mit einem tagesaktuellen, negativen Antigen-Test den Kindergarten betreten.

Kita-Situation in Kreisen und Städten

Darmstadt

Bei Kindern unter sechs Jahren steigen die Infektionszahlen stark. Geschlossen sind aktuell weniger als zehn Prozent der städtischen Kitagruppen, hauptsächlich weil Erzieherinnen und Erzieher krank sind. Ein infiziertes Kind darf eigentlich zehn Tage nicht in die Kita, allerdings können die Eltern es nach sieben Tagen freitesten. Es werden keine ganzen Gruppen in Quarantäne geschickt, sondern nur Kinder mit direktem Kontakt. Kinder, die als Kontaktperson eingestuft werden, können nach fünf Tagen Quarantäne freigetestet werden. Gleichwohl wird eine betroffene Kitagruppe für fünf Tage von der Betreuung ausgeschlossen.

Frankfurt

Das Frankfurter Gesundheitsamt beobachtet auch bei den Kindern im Kita-Alter steigende Infektionszahlen. Genaue Zahlen für die Kita-Kinder gibt es aber nicht, da es laut Stadtverwaltung keine Meldepflicht der Einrichtungen gegenüber dem Gesundheitsamt gibt. Infizierte Kinder müssen in Isolierung. Eine Quarantäne der übrigen Kinder wurde noch nie und wird auch aktuell nicht angeordnet, wie das Amt mitteilt. Eine Kitagruppe wird für mindestens fünf Tage geschlossen, nachdem ein Kind positiv getestet worden ist.

Kassel (Stadt)

Positiv getestete Kinder müssen bis zur Genesung und Negativtest zu Hause betreut werden. Symptomfreie und negativ getestete Kinder werden jedoch weiter betreut und regelmäßig erneut getestet. Die gesamte Gruppe kann grundsätzlich weiterhin in Quarantäne versetzt werden, wenn eine erhöhte Infektionslage vorhanden ist.

Offenbach (Stadt)

Seit Ferienende steigen die Inzidenzen bei den unter Sechsjährigen an. Insgesamt 31 Kita-Gruppen von städtischen und anderen Trägern sind geschlossen, beziehungsweise in Quarantäne. Ist ein Kind infiziert, muss es umgehend in Isolierung. In der Regel werden die Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt. Aktuell bereitet das Gesundheitsamt eine Umstellung der Verfahren vor.

Wiesbaden

In der Landeshauptstadt steigen die Infektionszahlen bei den Kindern unter sechs Jahren rasant. In der ersten Woche des Jahres lag die Sieben-Tage-Inzidenz der Altersgruppe bei 219,3. Eine Woche später bereits bei 669,1 und in der dritten Jahreswoche bei 1.495,6. Aktuell sind sechs Kita-Einrichtungen komplett geschlossen und 54 Einrichtungen in Teilen geschlossen.              

Kreis Bergstraße

Nach den Weihnachtsferien ist die Inzidenz bei den unter sechsjährigen Kindern von rund 300 auf über 1.100 stark gestiegen. Damit entwickelt sich die Inzidenz dieser Altersgruppe ähnlich wie die der Schülerinnen und Schüler sowie der jungen Erwachsenen. Aktuell sind im Kreis Bergstraße etwa 58 Kindergartengruppen geschlossen.

Kreis Darmstadt-Dieburg

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Kreis Groß-Gerau

Bei den unter Fünfjährigen lag die Inzidenz in der Woche vom 17. bis 23. Januar bei 991. Aktuell sind rund 50 Kindergartengruppen geschlossen. Noch ist es so, dass die ganze Gruppe in Quarantäne geschickt wird, wenn ein Kind infiziert ist. Momentan laufen allerdings Gespräche, dies zu ändern.

Hochtaunuskreis

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Main-Kinzig-Kreis

Die Inzidenz bei den unter Sechsjährigen hat sich im Kreis in den ersten drei Wochen des Jahres verdoppelt. In der Woche vom 17. bis 23. Januar lag sie bei 882. Momentan sind 17 Kita-Gruppen im Kreis geschlossen. Bei einem positiv getesteten Kind wird die ganze Gruppe nach Hause geschickt. Die Quarantänedauer für Kontaktpersonen beträgt zehn Tage, wobei die Kinder sich nach fünf Tagen mit einem Schnelltest freitesten können und die Einrichtung besuchen können. Der positiv Getestete muss sich ebenfalls für zehn Tage isolieren. Auch dieses Kind kann sich nach sieben Tagen mit einem Schnelltest freitesten.

Main-Taunus-Kreis

Auch im Main-Taunus-Kreis sind die Inzidenzen bei den unter Sechsjährigen dramatisch gestiegen. In der letzten Woche des alten Jahres lag sie noch bei 69,5. In der Woche ab dem 10. Januar war sie schon bei 911 und in der Woche ab dem 17. Januar bei 1.328.

Odenwaldkreis

Die Infektionen bei den Kindern unter sechs Jahren steigen seit Ende der Weihnachtsferien stetig an. Das Gesundheitsamt verfügt für Kinder, die sich in einer Gruppe mit einem positiv getesteten Kind befanden, keine Quarantäne, sondern ein Betretungsverbot für die Einrichtung. Und das auch nur, wenn das positiv getestete Kind während der infektiösen Zeit im Kindergarten war. Das Betretungsverbot gilt zehn Tage, ab dem fünften Tag können sich die Kinder aber freitesten lassen und bei einem negativen Test die Einrichtung wieder besuchen. Derzeit sind rund 30 Gruppen von einem solchen Betretungsverbot betroffen.  

Kreis Offenbach

Die Inzidenz bei Kindern unter sechs Jahren steigt explosionsartig an. In der Woche vom 10. bis 16. Januar lag sie noch bei 333. In der Woche danach schon bei 1.031. Aktuell gibt es in 103 der 280 Kita-Einrichtungen geschlossene Gruppen. Das infizierte Kind wird auf jeden Fall in Isolation geschickt. Mehrheitlich werden die Gruppen oder bei offenen Konzepten der Einrichtung auch die komplette Einrichtung geschlossen. Die Kinder sind dann jedoch nicht in Quarantäne.

Rheingau-Taunus-Kreis

Die Inzidenz bei den unter sechsjährigen Kindern im Rheingau-Taunus-Kreis lag in der Woche vom 10. bis 16. Januar bei 694 und vom 17. bis 23. Januar bei 1.177. Die Zahlen haben sich innerhalb einer Woche nahezu verdoppelt. Aktuell sind im Kreis 40 Kitas von Corona betroffen. 15 Kindergartengruppen sind unter Quarantäne, ein Kindergarten ist komplett geschlossen. Die Kinder, die zu der positiv getesteten Person Kontakt hatten, gelten als enge Kontaktpersonen und müssen für zehn Tage in Quarantäne. Für diese Kinder besteht die Möglichkeit, die Quarantäne nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test oder einem zertifizierten negativen Schnelltest aus einer Teststelle zu beenden.

Wetteraukreis

In den letzten Tagen wurden 55 Gruppen geschlossen. Bei einer Infektion wird die gesamte Gruppe in Quarantäne geschickt. Wenn es keine Gruppentrennung gibt, die ganze Kita für zehn Tage. Die Freitestung ist ab dem fünften Tag möglich.      

Kreis Gießen

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Lahn-Dill-Kreis

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Kreis Limburg-Weilburg

Derzeit hat das Gesundheitsamt keine Kindergartengruppe geschlossen. Sobald ein Kindergartenkind positiv auf das Corona-Virus getestet wird, geht es in häusliche Isolierung. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Kinder aus der Gruppe des positiv getesteten Kindes an den darauf folgenden sieben Tagen nur noch mit einem tagesaktuellen, negativen Antigen-Test den Kindergarten betreten.

Kreis Marburg-Biedenkopf

Die Inzidenz bei den unter Sechsjährigen ist seit der ersten Januarwoche von 139 auf 710 in der Woche vom 17. Januar gestiegen. Aktuell befinden sich zwei komplette Kindergartengruppen in Quarantäne. Das Gesundheitsamt hat entschieden, seit dieser Woche bei einem positiv bestätigen Fall in einer Gruppe, die anderen Kinder nicht mehr alle in Quarantäne zu schicken. Symptomfreie Kinder können bei Vorlage eines negativen täglichen Schnelltests weiter in die Kita gehen. Kinder ohne Schnelltest bleiben zehn Tage zu Hause.

Vogelsbergkreis

Die Inzidenz bei den unter Sechsjährigen lag in der ersten Woche nach den Ferien bei 305, in der zweiten bei 344. Im Vogelsbergkreis sind mehrere Kindergartengruppen betroffen. Auch eine Reihe von Erzieherinnen und Erziehern ist infiziert, von daher gestaltet es sich in einigen Einrichtungen mitunter schwierig, eine Notbetreuung zu organisieren. Bei einem Coronafall wird in der Regel die gesamte Gruppe in Quarantäne geschickt.

Kreis Fulda

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Kreis Hersfeld-Rotenburg

Es werden nur die Kontaktpersonen aus einer Kindergartengruppe in Quarantäne geschickt. Die Kontakte werden zehn Tage in Quarantäne geschickt mit der Möglichkeit, sich am fünften Tag frei zu testen. Das infizierte Kind wird zehn Tage in Isolierung geschickt.

Kreis Kassel

Das Gesundheitsamt konnte die angefragten Daten wegen Überlastung nicht auswerten.

Schwalm-Eder-Kreis

Die Inzidenz in den Altersgruppen bis zur 1. Klasse liegt aktuell bei 1.517,2. Kita-Gruppen werden im Falle eines positiv getesteten Kindes nicht generell geschlossen. Bei einem vorliegenden positiven Test in einer Gruppe werden alle Kinder und ungeimpften Mitarbeiter, die einen engen Kontakt zum Verdachtsfall hatten, als Kontaktpersonen eingestuft. Sie sollen sich für bis zu zehn Tage in Quarantäne begeben. Das kommt einer Schließung bis zur möglichen Freitestung gleich, bedeutet aber faktisch keine Schließung. Es gelten die entsprechenden Freitestungsmöglichkeiten nach dem fünften, beziehungsweise siebten Tag.

Kreis Waldeck-Frankenberg

Aktuell sind sieben Kindergartengruppen im Landkreis geschlossen. Es wird durch das Gesundheitsamt individuell beurteilt, inwiefern bei einem infizierten Kind für die gesamte Kindergartengruppe Quarantäne ausgesprochen oder sogar die Schließung der gesamten Kita empfohlen wird.

Werra-Meißner-Kreis

Die Inzidenzen bei den unter Sechsjährigen sind gestiegen. Derzeit sind 15 von 204 Kindergartengruppen geschlossen. Bei einem positiven Fall wird aktuell noch die ganze Gruppe für zehn Tage in Quarantäne geschickt. Freitestung ab dem fünftem Tag ist möglich.

Hinweis: In einer früheren Version konnte die Passage, wonach die Gesundheitsämter in Frankfurt und Darmstadt Kinder aus einer Gruppe mit einem positiven Corona-Fall nicht in Quarantäne schicken, so missverstanden werden, dass diese Gruppe nicht geschlossen wird. Wir haben die Angaben konkretisiert.

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