Claudia Berger war 18 Jahre lang drogenabhängig.

Zu scheitern ist schlimm - aber eigentlich ganz normal. Doch kaum jemand spricht darüber. Das wollten die hr-Volontäre ändern. Sie zeigen Geschichten von Menschen, die scheiterten und daran wuchsen. Wie Claudia, Ex-Drogenabhängige, die heute Suchtaufklärung für Kinder macht.

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Eine Frau liegt stöhnend auf dem Badezimmerboden und krümmt sich vor Schmerzen. Es ist Claudia Berger, die gerade ihre siebte Überdosis genommen hat. 34 Kilo sind alles, was von ihr übrig geblieben sind. Die Drogen haben den Körper kaputt gemacht. Jetzt will Claudia Berger nur noch eines: Sterben.

 "Mir war heiß und kalt und ich habe nur noch gebetet, dass es aufhört", erinnert sich die heute 44-Jährige. Ihr Herz schlägt so heftig, dass sie das Gefühl hat, der ganze Raum um sie vibriert. Sie muss sich übergeben und hat wahnsinnige Schmerzen in der Brust. Plötzlich bekommt sie Angst. Mit letzter Kraft wählt sie die Nummer des Notrufs. Doch im ersten Moment kann sie sich über die Rettung nicht freuen: "Ich habe mich selbst dafür angewidert, dass ich es nicht mal geschafft habe, das durchzustehe..." Der Suizid ist gescheitert. Was Claudia Berger in dem Moment noch nicht weiß: Es wird der große Wendepunkt ihres Lebens werden.

Kontakt mit Drogen - Der Abstieg

Bis zum 17. Lebensjahr ist alles okay. Claudia spielt Fußball in der Bundesliga und macht eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin. Ihr großer Traum: Ein Job in der Formel 1. Doch was nach außen so gut klingt, verdeckt massive Probleme. Claudia wächst in einem gewalttätigen Umfeld auf. Das prägt sie nachhaltig. Albträume plagen die Jugendliche, sie ist traurig, weil sie nicht versteht, was um sie herum passiert. Ein großer Druck lastet ständig auf ihrer Brust. Mit Freunden raucht sie ihren ersten Joint und fühlt sich auf einmal gut. "Ich hab vier oder fünf Mal an dem Ding gezogen und dann hab ich auf einmal gemerkt: Wow, der Druck ist weg!"

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Die große Sehnsucht nach diesem Gefühl der Leichtigkeit treibt Claudia Berger in die Drogensucht. Sie fängt an zu trinken und konsumiert später jahrelang harte Drogen. 18 lange Jahre macht sie die Nacht zum Tag und lebt ständig im Rausch. Doch glücklich machen Alkohol und Drogen sie nicht. Claudia Berger wird aggressiv und sucht immer wieder körperliche Auseinandersetzungen – auch mit Männern. Mehrmals muss sie sich vor Gericht wegen Körperverletzung und schweren Raubes verantworten. Ihr Leben? Ein einziger Trümmerhaufen.

Der Wendepunkt

Doch dann ist da dieser magische Moment: Claudia Berger hat sich nach ihrer siebten Überdosis selbst aus der Klinik entlassen, gegen jeden Rat der Ärzte. Sie schleppt sich zu Fuß nach Hause und sieht plötzlich eine Sternschnuppe am Himmel. Ein Zeichen? "Und da habe ich gedacht: Okay, wenn ich noch eine Aufgabe habe, wenn es noch etwas gibt, das ich machen soll, dann mach das noch mal.“ Und tatsächlich sieht sie eine zweite Sternschnuppr. "Mal dahin gestellt, ob es diese Sternschnuppe wirklich gab. Ich habe sie gesehen." Von diesem Erlebnis ergriffen ändert Claudia alles. Sie macht einen kalten Entzug und sucht sich Arbeit.

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Schöner Scheitern

Erfolgsmomente teilen alle gerne – über Misserfolge und Scheitern möchte dagegen kaum jemand sprechen. "Schöner Scheitern – Jetzt ist Feierabend" hat sich aber genau das zum Ziel gemacht. Moderatorin Antonia Troschke spricht mit drei Gästen über deren ganz persönliches Scheitern und wie sich das anfühlt, wenn man merkt: Das wars, jetzt ist für mich Feierabend.

"Schöner Scheitern", 21.12.2019, 00.30 Uhr im hr-fernsehen

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Heute engagiert sie sich in der Drogenprävention und erzählt Kindern und Jugendlichen ihre Geschichte. Damit ihnen nicht das geschieht, was ihr passiert ist. "Für mich ist es nicht einfach zurückzublicken", sagt Claudia Berger heute. Aber es mache sie auch nicht mehr fertig. Die ehemalige Drogenabhängige habe sich selbst verziehen. "Das war das Schwierigste." Die Drogen, der Alkohol, die Gewalt – all das gehört zu Claudia Berger dazu. Ob sie gescheitert ist? Definitiv, meint die 44-Jährige. Und dafür sei sie selbst verantwortlich. "Aber ich bin wieder aufgestanden."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.12.2019, 19.30 Uhr.