Nasir Mahmood

Die Tat von Hanau habe ihn nicht überrascht, sagt hr-iNFO-Redakteur Nasir Mahmood. Den Abzug in Hanau habe wohl ein einzelner Mann betätigt. Die ideologische Waffe hätten ihm viele andere schon vorher in die Hand gedrückt.

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zum hr-inforadio.de Video Kommentar: Ich erlebe jeden Tag, wie uns Hass entgegenschlägt

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Jetzt ist es also wieder passiert. Mehrere Menschen sind Opfer eines Terroristen geworden, der angetrieben war von einem Hass gegen Muslime wie mich, gegen echte oder vermeintliche Ausländer. Also gegen Menschen, die einfach so aussehen wie ich. Zehn Menschen. Unschuldige Bürgerinnen und Bürger Hessens, so wie wir, die einfach nur Freunde treffen und ihren Abend ausklingen lassen wollten. Sie verließen ihr Zuhause zum letzten Mal, ohne zu ahnen, dass es so ist.

Und ganz ehrlich: Was passiert ist, wundert mich nicht. Als praktizierender Muslim, als Bartträger, als Mann, der mit einer Frau verheiratet ist, die das Kopftuch trägt, erlebe ich jeden Tag aufs Neue, wie sich die Stimmung verschlechtert, wie uns mit Misstrauen begegnet wird und wie uns Hass entgegenschlägt.

Niemand kann sagen, dass Worte einfach Worte sind

Den Abzug hat vorgestern wohl ein Einzelner betätigt. Die ideologische Waffe haben ihm aber viele andere bereits vorher in die Hand gedrückt. Vorausgegangen ist jahrelange verbale Eskalation: Gegen Muslime wurde gehetzt, Misstrauen und Angst vor dem Islam wurden gesät, das Bild des schmarotzenden, demokratiefeindlichen Schwarzkopfs wurde überall breitgetreten. Und das besonders, aber eben nicht nur von der AfD.

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Spätestens jetzt kann niemand mehr sagen, dass Worte einfach nur Worte sind und Worte bleiben.

Wir sind jetzt an dem Scheideweg, an dem wir entscheiden müssen: Wie sieht das Deutschland aus, das wir in Zukunft haben möchten? Wollen wir weiter den Ton verschärfen, die Gräben vertiefen und Hass säen? Wollen wir Ströme von Blut auf unseren Straßen? Wollen wir, dass Menschen sich in Zukunft argwöhnisch betrachten, nur weil sie unterschiedlich aussehen oder unterschiedliche Glaubensbekenntnisse haben? Ist es das Deutschland, was wir haben wollen?  

Jetzt ist es Zeit zu bekennen

Immerhin ist es genau das, was Terroristen und Hassprediger jeglicher Couleur erreichen wollen. Sie wollen uns spalten, gegeneinander ausspielen. Händereibend stehen sie da und freuen sich, wenn ihre Saat Früchte trägt.

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hs
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Deshalb sage ich: Jetzt ist es Zeit zu bekennen - wir stehen geeint! Vor einigen Jahren, als Terroristen in Brüssel Attentate angeblich im Namen meines Glaubens verübten, habe ich es schon einmal gesagt und ich sage es auch jetzt wieder. Lasst uns den Boten des Hasses klar machen: Wir lassen uns nicht spalten. Wir spielen euer Spiel nicht mit.

Deutschland steht geeint, nachbarschaftlich, in Frieden. In diesem Sinne, für ganz Deutschland und die ganze Welt: Assalamoaleikum. Das ist Arabisch und bedeutet: Friede sei mit euch.

Sendung: hr-iNFO, 22.02.2020, 8.10 Uhr