Online-Glücksspiele Notebook

Amin hat knapp 100.000 Euro in Online-Glücksspielen verzockt. Trotzdem kann der Familienvater aus Frankfurt hoffen, einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Denn die Spiele sind in Deutschland illegal - noch.

Es fing eigentlich recht harmlos an für Amin. Über eine Online-Glücksspielseite gelang er zu virtuellen Casino-Spielen: Poker, Black Jack, Roulette. Am Anfang setzte er nur die Mindesteinsätze. Doch dabei blieb es nicht. "Irgendwann zockte ich jeden Tag, vor und nach der Arbeit, oft sogar während der Arbeit", sagt der 44 Jahre alte Luftverkehrskaufmann, der seinen richtigen Namen nicht öffentlich nennen möchte.

Bis zu 3.000 Euro setzte Amin in virtuellen Roulette-Runden. "Ich spielte ohne Limit - bis alles weg war", sagt er. Amin verlor und verlor. Zum Schluss konnte er die Miete für die Frankfurter Wohnung, in der er mit seiner Frau und den drei Kindern wohnt, nicht mehr bezahlen. Amin war pleite. "Ich war auf jeden Fall süchtig", sagt er rückblickend. Im Dezember vergangenen Jahres suchte er Hilfe bei einer Frankfurter Suchtberatungsstelle.

Insgesamt hatte der Familienvater über 100.000 Euro verspielt. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass er zumindest einen Teil des Geldes zurückbekommt.

Dienstleister versucht, Geld von Spielern zurückzuholen

In herkömmlichen Spielhäusern gibt es Ausweiskontrollen, Spieler können sich selbst sperren lassen, sie bezahlen in bar. In den Online-Casinos gibt es diese Kontrollmechanismen nicht. Deshalb sind sie derzeit in Deutschland laut Glücksspielstaatsvertrag auch verboten. Die letzten deutschen Lizenzen für Anbieter von Online-Casinos liefen Ende 2018 aus.

Als Amin das verstand, wandte er sich an den Dienstleister wirholendeingeld.de. Das Unternehmen vermittelte ihm den Rechtsanwalt Guido Lenné, der auf Online-Glücksspiele spezialisiert ist. Die Banken, Kreditkartenfirmen oder Online-Zahlungsanbieter hätten von dem Online-Glücksspiel-Verbot wissen müssen und daher die Transaktionen nicht durchführen dürfen, argumentiert Lenné gegenüber den Zahlungsdienstleistern.

"Bei Paypal funktioniert dieses Vorgehen in acht von zehn Fällen", sagt der Anwalt. Bei Kreditkarteninstituten oder Anbietern von Sofortüberweisungen sei er in knapp der Hälfte der Fälle erfolgreich.

Bisher 11.000 Euro zurückbekommen

Tatsächlich konnte Lenné seinem Frankfurter Klienten bisher knapp 11.000 Euro von Paypal zurückholen. Davon musste Amin allerdings über 4.000 Euro an den Dienstleister zahlen. Das Unternehmen wirholendeingeld.de übernimmt zwar das Prozessrisiko, im Erfolgsfall zahlen die Kunden aber Provision. Die 90.000 Euro, die Amin per Sofortüberweisung und Kreditkarte verspielte, hat er noch nicht zurück. "Da ist mein Anwalt zurzeit noch dran", sagt er.

Doch unter Umständen ist Eile angesagt: Denn wenn es nach Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) geht, sollen Online-Casinospiele legalisiert werden. "Spieler können in einem unregulierten Markt nicht effektiv geschützt werden und den Ländern entgehen erhebliche Einnahmen", sagt Beuth. Laut Handelsblatt Research Institute betrugen die Bruttospielerträge für nicht-regulierte Online-Casinospiele im Jahr 2015 fast 1,3 Milliarden Euro.

Hessen hatte schon 2016 einen Vorschlag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrags eingebracht. Bis heute herrscht jedoch Uneinigkeit zwischen den Ländern. Sollte es im Zuge der Neuverhandlung des Glücksspielstaatsvertrages keine Einigung über eine Regulierung des Online-Casinomarktes geben, werde Hessen ab 2021 eine eigene landesgesetzliche Regelung schaffen, kündigt Beuth an.

"Habe die Sinnlosigkeit hinter den Spielen verstanden"

Wie das neue Gesetz genau aussieht, ist noch nicht klar. Unklar ist auch, wie viel Geld Amin tatsächlich zurückbekommt. Aber der Familienvater aus Frankfurt hat offenbar seine Lektion gelernt. "Ich habe die Sinnlosigkeit hinter den Spielen verstanden. Auch, wenn ich eine Million gewinnen würde, würde ich sie wieder verspielen", sagt er. Seine Glücksspielsucht hat er mittlerweile seit vier Monaten hinter sich gelassen. Angst, rückfällig zu werden, hat er nicht.

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Die Gesetzeslage bei Online-Glücksspielen

"Das Veranstalten und das Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet ist verboten." So steht es im Glücksspielstaatsvertrag zwischen den Bundesländern von 2011. Die Länder vergeben Lizenzen an Glücksspiel-Anbieter. Online-Casinospiele wie Poker, Roulette oder Rubbellose sind klar verboten. Das Verbot ist jedoch für die Länder kaum durchzusetzen, weil die Anbieter im Ausland sitzen. Sportwetten im Internet bewegen sich in einer Grauzone, sind aber formell auch nicht erlaubt.

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